Um Mitternacht bemühten sich die Unterhändler noch um Harmonie, doch heute geht's zur Sache. Die FDP will Hartz IV abschaffen - neue Zahlen über die Haushaltslöcher könnten die Stimmung verhageln.
Union und FDP drücken bei den Gesprächen über eine schwarz-gelbe Bundesregierung aufs Tempo. Schon der erste Verhandlungstag dauerte fast neun Stunden - die Wunschkoalitionäre sprachen alle Themenfelder an. Nach Abschluss der ersten Gespräche in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalens in Berlin bemühen sich Union und FDP demonstrativ um Harmonie.
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Horst Seehofer lobte zu später Stunde das gute Klima (© Foto: dpa)
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Schon am heutigen Dienstag geht es in den zehn Arbeitsgruppen mit intensiver Detailarbeit zur Sache: Die Mitglieder können unabhängig über ihren Zeitplan bestimmen. Bis spätestens zum 16. Oktober sollen erste Ergebnisse vorliegen.
75 Milliarden müssen eingespart werden
Für schlechte Stimmung könnten die neuesten Schätzungen zum Sparbedarf der neuen Regierung sorgen. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist der Konsolidierungsbedarf des Bundes doppelt so hoch wie vom Bundeskanzleramt angegeben. Der Leiter der Abteilung Staat beim DIW, Viktor Steiner, bezifferte den einzusparenden Betrag bis 2013 auf mindestens 75 Milliarden Euro, schreibt die Bild-Zeitung. "Die vom Kanzleramt genannten 40 Milliarden Euro sind aus unserer Sicht zu niedrig."
Nach DIW-Schätzungen müssten Bund, Länder und Gemeinden bis 2016 jährlich 50 bis 75 Milliarden Euro einsparen, mehr als die Hälfte davon müsse der Bund leisten. "Dadurch ergibt sich allein in den Jahren 2011 bis 2013 für den Bund ein Spardruck von mindestens 75 Milliarden Euro", sagte Steiner dem Blatt.
Das Bundeskanzleramt hatte den Einsparbedarf der neuen Bundesregierung bis 2013 in einem internen Papier vergangene Woche auf rund 40 Milliarden Euro taxiert.
Eitel Sonnenschein zu später Stunde
Um Mitternacht hatten alle Beteiligten das gute Klima gelobt. "Es war eine sehr gute Stimmung, es war ein sehr guter Tag", sagte FDP-Chef Guido Westerwelle am späten Montagabend in Berlin. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) stellte fest: "Wir sind sehr, sehr weit gekommen. Es hat überhaupt nirgendwo gehakt." Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sprach von einem "angenehmen Tag". In der Woche nach der Bundestagswahl hatte es zwischen den Parteien noch teils harsche Vorhaltungen gegeben.
Zugleich dringen einzelne FDP-Politiker weiter auf Zugeständnisse - besonders bei der inneren Sicherheit. Der hessische FDP-Vorsitzende und Justizminister Jörg-Uwe Hahn forderte Änderungen am Gesetz über die Kompetenzen des Bundeskriminalamts (BKA). "Wir wollen nicht, dass es Angriffe auf Privat-PC gibt", sagte Hahn der Frankfurter Rundschau. "Wir möchten das System wieder umdrehen."
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sieht hingegen gute Chancen für eine Einigung - auch beim Streitthema innere Sicherheit. Zwar könne es bei Fragen der Sicherheit keine Kompromisse geben. Die CSU sei aber schon immer dagegen gewesen, "dass sich die Neugier des Staates immer tiefer in die Privatheit der Bürger hineinfrisst", sagte Ramsauer am Dienstagmorgen im ZDF. Seine Partei sei immer dafür eingetreten, die Bürgerrechte zu gewährleisten.
FDP will Hartz IV durch Bürgergeld ersetzen
Im Bereich Soziales will die FDP ihre Forderung nach einem Bürgergeld als Ersatz für Hartz IV durchsetzen. "Wir wollen Hartz IV durch ein leistungsfreundlicheres und arbeitsplatzschaffendes Bürgergeld ersetzen", sagte FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms der Tageszeitung Die Welt. Er steht mit Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) der Steuer- und Finanzarbeitsgruppe vor und gilt als möglicher Finanzminister der Koalition.
Nach den Plänen der Freien Demokraten soll ein Bürgergeld alle aus Steuern finanzierten Sozialleistungen zusammenfassen. Die Liberalen versprechen sich hiervon weniger Bürokratie und Missbrauch sowie stärkere Anreize zur Arbeitsaufnahme. Allerdings betonte der als Arbeitsminister gehandelte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla postwendend, er sehe keine Notwendigkeit, die Hartz-IV-Regelungen grundlegend zu ändern.
Der CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs forderte Beschlüsse für konkrete Einsparungen. "Einsparungen sind in nennenswertem Umfang möglich. Hier kann eine schwarz-gelbe Koalition viel Sinnvolles auf den Weg bringen", sagte er der Neuen Presse.
Dabei dürfe es keine Tabus geben: "Wir wollen, dass alle Ausgaben, alle Förderprogramme und Subventionen auf den Prüfstand gestellt werden - ohne Ausnahme", meinte Fuchs. Bei der Bundesagentur für Arbeit könne "manches überflüssige Förderprogramm", gestrichen werden.
Der sächsische FDP-Chef Holger Zastrow forderte, der Aufbau Ost solle künftig im Wirtschaftsministerium angesiedelt werden. "Auch 20 Jahre nach der Wende muss es jemanden geben, der den Aufbau Ost koordiniert", sagte Zastrow der Leipziger Volkszeitung.
