Gauck-Kür Fast-Allparteien-Koalition verkündet ihren Kandidaten

Fast hätte es die Koalition zerrissen, am Abend dann die Erlösung: Union und FDP einigen sich auf Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten - und präsentieren ihn auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SPD und Grünen. Gauck bittet, in seinem künftigen Amt "die ersten Fehler gütig zu verzeihen und von mir nicht zu erwarten, dass ich ein Supermann bin".

Von Thorsten Denkler, Berlin

Fast hätte es die Koalition auseinandergerissen. Jetzt ist klar: Union und FDP haben sich in einer Marathonsitzung am Sonntag auf Joachim Gauck als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten geeinigt. Das bestätigte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend nach Verhandlungen der Spitzen der fünf Parteien im Kanzleramt. SPD und Grünen hatten Gauck schon 2010 als Gegenkandidat zum zurückgetretenen Bundespräsidenten Wulff aufgestellt und unterstützen ihn weiterhin.

Joachim Gauck, der designierte Nachfolger von Christian Wulff, umrahmt von den Parteichefs, die seine Kandidatur unterstützen: Grünen-Chefin Claudia Roth (v.l.), SPD-Chef Sigmar Gabriel, Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, CSU-Chef und Wulff-Vertreter Horst Seehofer und Vizekanzler und FDP-Chef Philipp Rösler.

(Foto: dapd)

Gauck war zuletzt in die Gespräche eingebunden. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Parteichefs von SPD und Grünen sagte er: "Das ist natürlich für mich ein besonderer Tag." Am meisten bewege es ihn, dass ein Mensch, der noch im finsteren Krieg geboren worden sei und 50 Jahre in einer Diktatur gelebt habe, an die Spitze des Staates gerufen werde. "Die Vorschusslorbeeren, die ich jetzt gehört habe, die möchte ich erst verdienen." Es habe ihm unglaublich geholfen, dass sich die Parteien zusammengefunden hätten. Gauck ging vor allem auf die Kanzlerin ein. Sie habe ihm ihre Hochachtung versichert. "Das Wichtige daran ist, dass Sie mir Vertrauen entgegengebracht haben", sagte er zu Merkel.

Die Kanzlerin hat sich damit dem Druck der FDP ergeben, die Gauck offenbar um jeden Preis durchsetzen wollte. In der CDU hatte es bis zuletzt großen Widerstand gegen die Personalie Gauck gegeben. Es wurde befürchtet, dass diese als Eingeständnis dafür gesehen, mit Christian Wulff 2010 den falschen Kandidaten nominiert zu haben. Damals unterlag Gauck als Kandidat von SPD und Grünen Christian Wulff im dritten Wahlgang. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich die Spitzen von SPD und Grünen dem Vorschlag der die Regierung tragenden Parteien anschließen.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" sagte Parteichef Philipp Rösler zu den FDP-Präsidiumsmitgliedern: "Man kann ein Amt oder eine Wahl verlieren, aber nie seine Überzeugung. Huber ist schwarzrot, Töpfer schwarzgrün und Gauck bürgerlichliberal." Der frühere Umweltminister Klaus Töpfer und der ehemalige Bischof Wolfgang Huber waren zuletzt ebenfalls als Favoriten gehandelt worden.

Auf der Pressekonferenz gab sich Rösler dann aber versöhnlich: Es sei gut, dass parteiübergreifend ein so guter Kandidat gefunden worden sei. Gauck könne verloren gegangenes Vertrauen in das höchste Staatsamt zurückbringen. Gauck sei eine Persönlichkeit, die die Menschen wieder mehr begeistern könne für die Demokratie. Er könne dem Amt wieder die Autorität verleihen, die ihm zustehe.