Sieg nach inhaltsleerem Wahlkampf - und jetzt? Der schwarz-gelben Koalition fehlt eine sinngebende Überschrift. Dabei gäbe es eine Aufgabe für sie: Bildung, Bildung, Bildung.
Jetzt soll es losgehen. Von diesem Montag an werden Schwarz und Gelb die Politik ihrer Regierung aushandeln. Das wird höchste Zeit, denn noch nie hat es eine Wahl gegeben, von der nicht mal die Sieger sagen können, was sie bedeutet.
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"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" schrieb Hermann Hesse. Für die schwarz-gelbe Koalition unter Guido Westerwelle und Angela Merkel gilt das nicht. (© Foto: ddp)
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Es könnte eine Zeitenwende sein, wie es sie 1982 gegeben hat, als Helmut Kohl Kanzler wurde, oder wie 1998, als Kohl durch Schröders rote-grüne Regierung abgelöst wurde. Und was ist zu spüren? Bislang rein gar nichts.
Die CDU-Vorsitzende erklärt vor allem, was sie nicht möchte. Ihr designierter Vizekanzler Westerwelle ist so berührt vom Erfolg, dass es ihm fast die Sprache verschlagen hat vor Aufregung. Und der Dritte im Bunde, CSU-Chef Horst Seehofer, schleppt sich als Verwundeter in die Koalition, was ihr Erscheinungsbild nicht verbessert. Diesem Anfang wohnt kein Zauber inne.
Der defensivste Wahlkampf der Geschichte
Die Beteiligten sollten sich darüber freilich nicht wundern. Es hat in der Geschichte noch nie einen solch defensiven Wahlkampf gegeben. Konrad Adenauer und Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl, Gerhard Schröder und selbst die Angela Merkel von 2005 - alle bewarben sich ums Regieren, indem sie für ein großes politisches Ziel kämpften.
Diesmal dagegen wollte Merkel nur eines: Schwarz-Gelb schaffen - aber auf gar keinen Fall laut dafür eintreten. Insbesondere im Osten, wo das Bündnis aus CDU und FDP die letzten drei Bundestagswahlen verloren hat, wollte sie kein Feindbild abgeben.
Die Strategie ist aufgegangen. Aber der Preis ist hoch. Das Bündnis wirkt sinnentleert, weil es nichts Besonderes sein durfte. Daran wird auch eine mittelprächtige Steuersenkung wenig ändern. Mehr Netto vom Brutto mag ein Ziel sein, aber es ist keine Überschrift für eine Regierung.
Was also bleibt? Es bleibt die zentralste Aufgabe, die sich eine gern bürgerlich genannte Koalition auf die Fahne schreiben müsste: Das Bildungssystem so auszubauen und zu modernisieren, dass es im internationalen Wettbewerb bestehen kann.
Der Schlüssel heißt nicht Steuern, sondern Bildung
Die weltweite Wirtschaftskrise hat diesen Wettbewerb nicht abgeschwächt. Im Gegenteil. Wie nie zuvor beäugen sich Länder und Kontinente jetzt bei der Frage: Wer kommt am besten aus dieser Krise? Der Schlüssel dazu heißt nicht Steuern, sondern Bildung.
Diese Regierung müsste also einen im besten Sinne bildungsbürgerlichen Anspruch an sich selbst richten. Das hieße, das Bildungssystem durchlässig zu machen für alle Kinder, auch jene, die nicht wohlbehütet aufwachsen. Es hieße, die Verantwortung ernst zu nehmen, die sich aus dramatisch sinkenden Kinderzahlen ergibt.
Es hieße, Bildung bei der frühkindlichen Bildung zu beginnen und Erzieherinnen und Grundschullehrern eine bessere Ausbildung und mehr Lohn zu geben. Es hieße, das System besser aufzustellen, gerade auch bei der Finanzierung. Und das hieße, endlich Schluss zu machen mit einer Kleinstaaterei, die den meisten Bürgern ein Graus ist. Bildung muss nicht zentralisiert werden. Aber sie ist eine nationale Aufgabe.
Die CDU muss den Streit durchbrechen
Angela Merkel weiß das. Mit ihrer Bildungsreise 2008 legte sie den Finger selbst in die Wunde. Nur gelöst hat sie bis heute nichts, weil ihre eigenen CDU-Ministerpräsidenten sie blockierten. Genau das aber zeigt, was jetzt nötig wäre. Es darf keine Streitfrage zwischen Bund und Ländern bleiben, es muss deshalb eine politische Grundsatzentscheidung geben.
Und das heißt: Die CDU, die nicht nur die Kanzlerin stellt, sondern auch die mächtigsten Ministerpräsidenten, muss den Streit durchbrechen. Sie muss das absurde Kooperationsverbot zwischen Bund, Ländern und Gemeinden als Irrtum erkennen und für falsch erklären. Nur dann wäre die nötige Verfassungsänderung möglich, nur dann wäre Politik, was sie sein müsste: zukunftsweisend.
