"Unerträgliche und verleumderische" Äußerungen von CDU-Generalsekretär Pofalla über den Ex-Kanzler empören die SPD - und belasten das Koalitionsklima. Der Konflikt droht sich weiter zu verschärfen: Denn auch Unionsfraktionsvize Bosbach griff Schröder jetzt scharf an.

Wolfgang Bosbach verteidigte die Attacken von CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla gegen den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Bosbach sagte der Saarbrücker Zeitung: "Ronald Pofalla hat schlicht die Wahrheit gesagt. Das allein treibt die SPD schon auf die Palme."

Anzeige

Schröder müsse aufpassen, dass er durch seine Einlassungen "sein Renommée, das er durchaus hat, nicht selber ruiniert", kritisierte Bosbach.

Pofalla hatte im Zusammenhang mit dem Fall des ehemaligen Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz Schröders Kritik an der Union zurückgewiesen und gesagt: "Wer sich von russischen Gasmagnaten die Taschen voll Kohle stopfen lässt, sollte in Sachen Moral und Heuchelei mal ganz, ganz leise sein."

Der Ex-Bundeskanzler hatte kritische Stellungnahmen von CDU-Politikern zu dem Verhalten der damaligen rot-grünen Regierung im Fall Kurnaz als heuchlerisch bezeichnet. Er wies dabei darauf hin, dass die Union seiner Regierung damals vorgeworfen habe, nicht genug für die innere Sicherheit zu tun. Schröder ist jetzt unter anderem Aufsichtsratschef eines russisch-deutschen Pipeline-Unternehmens.

"Infame Diffamierungen"

Die Äußerungen Pofallas seien unerträglich und verleumderisch, befand SPD-Generalsekretär Hubertus Heil daraufhin. "Die Grenze des Zumutbaren ist überschritten."

"Infame Diffamierungen und persönliche Angriffe sind keine akzeptable Basis des Umgangs miteinander. So geht man nicht mit einem deutschen Bundeskanzler um," sagte der SPD-Generalsektretär. Die Sozialdemokratie werde nicht zulassen, dass Schröder in solcher Art und Weise diffamiert werde.

Johannes Kahrs, Sprecher des einflussreichen rechten Flügels der SPD-Bundestagsfraktion (Seeheimer Kreis), legte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahe, ihren Generalsekretär zur Ordnung zu rufen. "Für das, was Ronald Pofalla von sich gibt, ist Frau Merkel zuständig - und sie muss sich überlegen, ob sie sich das auf Dauer leisten kann."

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(AP/AFP)