Während George W. Bush auf Abschiedsbesuch in Brandenburg weilt, haben Vertreter von CDU, CSU und SPD die Amtszeit des US-Präsidenten kritisch bewertet. Immerhin in einem Punkt habe Deutschland von Bushs Politik profitiert.

Zum Abschied ein lauschiger Grillabend am Vortag, ein morgendlicher Radausflug in der Umgebung von Schloss Meseberg - so lässt sich George W. Bush die letzte Europa-Tour seiner Präsidentschaft gefallen. Derweil kritisieren Koalitionspolitiker die Politik des im Januar ausscheidenden Staatschefs.

Angela Merkel, George W. Bush

Hier lang oder da lang? Angela Merkel und George Bush sind sich da nicht immer einig. (© Foto: Reuters)

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Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), sagte der in Hannover erscheinenden Neuen Presse, Bush hinterlasse seinem Nachfolger ein schwieriges Erbe. Zwar habe der US-Präsident versucht, in seiner zweiten Amtszeit einige Fehler zu korrigieren. "Die Erfolge stehen allerdings immer noch aus."Das gelte für den Irak ebenso wie für den Friedensprozess in Nahost.

"Das Ansehen Amerikas ist dramatisch gesunken", sagte Polenz. Jeder Nachfolger werde hart arbeiten müssen, um Zustimmung, Sympathie und Vertrauen in die amerikanische Politik zurückzugewinnen. Als positive Leistung hob der CDU-Politiker Bushs Wirtschaftspolitik heraus. "Bush hat die Offenheit amerikanischer Märkte gewährleistet. Er steht für freien Handel. Davon hat gerade auch Deutschland als Exportnation sehr profitiert", sagte Polenz.

Irakkrieg hat Spuren hinterlassen

Der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt (SPD), sagte der Berliner Zeitung, der Irakkrieg habe einen tiefen Einbruch im deutsch-amerikanischen Verhältnis ausgelöst.

Diese hätten sich inzwischen gut erholt, doch blieben der Krieg und dessen Ergebnisse problematisch. "Der Krieg basierte auf einer zweifelhaften Faktenlage, die völkerrechtliche Basis war problematisch und die Ergebnisse sind auch problematisch", sagte Voigt.

Im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm und den Drohgebärden der USA sagte Voigt: "Kein amerikanischer Präsident hat und wird jemals den Einsatz militärischer Gewalt ausschließen. Das gilt auch für den Iran. Aber ich glaube persönlich nicht daran, dass ein militärischer Einsatz gegen den Iran aktuell wird."

Es gebe ein gemeinsames Bemühen der USA, Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Russlands und Chinas, Iran auf friedlichem Wege von seinen atomaren Plänen abzubringen. "Dieses Bemühen wird auch in den kommenden Monaten anhalten."

Der CSU-Außenpolitiker Karl-Theodor von Guttenberg sagte dem Blatt: "Wir freuen uns alle auf einen neuen US-Präsidenten." Das transatlantische Verhältnis brauche neue Impulse und neue Gesichter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vor Beginn der Gespräche mit Bush im Gästehaus der Bundesregierung im brandenburgischen Meseberg gesagt, sie rechne nicht damit, dass viel über Abschied geredet werde. Aber dies sei die letzte Europareise Buschs und "dann wird eine neue Zeit beginnen".

Nach seinen Stationen in Slowenien und Meseberg reist US-Präsident George W. Bush nach Rom weiter. Weitere Stationen seiner Abschiedstour durch Europa sind Paris und London.

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(sueddeutsche.de/vw/odg)