Deutschland hat keine Rohstoffe, es lebt seit langem allein vom Erfindungsgeist seiner Menschen. Die Kanzlerin hat das verstanden. Es wird Zeit, dass ihre neue Regierung danach handelt.
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(SZ vom 05.10.2009/liv)
Kanzlerin Merkel und die Macht
Dies ist ein schöner Tag.
Anstelle der Schuldenuhr , die keinerlei Antriebskraft zum Guten
befördert, sollte über jedem öffentlichen Gebäude der Aufruf:
Bildung! Bildung! Bildung! stehen.Das ist der Königsweg zur Lösung der allermeisten
Probleme,die uns alle so sehr bedrängen.
Die geistfeindlichen Regierungszeiten seit 1982,wesentlich mitinszeniert von einem Herrn,
der gerne im gelben Pullunder auftritt, müssen ein Ende haben.
.Dies wird nur aus der Mitte der Bevölkerung bewirkt werden können.Den deutschen Parlamenten dürfen wir das nicht zutrauen. Fangen wir endlich an, das Internet als gewaltige demokratische Mitwirkungschance zu nutzen,ohne auf die Themensetzungen hereinzufallen, die von Politik und Medien (weitgehend) vorgegeben werden.
"Wahrlich,wir leben in geistfernen Zeiten." Dieser Notruf von Hans Wollschläger gilt nach wie vor. Wir sollten diesen Ruf hören, und wollen dankbar sein, daß der heutige Kommentar der SZ insofern einen Schritt getan hat, derart beklagenswerte Zeiten zu überwinden.Danke an den Redakteur, und bitte, lassen Sie das Thema nicht als Eintagssfliege sterben.
gez. Wyatt Earp
Zunächst muss die neu zu bildende Bundesregierung vorab definieren, welches ihre kurz-, mittel- und langfristiger Ziele sind und erst im Anschluss daran sinnvoller Weise die Wege zu diesen Zielen definieren - Wege, die begründet geeignet erscheinen, uns sowohl aus der wirtschaftlichen als auch aus der sozialen Krise führen zu können.
Auch wenn sich eine verbesserte (schulische) Bildung bezüglich der zu erhoffenden Auswirkungen unter alle 3 Fristigkeiten subsumieren lässt
- kurzfristig die Arbeitsbedingungen/Motivation für die (Hoch-)SchülerInnen und das "bildende" Personal betreffend
- mittel- und langfristig (was den einzig bedeutenden "Rohstoff" unseres Gemeinwesens angeht) die Effekte in wirt-/wissenschaftlicher Hinsicht
so scheint sie nicht DIE Lösung für die vordringlichsten Aufgaben darzustellen.
.
Nun kommt eine subjektive Unmöglichkeit politischen Handelns ins Spiel:
Mit der Föderalismusreform 2006 wurden per Gesetz jeder nachfolgenden Bundesregierung die Hände gebunden. Bildungspolitik wurde final zur Ländersache. Bis zum Juni 2006 waren z. B. Hochschulbau wie auch Bildungsplanung gemeinschaftliche Aufgaben von Bund und Ländern gewesen - seit nunmehr über 3 Jahren ist damit Schluss.
Der Bund verblieb grade so mal das Recht, Vorgaben bei Hochschulzulassung und Hochschulabschluss zu formulieren (wobei die Länder an diese Vorgaben nicht gebunden sind) sowie beim Zusammenspiel von betrieblicher und schulischer Ausbildung noch ein Wörtchen mit zu reden.
So wie sich der Bund aus der direkten Hochschulfinanzierung zurückgezogen hat, so tat er dies auch bei den direkten Finanzhilfen im Schulbereich - damit ist selbst in diesen Bereichen das Mitspracherecht des Bundes gleich Null.
Der Bund kann den Ländern nur noch "gut zureden".
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Und der Länder finanzieller Spielraum - der wird immer kleiner.
Wie sollen die Länder die Aufgaben, welche mit der Forderung nach "Bildung, Bildung, Bildung ..." denn finanziell stemmen? - per wichtiger Steuern etwa?
Da wären die reinen Ländersteuern
- Vermögenssteuer (damit hat das designierte Bundeskabinett massivste Probleme)
- Erbschaftssteuer (nur nicht dran drehen, sonst gehen noch mehr potenzielle Erblasser stiften)
- Kraftfahrzeugsteuer (da ist nicht nur der ADAC vor)
Dann gibt es noch die Gemeinschaftsteuern
- Einkommens- , Lohn- und Körperschaftssteuer (sollen alle FDP-gesenkt werden)
- Umsatzsteuer, Zinsabschlag (entweder tabu oder zu hoch)
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Und nun - was tun?
Bildung, die zum brotlosen Praktikum qualifiziert, gibt es schon mehr als genug. Was als erstes fehlt, ist die Voraussetzung mit Hilfe von Bildung das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Und hier gilt es, den Hebel anzusetzen.
Ansonsten ist das ganze ein Bildungssubventionsprogramm für das umliegende Ausland.
" Liebe Regierung, hier spricht ein Bürger: Finger weg von der Bildung. Das machen dann die Guten in 4 Jahren."
Welche Guten?
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