Noch will es in Hamburg niemand offiziell bestätigen, doch die erste schwarz-grüne Regierung auf Landesebene ist offenbar beschlossene Sache. Dabei sah es am Morgen nicht danach aus.

Fast wäre es noch knapp geworden. Der stellvertretende Vorsitzende der Hamburger Grünen, Jens Kerstan, betritt am Vormittag alles andere als gut gelaunt das Tagungshotel am Rande der Hamburger Innenstadt. "Nichts ist vom Tisch", sagt er mit Blick auf die Streitpunkte Kohlekraftwerk Moorburg und Elbvertiefung im Hamburger Verhandlungspoker von CDU und Grünen (GAL).

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Und auf die Frage, ob ein Scheitern der Verhandlungen für ein erstes schwarz-grünes Regierungsbündnis auf Länderebene noch möglich wäre, antwortet er schlicht: "Wir sind uns nicht einig. Da gibt es keine Steigerung."

Rund vier Stunden später sieht die Welt der Regierungspartner in spe jedoch ganz anders aus. Sie haben sich am Mittwoch grundsätzlich auf einen Koalitionsvertrag geeinigt - und zwar mit allem drum und dran. Sagen wollen das die Emissäre zwar nicht. Bürgermeister Ole von Beust (CDU) etwa verweist auf die Pressekonferenz am Donnerstag, bei der der Vertrag "feierlich" präsentiert werden soll, und entschwindet ebenso wie der Rest der Mannschaft.

Nur die GAL-Innenexpertin Antje Möller erbarmt sich. Sie sagt nach einem Monat Verhandlungen beinahe nebenbei: "Wir haben nichts mehr, was noch in großer Runde geklärt werden müsste." Jetzt seien nur noch Feinabstimmungen notwendig.

Dabei hatte sich diese zwölfte Verhandlungsrunde zunächst nicht sonderlich erfolgversprechend angelassen. Mehrere Stunden zogen sich die Verhandlungsführer um Bürgermeister Beust, CDU-Chef Michael Freytag, Grünen-Chefin Anja Hajduk und die GAL-Fraktionsvorsitzende Christa Goetsch in kleiner Runde zurück. Nichts drang nach außen.

Selbst der Rest der Emissäre von CDU und Grünen war zu einem ausgiebigen Frühstück am Hotel-Buffet verdammt, konnte erst mit zweistündiger Verspätung in die Beratungen mit ihren Teamchefs einsteigen. Mehrere Verhandlungsteilnehmer sprachen schon davon, dass entgegen den Plänen ein zusätzlicher Beratungstag nötig sein könnte.

Zu weit schienen die Parteien auseinander. So wollen die Grünen den Bau des 1640-Megawatt-Steinkohlekraftwerks an der Elbe im Süden der Stadt aus Klimaschutzgründen verhindern - und zwar unbedingt. Das hatte Goetsch in der Vergangenheit mehrfach klargemacht und noch einmal wiederholt, als der Energiekonzern Vattenfall mit Schadenersatzforderungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro drohte und gar eine Klage gegen die Stadt einreichte. Man werde sich an Recht und Gesetz halten, sagte Goetsch damals. Mehr aber auch nicht, war dabei deutlich mitzuhören.

Denn in der Partei steht längst fest: Sollten Goetsch und Hajduk keine Lösung im Sinne der Grünen gelingen, bräuchten sie sich erst gar nicht auf der Mitgliederversammlung am 27. April blicken lassen. Die Basis würde den Koalitionsvertrag auf jeden Fall ablehnen und den schwarz-grünen Träumen damit ein jähes Ende bereiten.

Doch auch für die CDU-Verhandler auf der anderen Seite des Beratungstisches gilt es, Vorsicht walten zu lassen. Denn auch sie müssen sich einem Parteitag stellen. Und dabei ist abzusehen, dass etwa die schon jetzt misstrauischen und in der CDU durchaus einflussreichen Wirtschaftsverbände gegen einen Koalitionsvertrag wettern werden, sollte er nicht in ihrem Sinne ausfallen. Da ist es dann ganz egal, dass die Hälfte der Bundesbürger laut einer Umfrage für Schwarz-Grün in Hamburg ist und die Union am 28. April mit einem Ja zum Koalitionsvertrag durchaus Geschichte schreiben könnte.

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(dpa/beu)