Einige nannten sie verniedlichend Biene-Maja-Koalition. Das dürfte jetzt vorbei sein. Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP zeigt: Wenn die neue Regierung etwas voranbringen will, dann die Entsolidarisierung der Gesellschaft.
Auf keinen Fall sei die neue Regierung eine Koalition der sozialen Kälte. Auf gar keinen Fall. Wenn Guido Westerwelle, Chef der Liberalen, solche Sätze sagt, dann setzt er einen derart treuherzigen Blick auf, dass man ihm fast glauben möchte.
Drei Köpfe, eine Marschrichtung: Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, FDP-Chef Guido Westerwelle und Horst Seehofer (l.). (© Foto:)
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Aber zum Glück gibt es ja jetzt den schwarz-gelben Koalitionsvertrag. Wer nach der Lektüre dieses 124-Seiten-Werkes immer noch verniedlichend von Biene-Maja-Koalition spricht, der hat sich von Begrifflichkeiten wie "Eigenverantwortung" und "selbst gestalten" blenden lassen. Wenn schon ein Insekt herhalten muss, um der neuen Koalition einen Namen zu geben, dann müsste es die Hornisse sein. Die ist nicht nett, die ist aggressiv.
CDU, CSU und FDP werden in den kommenden Jahren einen radikalen Kurswechsel vornehmen. Es geht um die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Bisher gilt, wenn auch schon mit Einschränkungen: Die Gemeinschaft hilft den Schwachen. Wenn schwarz-gelb fertig ist wird gelten: Jeder hilft sich selbst, dann ist an alle gedacht.
Das beginnt mit der kommenden Reform des Gesundheitswesens. Langfristig soll jeder Versicherte in seiner Krankenkasse genau so viel zahlen wie sein Vorgesetzter. Einkommensunabhängig sollen die Beiträge sein, wieder so ein schönes Wort. Unabhängig. Es bedeutet nicht anderes, als dass Geringverdiener mehr zahlen müssen. Nicht mehr die individuelle Lebenslage entscheidet über den Kassenbeitrag, sondern das Leistungsangebot der Kasse.
Hinzukommen werden Versicherungsbausteine. Schon früher haben CDU und FDP gefordert, Sportverletzung über private Kassen zu versichern. So wird die gesetzliche Krankenversicherung zu einer Grundversorgungseinrichtung, die nicht mehr das medizinisch Notwendige, sondern nur noch das Allernötigste bezahlt. Die Zwei-Klassen-Medizin, die es heute schon in manchen Teilen gibt, sie wäre dann endgültig festgeschrieben.
Der Gedanke, dass jeder für sich selbst zu sorgen hat, zieht sich durch alle Kapitel des Koalitionsvertrages. Ob in den Unterpunkten zur Pflegeversicherung, zur Rente oder zum Arbeitsrecht - die private schlägt die solidarische Lösung.
Im Arbeitsrecht nur ein Beispiel: Die neue Koalition will Kettenverträge bei befristeten Arbeitsverhältnissen ermöglichen. Bisher kann ein befristeter Arbeitsvertrag ohne sachlichen Grund innerhalb von zwei Jahren dreimal verlängert werden. Schwarz-Gelb will diese Grenze einreißen. Damit wird der Kündigungsschutz praktisch ausgehebelt. Der Arbeitnehmer ist auf sich allein gestellt, kann zum Ende jeder Befristung nur hoffen, weiterbeschäftigt zu werden. Im Koalitionsvertrag werden neoliberale Träume wahr.
In der Nacht zum Samstag hat FDP-Generalsekretär Dirk Niebel in einem Satz offenbart, mit welcher Grundhaltung die neue Koalition gedenkt ihren Bürgern gegenüberzutreten. Die Bürger nämlich hätten "jetzt die Chance, gemeinsam mit uns" die Krise zu bewältigen. Mit anderen Worten: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Die Hornissen, sie schwärmen aus.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/mel)
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Tut nichts weiter zur Sache, aber trotzdem: Hornissen sind sehr friedfertige Tiere die abseits des Nestes bei Bedrohung fluechten und nur stechen, wenn sie gequetscht werden oder wenn das Nest unmittelbar bedroht wird.
"Sie wollen nur nicht wahrhaben, dass die Mehrheit der Bevölkerung eben nicht aus Hartz-IV-Empfängern besteht, sondern aus Leuten, die für ihr Geld arbeiten und ziemlich sauer sind, wenn ihnen der Staat von ihrem Verdienst mehr als die Hälfte wieder wegnimmt, um angeblich dringend notwendige soziale Aufgaben zu finanzieren."
