Der Bundespräsident fordert eine bessere Schulbildung in Deutschland. Einige Schulen sind schon jetzt vorbildlich. Die beste hat Köhler nun ausgezeichnet.

Der mit 50.000 Euro dotierte Preis geht an die städtische Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund. Weitere Preise mit jeweils 10.000 Euro wurden an vier integrierte Gesamtschulen in Kassel, Braunschweig, Jena und Hamburg verliehen.

Integrative Kooperationsklasse, dpa

Bundespräsident Köhler mit den Gewinnern des deutschen Schulpreises (© Foto: dpa)

Anzeige

Köhler würdigte bei der Verleihung, das Engagement und Reformfreunde von Lehrern und Schülern in diesen Einrichtungen. Hier hätten sich "Lehrende und Lernende gemeinsam und erfolgreich auf den Weg gemacht, Bildung für alle zu ermöglichen".

Die Schulen kümmern sich vorbildlich um die gemeinsame Bildung von behinderten und nichtbehinderten Schülern. Gleichzeitig nutzen sie die Vielfalt der Herkunftsländer der Schüler als Quelle kulturellen Reichtums und helfen dem Nachwuchs beim Übergang in andere Schulen oder in den Beruf. Köhler lobte, jeder einzelne Schüler werde hier gefordert und gefördert.

Der Bundespräsident fügte hinzu, bei aller berechtigter Kritik sollten Schulen, Lehrer und Schüler nicht pauschal schlecht geredet werden. An vielen Schulen werde Tag für Tag Großartiges geleistet. "Lehrer sind für mich die Helden des Alltags", betonte Köhler.

Ausgezeichnete Grundschule erst 1994 gegründet

In diesem Zusammenhang forderte er mehr Anstrengungen für bessere Schulen in Deutschland. Das "Ziel, gute Bildung für alle, ist längst nicht überall in Deutschland erreicht", sagte Köhler. Bildungschancen seien ungleich verteilt, Schulleistungen im internationalen Vergleich mittelmäßig, und die Zahl der Schulabbrecher viel zu hoch, das mache ihm besondere Sorgen.

"Politik, Wirtschaft und jeder einzelne von uns, wir alle sind gefordert, uns für bessere Bildung einzusetzen", forderte Köhler.

So sieht es auch Schulleiterin Gisela Schultebraucks-Burgkart von der ausgezeichneten Grundschule in Dortmund. "Auch an einem nicht so privilegierten Standort kann man gute Schule verwirklichen." Die Schule wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. In Nordrhein-Westfalen erhielt sie vier Auszeichnungen bei Landeswettbewerben. Erst 1994 wurde sie gegründet als jüngste Grundschule Dortmunds.

Die Schule liegt in einen sozialen Brennpunkt. Über 80 Prozent der Kinder sind Ausländer oder aus dem Ausland stammende Eltern. Rund 400 Schüler besuchen derzeit die für eine Grundschule recht große Lehranstalt. 19 Klassen gibt es. 26 Lehrerinnen und 1 Lehrer unterrichten die Kinder, die aus mehr als 20 Nationen kommen.

Förderplan für jedes Kind

Im Mittelpunkt stehen Kooperation im Kollegium, individuelle Förderung der Kinder oder intensive Elternarbeit. "Wir raten etwa, wenn das Kind noch geringe Vorstellungen von Mengen hat, es öfter beim Tischdecken helfen zu lassen", erklärt die Schulleiterin.

Für jedes Kind gibt es einen Förderplan. Die Themen des Unterrichts erarbeiten die Kinder mit Hilfe so genannter Wochenpläne, die auf das einzelne Kind zugeschnitten sind. Von Anfang an sollen die Kinder angeleitet werden, Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen. "Am Ende der Grundschulzeit verfügen fast alle Kinder über ein sicheres Repertoire an angemessenen Verhaltensweisen", sagt Schulleiterin Gisela Schultebraucks-Burgkart.

Ingesamt hatten sich für den Deutschen Schulpreis 481 der rund 40.000 deutschen Schulen beworben. 18 Schulen wurden nominiert.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/AP/dpa)