Arbeitsgruppen setzen Beratungen fort
Die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP werden heute mit den ersten Arbeitsgruppensitzungen fortgesetzt. Zehn Themenbereiche von der Steuer- bis zur Außenpolitik werden nun zunächst von den Fachleuten erörtert. Die nächste Spitzenrunde soll am Donnerstag stattfinden.
Nach der ersten Verhandlungsrunde hatten sich beide Seiten am Montagabend zuversichtlich gezeigt, dass eine zügige Einigung möglich ist. Bisher sind die Gespräche bis zum 18. Oktober terminiert. Die Kabinettsvereidigung könnte bereits in der konstituierenden Sitzung des Bundestags noch vor Ende des Monats erfolgen. Bundeskanzlerin Angela Merkel will spätestens bis zum 9. November, dem 20. Jahrestag des Mauerfalls, fertig werden.
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(dpa/Reuters/AP/mati/fvk)
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@kurikolla
Solange die SPD Rot-Rot-Grün (in Norwegen,der Nr. 1 bei der Lebensqualität, wiedergewählt) ausschließt,fördert eine Stimme für die Linke eine Große Koalition.
Doch je stärker die Linke,desto weniger Sozialabbau trauen sich die Anderen.
@FutureWomen, na - fängt das Heule und Zähneklappern schon an? Wer hat nicht alles dafür gesorgt, dass Schwarz/Gelb drankommt? Jetzt ist Schwarz/Gelb dran! Ich wollte Schwarz/Gelb jedenfalls nicht. Linke wie coffeeshop sagten aber vor der Wahl hier im Forum: Und wenn Frau Merkel tausendmal drankommt, so wähle ich doch immer wieder nur die Linken! Damals hatte ich coffeeshop vorgehalten, dass Oskar Lafontaine schon beim ersten Mal Frau Merkel in den Sattel gehoben hatte. Nun - die Herren Lafontaine und Gysi sind und bleiben die Spalter der Nation. Und sie sind in Wahrheit die klammheimlichen Verbündeten von Merkel und Westerwelle. Klingt komisch,nicht wahr? Ist aber die Wahrheit!!!
Anderes Beispiel ein alleinstehender Hartz IV Empfäger erhält 351 + Wohnkosten. Bei 45 qm ist da warm zwischen 300 und 350 je nach Ort und Lage zu veranschlagen. Dabei sind noch nicht Heizkostennachzahlungen berücksichtigt, die dann aber bisher von der ARGE übernommen wurden. Also bekam unser Hartz IV Empfäger bisher 650 700 Euro + Heizkostennachzahlung, die auf den Monat gerechnet auch 50 ausmachen können. Mit dem Bürgergeld von 662 entfällt die Miethöhe und der Heizkostenzuschlag bei Nachzahlungen. Auch der Hatz IV-Empfänger wird also schlechter da stehen, als er es ohnehin schon mit Hartz IV tut.
Wir nehmen mal einen Studenten, der nun auch Bürgergeld erhalten soll. Bisher bekam er Kindergeld, BAföG und evtl. etwas von seinen Eltern. Ich gehe mal von einem Studenten aus, dessen Eltern nichts zum Zusetzen haben. Dann hatte der Student bisher einen Höchstbetrag von 630 mit KV und PV und Mietanteil, dazu 164 KiKe = 794 . Davon muss der Student KV, PV und Wohnkosten bezahlen, das dürfte so zwischen 350 und 380 ausmachen. Da bleiben ca. 400 , davon muss Semestergebühr, Semesterticket, evtl. Studiengebühr, Bücher, Studienmaterial bezahlt werden. Für diese Dinge wendet unser Student auch so zwischen 200 und 250 im Monat auf. Es bleiben ihm also für das nackte Leben (Essen, Trinken, Kleidung und andere Grundbedürfnisse) 150 200 im Monat. Das ist oft zu wenig, also geht Student arbeiten und darf im Jahr 7680 Einnahmen und Bezüge haben, d.h. seinen Darlehnsanteil am BAföG darf er dazu verdienen. Das sind 315 . Dadurch kommt Student aber nicht mehr so viel zum Studieren, Studium dauert länger, BaföG-Anspruch erlischt, das heißt noch mehr arbeiten dann evtl. Studiengebühren für Langzeitstudierende zahlen, es ist halt schwer für Kinder von Normal und Ganzwenig-Verdienern zu studieren.
Mit dem Bürgergeld würde unser Student nur noch 662 erhalten. Dabei büßt er 132 ein. Er darf aber jetzt mehr arbeiten damit das Studium recht lange dauert. Denn um auf 1109 monatlich zu kommen, was ja unser Student durch Hinzuverdienst von 315 schafft, muss er nun 1600 Brutto verdienen und darf dann 10% von seinem Bürgergeld behalten. In der Regel ist das ein Vollzeitjob. Einziger, aber nur einziger Vorteil wäre, dass der Darlehnsanteil weg fällt und Student nicht ca. 20 000 Schulden hat.
Zitat: "Zwar bin ich nicht im geringsten religiös, aber Angst habe ich auch keine. Deutsch- ist nicht das einzige Land dieser Erde."
Sie wollen doch nicht etwa auswandern?
Sprechen Sie vielleicht sogar Ausländisch?
Dann sind Sie ja höher qualifiziert als das künftige Außenmonster!
Jeder, der eine Fremdsprache spricht ist ein Leistungsträger.
Da müsste mindestens ein Ministerposten drin sein.
Paging