Acht Stunden haben Union und FDP um Steuersenkungen gerungen - am Ende stand eine mühsame Annäherung, aber kein Ergebnis. Über besonders knifflige Punkte wie den Umbau des Steuersystems und Etat-Einsparungen sprachen die künftigen Koalitionäre noch gar nicht.
Eine Annäherung, aber noch keine Einigung - nach mehr als achtstündigen Verhandlungen konnten sich Union und FDP noch auf keinen Kompromiss über die angestrebten Milliarden-Steuersenkungen verständigen. Eine Einigung über erste Entlastungsschritte und den Umfang der Steuersenkungen soll nun an diesem Freitag angestrebt werden.
Bild vergrößern
Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim dritten Treffen der großen Runde der Koalitionsverhandlungen von Union und FDP in Berlin. (© Foto: dpa)
Anzeige
Kanzleramts-Chef Thomas de Maizière und FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms sprachen nach der Unterbrechung der Verhandlungen der Koalitionsgruppe Steuern/Haushalt/Finanzen am frühen Donnerstagmorgen in Berlin von einer Annäherung. "Wir haben große Fortschritte erzielt", sagte Solms. "Man sieht wirklich Licht am Ende des Tunnels."
Das Entlastungsvolumen sei Sache der großen Koalitionsrunde. Details seien noch offen. Es könne nur eine Gesamtlösung geben, die eingebettet sei in ein Haushaltskonzept, betonte de Maizière. Die Vereinbaren gelten erst, wenn alles abgeschlossen sei.
Über Einsparungen im Haushalt sei noch gar nicht gesprochen worden, verlautete aus Verhandlungskreisen. Auch über den von der FDP angestrebten Umbau des Steuersystems mit wenigen Tarifstufen sei noch noch nicht verhandelt worden. Daher bleibt der Umfang der Steuersenkungen weiter offen.
Die Union strebt Entlastungen um 15 Milliarden Euro an, die FDP im Volumen von jährlich 35 Milliarden. Endgültige Entscheidungen dürften damit erst nach einer dreitägigen Koalitionsrunde an diesem Sonntag fallen.
Verständigung bei der Finanzmarkt-Regulierung
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte nach einer Zwischenbilanz der Koalitionsrunden, auf der Klausurtagung von Freitag bis Sonntag werde versucht, "diese Fragen einer Entscheidung zuzuführen". Die Planungen für die Koalitionsverhandlungen gingen aber "bis voll in die nächste Woche". FDP-Generalsekretär Dirk Niebel zeigte sich überzeugt: "Ich bin sicher, wir werden Steuersenkungen vereinbaren."
Die Koalitionsarbeitsgruppe verständigte sich aber auf weitere Schritte bei der Finanzmarkt-Regulierung. Die künftigen Koalitionäre einigten sich auf Prinzipien, um Fehlanreize in der Finanzindustrie zu vermeiden. Teil der Vereinbarung ist die bereits bekannte Konzentration der Bankenaufsicht in Deutschland bei der Bundesbank.
Das von der Arbeitsgruppe Steuern/Finanzen/Haushalt vereinbarte Koalitionspapier sieht zudem vor, dass sich die Vergütungssysteme für Bank-Manager stärker am langfristigen Erfolg ihres Unternehmens orientieren. Bei schlechter Geschäftsentwicklung soll es auch Abzüge geben können (Malus).
Staat soll von Rettungspflicht befreit werden
Nach der Krise soll es zudem differenzierte Kapitalanforderungen und Risikopuffer geben - je nach Risiko und Bedeutung eines Instituts. Ziel ist es, dass Banken in Krisenzeiten Verluste in stärkerem Maße selbst tragen können.
Das künftige schwarz-gelbe Regierungsbündnis bekennt sich zudem zum Drei-Säulen-Bankensystem aus privaten Banken, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen. Auch sollen wichtige (systemrelevante) Institute, die in Schieflage geraten sind, Staaten künftig nicht mehr zu Rettungsaktionen zwingen können.
Dabei geht es auch um Instrumente zur Sanierung angeschlagener Banken, die noch vor einer Insolvenz greifen sollen. .
Der Verbriefungsmarkt, der ständige Weiterverkauf von kompliziert verpackten und gestückelten Forderungen, soll angekurbelt werden. Dazu ist ein Verbriefungsgesetz geplant. Auf dem bisher schleppend laufenden Markt für börsennotierte Immobilien AG REITs (Real Estate Investment Trusts) soll es künftig weniger Hemmschwellen geben.
