So ein Koalitionsausschuss ist auch nicht mehr das, was er mal war: Gerade einmal vier Stunden saßen die Spitzen von Union und SPD am Sonntagabend im Kanzleramt zusammen. Anstatt sich ordentlich Saures zu geben, diskutierten die Koalitionäre in erstaunlich harmonischer Atmosphäre.
Ach ja, so ein Koalitionsausschuss ist auch nicht mehr das, was er mal war. Schon um kurz vor Mitternacht werden am Sonntagabend die Gittertore vor dem Kanzleramt herabgelassen, damit Kurt Beck als Erster zu den Journalisten schlendern kann.
SPD-Parteivorsitzender Kurt Beck auf dem Weg ins Kanzleramt. (© Foto: dpa)
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Keine vier Stunden haben die Spitzen von Union und SPD beisammen gesessen. Wo sind sie geblieben, die langen, öden Nächte draußen und die hitzigen, endlosen Debatten drinnen? Als noch um die Gesundheitsreform gerungen wurde, stand am Schluss der Verhandlungen jedes Mal bereits die Sonne am Himmel.
Vor allem aber: Durfte man nach den unfreundlichen Interviews und den aggressiven Statements der vergangenen Tage nicht damit rechnen, dass sich die Koalitionäre erstmal ordentlich Saures geben?
Es kommt ganz anders. Das Wichtigste, was man an diesem Abend kennenlernen wird (und um ehrlich zu sein: auch nicht das erste Mal), ist die chamäleonhafte Gabe dieser Koalition, von Attacke auf Anschmeiße umzustellen, von Reiz- auf Wohlfühlklima.
Wird der parteipolitische Krach bewusst inszeniert?
Es kommt einem irgendwann der unvermeidliche Gedanke, dass die Führungsleute von Union und SPD das eine, den parteipolitischen Krach, ganz bewusst inszenieren, um das andere, die ach so tief gefühlte staatspolitische Verantwortung, hinterher umso wirkmächtiger zu zelebrieren.
Kurt Beck also ist jetzt da, der SPD-Chef, dem wegen seines Parteitags vom Koalitionspartner ein nicht unerhebliches Maß an Verantwortung für die Reibereien angelastet worden war. Dieser Kurt Beck beurteilt das jüngste Treiben des Fußvolks väterlich gelassen. Ein paar Leute seien vielleicht zuletzt ein wenig aufgeregt gewesen, sagt er, um dann aber, ganz souveräner Parteichef, hinzuzufügen: "Ich gehöre nicht dazu."
Und wenn es dann wieder um die Sache gehe, spielten "solche Nickeligkeiten nur noch eine kleine" - kurzes Nachdenken - "oder gar keine Rolle mehr". Auf die überaus hinterlistige Frage, ob er sich denn gefreut habe, die Bundeskanzlerin, die sich zuletzt wiederholt in Asien aufgehalten hatte, mal wieder in Deutschland zu sehen, antwortet Kurt Beck mit dem überaus harmonisch klingenden Satz: "Es ist immer so, dass man sich freut, wenn man Partner in der Regierung wieder trifft."
Ein Hauch von Advent
Nickligkeiten also. Und lauter nette Leute in dieser Koalition. Soso. Von Endzeitstimmung in der SPD hatte Innenminister Wolfgang Schäuble gesprochen,
Franz Müntefering hatte die Union mit einem Hühnerhaufen verglichen, und die beiden Generalsekretär Ronald Pofalla (CDU) und Hubertus Heil (SPD) hatten zuletzt immer abwechselnd so viele Boshaftigkeiten über die jeweils andere Partei ausgeschüttet, dass es den Fernsehsendern tagelang ein Leichtes war, die beiden mit Einlassungen gegeneinander zu schneiden wie zwei Boxer vor einem Weltmeisterschaftskampf.
Alles weg. Beck zum Beispiel ist auch nicht im Anzug erschienen, sondern hat sich fürs Kanzleramt eine bequeme ockerfarbene Jacke übers karierte Hemd gezogen, die modisch, nun ja, ein wenig gewöhnungsbedürftig erscheint, aber dafür an Helmut Kohls gemütliche Strickjacke erinnert, in der er einst Michail Gorbatschow die deutsche Einheit abverhandelte.
Der SPD-Chef verströmt damit eine solche Behaglichkeit, dass man nicht überrascht wäre, gleich zu hören, wie die Kanzlerin während der Runde auch noch ein Kaminfeuer angezündet hat.
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ICE-Strecke
das ging ja wirklich schnell.
Vor ein paar Tagen habe ich noch im BR gesehen, wie er siegessicher die
Neuordnung der Pendlerpauschale gefordert/verkündet hat und jetzt hat ihn Frau Merkel nicht mal gestützt in der Koalitionsrunde.
So schnell hat sie ihm ihre 'Liebe' entzogen..
Aber gut für was ist er Ihr jetzt auch noch nützlich; offensichtlich für nichts.
So richtig was auf die Beine gestellt, hat die "Große Koalition" noch nichts. Außer ein bisschen Stutenbissigkeit und ein paar gekränkte Eitelkeiten in Richtungsfragen, kann ohnehin niemand mehr programmatische Unterschiede zwischen Rot und Schwarz erkennen. Ein Ruck nach Links bringt die SPD derzeit nur bis an den rechten Rand der Union. Es ist halt wieder nichts Halbes und nichts Ganzes. Einigkeit herrscht nur bei der Vergabe eigener Diäten.
MP Beck konnte nur im Freizeitdress erscheinen, sein Anzug war in der Reinigung.
Dies verdeutlicht auch, dass die Erhöhung der Politikereinkünfte dringend geboten ist.
Worüber aber natürlich wieder nicht geredet wird, ist, dass selbst Hinterbänkler ausser ihren Diäten fast alle über erkleckliche Nebeneinkünfte und Privilegien verfügen.
Immer wieder werden seine "Nachtgedanken" mißbräuchlich, als "Bildungsschild" politisch verwendet.
...so bin ich um den Schlaf gebracht"
Daher ist es nur folgerichtig wenn der Koalitionsausschuß vor Mitternacht auseinandergeht. Die beschlossene Diätenerhöhung wiegt einen dann einigermaßen beruhigt in den wohlverdienten Schlaf.
Den Pendlern die bald ihre Tankfüllung nicht mehr bezahlen können, den älteren Arbeitslosen und unterbezahlten Hungerlöhnern sei gesagt: "Carpe diem"!!!!
Und derTag beginnt um 0:01, z.B mit einem Zweit- oder Drittjob als Brötchenfahrer, Zeitungsbote, Kurierfahrer etc.
Paging