Beide verdächtige Libanesen sind nach SZ-Informationen kurz nach dem misslungenen Attentat nach Istanbul geflogen. Der Verdächtige aus Kiel fühlte sich offenbar sehr sicher und kehrte zurück, der andere ist vermutlich im Nahen Osten untergetaucht. Einem Bericht zufolge sollen Ermittler schon im Juli Hinweise über geplante Attentate gehabt haben.

In mehreren Städten kam es am Dienstag zu Razzien der Polizei. Sie durchsuchte am frühen Nachmittag die Wohnung eines 20 Jahre alten Libanesen in Köln, den sie für den Komplizen des bereits festgenommenen mutmaßlichen Bombenlegers aus Kiel hält. Gleichzeitig rückte sie bei einem libanesischen Autohändler in Essen und einem Unternehmer in Oberhausen an. Auch einen Lebensmittelladen in Gelsenkirchen durchsuchten die Beamten.

Mutmaßlicher Mittäter Kofferbomben

Lebte offenbar in Köln: Jihad H. (© Foto: AP)

Anzeige

In Kiel wurde zudem die Wohnung eines Kontaktmanns des bereits am Samstag in Kiel Verhafteten gefilzt. Die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke-Katrin Scheuten, bestätigte am Nachmittag, dass der zweite mutmaßliche Bombenleger identifiziert sei. Das persönliche Umfeld der beiden Verdächtigen werde aufgeklärt. Nach Informationen der Kieler Nachrichten wurde ein Bekannter von Youssef Mohamad E. in Kiel festgenommen.

Erst seit Februar in Deutschland

Die beiden Verdächtigen haben nach den Erkenntnissen der Behörden nur Stunden nach ihrem versuchten Anschlag eine Maschine nach Istanbul genommen und sind von dort vermutlich weiter in den Nahen Osten geflogen. Dort soll sich demnach der vorher in Köln lebende Jihad H. auch noch aufhalten. Die Sicherheitsverantwortlichen haben offensichtlich ziemlich genaue Hinweise auf seinen Aufenthaltsort. Warum der Verdächtige aus Kiel nach Deutschland zurückkehrt ist, ist unklar.

Der zweite Verdächtige Jihad H., soll sich erst seit Februar in Deutschland aufgehalten haben. Nach Erkenntnissen der Fahnder war der junge Mann aber bereits davor zweimal in Deutschland gewesen. Dagegen war der Verdächtige von Kiel bereits seit dem Jahr 2004 in Deutschland. Nach Informationen der SZ haben sich der Kölner Verdächtige und der bereits verhaftete Mann aus Kiel einige Zeit vor der Tat getroffen und sich offenbar sehr abgeschottet. Möglicherweise ist bei diesem Treffen der Plan zum Bombenbau entstanden. Die beiden Verdächtigen sollen Kontakt zur islamistischen Befreiungspartei "Hizb ut-Tahrir al Islami" haben, die ihre Zentrale im Libanon hat und Israel bekämpft.

Die Polizei wurde auf die möglichen Hintermänner im Ruhrgebiet aufmerksam, weil die mutmaßlichen Bombenleger Kontakte zu ihnen pflegten - auch finanzielle Unterstützung erhielten sie. Sicherheitsexperten berichten, die Geschäftsleute ständen im Visier der Behörden, weil nicht klar sei, ob sie aus ihren Einnahmen Geld abzweigten, um Terroristen in ihrer Heimat zu unterstützen.

Spuren nach Hamburg

Nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts führen Spuren auch nach Hamburg. Es gebe eine Verbindung des am Wochenende in Kiel festgenommen Mannes zu einem Deutsch-Marokkaner, der Anfang Juli am Hamburger Dammtor-Bahnhof festgenommen worden sei.

Unter Berufung auf Sicherheitskreise schreibt das Blatt, die Männer sollten in Kontakt gestanden haben. Zudem solle es bereits im Juli Hinweise auf mögliche Anschläge auf Regionalbahnen gegeben haben.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(dpa/SZ vom 23.8.2006)