Unsere Bevölkerung hier besteht nicht nur aus Hartz4-Beziehern, aber bei einem Nettodurchschnittsverdienst von knapp 1500€ im Monat sind viele Deutsche nicht reich. Auch diese Leute arbeiten, Arbeit ist es nicht nur ab einem Monatsnetto von 4500€.
Zu den "angeblich dringend sozialen Aufgaben": Die Party kommt schon noch, wenn wieder irgendwo junge Mütter ihre Kinder umbringen, die Gewalt von Unterschichtenprügelkids steigt oder die Junkies und Alkies bald in den Fußgängerzonen sind. Sch..ss auf die "angeblich dringenden sozialen Aufgaben". Senken wir lieber bischen Steuern für die Leute, die noch ehrlich und hart für ihr Geld arbeiten. Für die ab 4500€.
So viel Naivität, wie Sie bei mir vermuten, ist wirklich nicht vorhanden. Natürlich hat die Abgabe von Stimmen bei Wahlen direkt mit Parteienspenden nichts zu tun. Aber indirekt schon. Denn wer viel Geld besitzt, kann einen aufwendigen Wahlkampf mit vielen Souveniers und kleinen Geschenken (Aufmerksamkeiten genannt) führen. Auch werden Spender und künftige Spender davon zu Essen eingeladen. Der Otto Normalverbraucher wird dazu nicht eingeladen. Die Analyse der Parteienspenden, die im Internet veröffentlicht sind, zeigt, daß 2008 und 2009 CDU,CSU und FDP von den Konzernen, Banken und verschiedenen Unternehmerverbänden die meißten Spenden, auch bei Großspenden, erhalten haben. SPD und Grüne haben auch etwas abbekommen. Nur Die Linke ging leer aus. Warum wohl? Noch ein Wort zur Demokratie: In der Schweiz, die viele preisen, gibt es verfassungsrechtlich verankert, zu entscheidenden Fragen eine Volksabstimmung. Die geht oft anders aus, als die Wahlergebnisse, weil es sich um eine wichtige Sachfrage handelt. In unserer Demokratie gibt es dies nicht, dafür aber Listenplätze, Überhangmandate usw.
Nun empfehlen Sie mir gegen das Wahlsystem zu klagen. Spätestens seit den Prozeesen gegen Ackermann, Zumwinkel und co ist mein Vertrauen in die Rechtssprechung dahin und außerdem fehlt mir das nötige "Kleingeld" um die Klage, die Gutachter und Gerichte zu finanzieren. In einer Sache gebe ich Ihnen recht: Noch besteht die Mehrheit der Bevölkerung nicht aus Hartz IV-Empfängern. Aber es werden in den kommenden Jahren immer mehr trotz Arbeit zusätzlich Hartz IV brauchen.
"...dann müsste es die Hornisse sein. Die ist nicht nett, die ist aggressiv." Hornissen sind keineswegs aggressiv und im Grunde sehr nützlich. Wespen hingegen (die gemeine deutsche Wespe) kann durch Reizung aggressiv gemacht werden. Bestenfalls wäre letztere lästig bis nervig, wenn man an Sommertagen im Freien ein Eis essen möchte.
Wenn schon ein Insekt mit passendem Farbenspiel für die jetzige Regierungskoalition herhalten muss, empfehle ich den WESPENBOCK (Google hilft). Die prozentualen Farbanteile entsprechen eher dem politischem und die Lebensweise entspricht irgendwie auch den realen Zielvorgaben der neuen Regierung...
Zitat: "Unsere Demokratie und unser Wahlsystem sind verkommen. Mit Volksherrschaft, was ja Demokratie bedeutet, hat es nichts zu tun." und "Stattdessen haben wir ein gut funktionierendes Parteienspendensystem und eine totale Verquickung von Großkonzernen und Parteien"
Man könnte meinen, dass die Abgabe von Stimmen bei der Bundestagswahl irgendwie mit der Höhe der Spenden zusammenhängt. Wenn dem so wäre, dann klagen Sie doch gegen unser Wahlsystem !
Sie wollen nur nicht wahrhaben, dass die Mehrheit der Bevölkerung eben nicht aus Hartz-IV-Empfängern besteht, sondern aus Leuten, die für ihr Geld arbeiten und ziemlich sauer sind, wenn ihnen der Staat von ihrem Verdienst mehr als die Hälfte wieder wegnimmt, um angeblich dringend notwendige soziale Aufgaben zu finanzieren.
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