Von Annette Ramelsberger

Die Bundesregierung geht im Fall der im Irak verschleppten Deutschen von einem terroristischen Hintergrund aus. In ihrer Sorge um das Leben der beiden hat sie jetzt den Bundespräsidenten eingeschaltet.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Entführung der Deutschen Marianne Krause und ihres Sohnes im Irak mit großer Wahrscheinlichkeit einen terroristischen Hintergrund hat und Deutschland damit zum Abzug seiner Truppen aus Afghanistan gezwungen werden soll.

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In ihrer Sorge um das Leben der beiden Geiseln hat die Regierung Bundespräsident Horst Köhler gebeten, sich in die Befreiungsbemühungen einzuschalten. Köhler sprach in einer Fernsehbotschaft, die auch in arabischen Ländern verbreitet wurde, die Entführer persönlich an: "Ich wende mich jetzt direkt an Sie, die Entführer: Ich appelliere an Sie, Frau Krause und ihren Sohn umgehend freizulassen. Im Irak ist schon zu viel unschuldiges Blut vergossen worden. Halten Sie ein! Geben Sie die Geiseln ihren Familien zurück!", sagte er.

Zum ersten Mal seit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer 1977 durch die RAF hat sich damit ein Bundespräsident übers Fernsehen direkt an Geiselnehmer gewandt. Köhler bezog sich ausdrücklich auf politische und religiöse Motive der Täter - was deutlich macht, dass der Krisenstab die Entführer der im Irak lebenden Deutschen und ihres 20 Jahre alten Sohnes offenbar nicht für Lösegelderpresser hält wie bei den bisherigen Entführern deutscher Staatsbürger.

"Es gibt kein politisches Ziel, das die Entführung oder die Tötung unschuldiger Menschen rechtfertigt. Keine Religion erlaubt ein solches Verhalten'', sagte Köhler.

Im aktuellen Entführungsfall hatten die Geiselnehmer bisher stets nur eine politische Forderung gestellt: den Abzug deutscher Truppen aus Afghanistan. Mehrmals hatten sich die Entführer telefonisch bei Verwandten der entführten Frau in Berlin und in West-Deutschland gemeldet.

Regierung nimmt Morddrohung sehr ernst

"Offenbar haben wir es zum ersten Mal mit Leuten zu tun, die es ernst meinen'', sagte ein hoher Sicherheitsverantwortlicher der Süddeutschen Zeitung. Vermutlich handelt es sich um eine der Terrororganisation al-Qaida nahestehende Islamisten-Gruppe. "Es besteht erhebliche Gefahr für die Geiseln", hieß es in Berlin. Die Entführer hatten mit der Ermordung der Geiseln gedroht, wenn Deutschland nicht bis Anfang nächster Woche beginne, seine Truppen aus Afghanistan zurückzuziehen. Das lehnt die Regierung jedoch einmütig ab.

Offensichtlich soll die Bundesregierung durch verschiedene Aktionen zum Abzug erpresst werden. "Das ist eine politische Offensive auf mehreren Ebenen", sagte ein Regierungsmitglied der SZ. So gebe es Indizien, dass die Entführung und ein am Wochenende im Internet verbreitetes Drohvideo gegen Deutschland und Österreich gezielt zeitgleich und auf der gleichen Internetplattform lanciert wurden. Deutschland wird mit Anschlägen angedroht, wenn es nicht aus Afghanistan abziehe.

In der Regierung nimmt man die Morddrohung "sehr ernst". Der Bundespräsident hat - so heißt es in seinem Amt in Berlin - die Videobotschaft "auf Bitten der Bundesregierung" auf seiner Südamerikareise aufgenommen. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, der Vorstoß Köhlers sei eng mit Kanzlerin Angela Merkel und dem Krisenstab abgestimmt.

Merkel habe mit Köhler telefoniert. In dem Video, das die Täter am Samstag ins Internet gestellt hatten, flehte Marianne Krause Kanzlerin Merkel an, ,,irgendetwas'' zu tun, um die Entführer zu besänftigen. Sonst werde ihr Sohn vor ihren Augen umgebracht, danach sie selbst.

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(SZ vom 15.03.2007)