Kölner Silvesternacht Zweifel am Innenminister

Für Ralf Jäger steht fest: Erst am 4. Januar war die Dimension der Gewalt rund um den Hauptnahnhof sichtbar. Doch nun widerspricht ihm einer seiner wichtigsten Mitarbeiter.

Von Kristiana Ludwig, Düsseldorf

Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in Köln und weiteren Städten in der Silvesternacht steht der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) weiter in der Kritik, die Öffentlichkeit zu spät informiert zu haben. Jäger hatte einen Bericht vorgelegt, dem zufolge die Polizei ihn zwar am 1. Januar um 14.36 Uhr mit einer sogenannten Meldung wichtiger Ereignisse über "elf Übergriffe zum Nachteil von jungen Frauen durch eine 40 bis 50 köpfige Personengruppe" informiert hatte, die dort als "Nordafrikaner im Alter zwischen 17 und 28 Jahren" beschrieben wurde. Auf dieser Grundlage wäre ein öffentliches Statement jedoch "fahrlässig" gewesen, sagte der Minister im Innenausschuss des Landtags. Die Dimension der Ereignisse sei ihm vor dem 4. Januar nicht bekannt gewesen. Jägers Abteilungsleiter für Polizeiangelegenheiten, Wolfgang Düren, sagte hingegen, die Neujahrsmeldung sei ihm direkt als "politisch bemerkenswert" aufgefallen. Sie "könnte Gegenstand im Innenausschuss" werden, habe er sich schon am 1. Januar überlegt. Den Minister habe er dennoch nicht deswegen kontaktiert. Die Opposition wirft Jäger Versagen vor. "Sie übernehmen keine politische Verantwortung", sagte der CDU-Innenpolitiker Gregor Golland.

Jäger räumte ein, dass er sich nicht wie angekündigt um die nordafrikanischen Männer in Flüchtlingsunterkünften gekümmert habe. Bereits Ende 2014 war diese Problemgruppe Thema im Innenausschuss. "Was aussteht, ist eine Gesamtkonzeption", sagte der Innenminister. Bei den meisten Verdächtigen von Köln handelt es sich nach Jägers jüngstem Bericht nicht um polizeibekannte Diebe, sondern Nordafrikaner, die erst kürzlich Asyl beantragt haben oder vermutlich illegal in Deutschland leben.