Die Nuba: Leni Riefenstahls Bilder machten sie einst bekannt. Heute sucht das Volk aus Sudan Schutz in Höhlen und Felsspalten – vor den Bomben des Regimes in Khartum. Ein Frontbericht. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Koalitionsverhandlungen RSS
- Politik kompakt Allawi gesprächsbereit - in alle Richtungen 27.03.2010
- Koalitionsvertrag "Das sind Vereinbarungen und die kommen!" 26.10.2009
- Bildungspolitik Schecks vom Staat für Studenten 26.10.2009
- Thüringen: Schwarz-Rot steht Sieg der Vernunft 25.10.2009
- Koalition will Banken notfalls zerschlagen Wider die Erpressung 25.10.2009
- Koalitionsvertrag gebilligt Die kleine Zocker-Koalition 24.10.2009
- Merkel, Jung und Niebel Die Nullrunde 24.10.2009
(dpa/kat/odg)
Verfassungsrichter rügen Billig-Professuren
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Ich lese die Aussagen
(a) "Staat soll von Rettungspflicht befreit werden" und
(b) "Der Verbriefungsmarkt, der ständige Weiterverkauf von kompliziert
verpackten und gestückelten Forderungen, soll angekurbelt werden. "
als "Zockt doch, aber schreit nicht nach dem Staat".
Korrekte Einstellung, sofern die Banken wirklich Pleite gehen dürfen. Das ist _absolut_ überfällig wenn ich mir die HSH, Sachsen-, West- und BayLB Desaster in Ruhe ansehe. Plattgehen lassen, das wars. Vermisst keiner. Mich würde auch keiner hindern Schulden ohne Ende zu machen und ne Privatinsolvenz hinzulegen. Wenn mich der Staat nicht rettet, warum soll der Staat (also zum Teil auch ich) ne Bank retten?
"Der Verbriefungsmarkt, der ständige Weiterverkauf von kompliziert
verpackten und gestückelten Forderungen, soll angekurbelt werden. Dazu
ist ein Verbriefungsgesetz geplant. Auf dem bisher schleppend laufenden Markt
für börsennotierte Immobilien AG REITs (Real Estate Investment Trusts) soll es künftig weniger Hemmschwellen geben."
---------------------------
Statt das Casino zu schließen macht Schwarz-gelb einen weiteren Anbau auf?
Das immer wiederkehrende Gelaber über diejenigen, die die Karre ziehen und die, die Steuern zahlen. Das wird ja nicht deshalb richtiger, weil man es, wie der Marktschreier Westerwelle, immer wieder wiederholt. Es geht ja nicht nur um die HartzIV-Empfänger, es geht ja eben auch um diejenigen Menschen, die feste mithelfen beim Karreziehen, dafür aber nur einen Hungerlohn bekommen. Übrigends zahlen alle Steuern, auch die Ärmsten.
Aber darum geht es nicht. Es muss doch allen irgendwann mal klar werden, dass in nächster Zukunft nicht alle am Karreziehen beteiligt werden können. Manche wollen nicht dabei sein, aber wir reden mal von denen, die es wollen. Das ist die grosse Mehrzahl von den HartzIV-Empfängern und den vielen Hungerlöhnern. Was macht eine Gesellschaft mit denen? Rausschmeissen, wie es Unternehmer machen müssen, wenn die Geschäftslage sie dazu zwingt? Ein Staat kann einen Teil seiner Bevölkerung nicht einfach vor die Tür setzen. Er muss helfen, wir alle müssen helfen. Es ist ja schon bemerkenswert,dass oft die Politiker und die Bürger, die bei anderen so gerne über die "abendländisch, christliche Leitkultur" reden, bei diesem Thema ihre Christenpflicht gerne vergessen. Sie ignorieren die Notlage vieler Menschen und sprechen dann lieber von der Neidkultur anstatt von abenländisch, christlicher Leitkultur. Wenn man meint, der Staat könne diesen Armen nicht helfen, wer denn dann? Die, die diese Thesen aufstellen? Die machen sich aus dem Staub. Erst recht die, die sozusagen im Geld schwimmen, wie Onkel Dagobert. Eine miese Gesellschaft sind wir. Nein Danke - Leitkultur. In der Tat - wir leben in einer Neidkultur. Die Reichen gönnen den Armen keine Almosen.
KapitalFaschismus ist, wenn das Kapital führt, bestimmend ihr Ding fährt, und die Masse -außer ein paar Wenigen- verblödet folgt.
"Wollt ihr die totale Verblödung? Wollt ihr sie, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir sie uns heute überhaupt erst vorstellen können?"
Ihr kriegt sie. Und zwar effizient durchrationalisiert und komplett.*LOL*
Wenn nicht noch verstandesgemäße taktische Gesichtspunkte, einer Naturwissenschaftlerin würdig, die Oberhand gegenüber einem nicht sehr intelligenten Bonner, den ein seinem Genre entsprechender Repetitor als "Dünnbrettbohrer" bezeichnet hätte, die Oberhand gewinnen sollten, wird es um Deutschland "geschehen sein".
Paging