Köln SEK-Kommando aufgelöst - Verdacht der fahrlässigen Tötung

Gegen fünf Beamte einer Polizei-Sondereinheit wird unter anderem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Die Beamten, von denen einer gestanden habe, wurden vom Dienst suspendiert, ihre Einheit aufgelöst.

Ihnen werden nach dreiwöchiger Ermittlung insgesamt sechs Straftatbestände aus den vergangenen Jahren vorgeworfen, darunter auch Körperverletzung im Amt, Diebstahl und Strafvereitelung. Gegen zwei weitere Beamte wird ermittelt, weil sie bei einer SEK-Feier Haschischplätzchen konsumiert haben sollen. Auch sie wurden vom Dienst suspendiert.

Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Jürgen Kapischke, sprach von einem besonders "erschreckenden und gravierenden Fall". Die Beschuldigten hätten die Taten nach derzeitigem Ermittlungsstand bewusst begangen und im Rahmen von Einsätzen vertuscht. Es sei möglich, dass Vorgesetzte das Fehlverhalten gedeckt und auf eine Anzeige verzichtet hätten.

Auf welche Fälle sich die Vorwürfe im Detail beziehen, wollten die Ermittler nicht mitteilen. Erst am Morgen waren Wohnungen und Diensträume der Verdächtigen durchsucht worden. Die Hinweise für das Verfahren stammen den Angaben zufolge von "Zeugen aus den eigenen Polizeireihen".

Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht ein Einsatz von fünf SEK-Beamten im Juli 2001 in Hennef bei Bonn, der bisher als "Fall einer versuchten Selbsttötung" eines Mannes gegolten habe. Tatsächlich bestehe hier aber laut Zeugenaussagen der Verdacht der fahrlässigen Tötung durch einen SEK-Beamten, sagten die Ermittler. Nach den Einsätzen soll die Fünfer-Gruppe auf Veranlassung des Kommandoführers ihre Darstellungen abgesprochen haben.

Angebliche Misshandlungen

Außerdem habe es Ende 2000 einen Fall in Sankt Augustin bei Bonn gegeben, bei dem es möglicherweise zu Verfehlungen des SEK-Kommandos gekommen sei. Erst vor wenigen Tagen hatte ein 51-Jähriger in diesem Fall die Kölner Polizei und das Land Nordrhein-Westfalen wegen angeblicher Misshandlungen durch vermummte SEK-Beamte im Dezember 2000 vor dem Bonner Landgericht auf Schmerzensgeld und Schadenersatz von fast 230 000 Euro verklagt.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Fritz Behrens (SPD) forderte eine zügige Aufklärung der Vorwürfe. "Schwarze Schafe haben in unserer Polizei nichts zu suchen." Polizeipräsident Klaus Steffenhagen betonte, es gehe um ein "bewusstes Fehlverhalten einiger weniger", die man nicht vorverurteilen dürfe. Die Landtagsfraktion der FDP verlangte eine Sondersitzung des Innenausschusses noch vor der Sommerpause, um "Licht ins Dunkel dieser Affäre zu bringen".