Einen zweiten Reformschritt bei der Einkommensteuer werde es dann 2012 geben, hieß es. Im Gespräch war zuletzt eine Entlastung von insgesamt 20 Milliarden Euro im Jahr. Im Koalitionsvertrag soll zudem eine Klausel verankert werden, die vorschreibt, wie hoch die Entlastung mindestens sein soll. Läuft die Konjunktur besser, soll auch die Höhe der Steuerentlastungen steigen.

Anzeige

Der Streit über die Steuern belastet die Koalitionsgespräche von Anfang an. Während FDP und CSU auf eine Senkung der Einkommensteuer bestehen, steht die CDU diesem Vorhaben weitaus skeptischer gegenüber. Sie verweist auf die enormen Schulden, die die öffentlichen Haushalte in den kommenden Jahren aufnehmen müssen.

Eine Steuersenkung in Milliardenhöhe würde das Problem noch verschärfen. Die stellvertretende FDP-Vorsitzende, Cornelia Pieper, sagte, zur Not müsse die Steuersenkung eben auf Pump finanziert werden.

Diese von der Schuldenbremse eigentlich untersagte Lösung, wollen FDP und Union nun mit einem Trick erreichen. Dreh und Angelpunkt ist der im Kampf gegen die Wirtschaftskrise eingerichtete Investitions- und Tilgungsfonds.

Dieser Finanztopf wird schon jetzt nicht vom Bundeshaushalt erfasst und entzieht sich damit der Schuldenbremse. Die Finanzexperten erwägen nun, einen Teil der bereits bewilligten Kredite, die in diesem Jahr nicht benötigt werden, auf den Fonds umzuschreiben.

Mit dem Geld soll dann die Finanzlage in der Gesetzlichen Krankenversicherung und der Bundesagentur für Arbeit (BA) gelindert werden. Der Gesundheitsfonds wird 2010 voraussichtlich ein Defizit von 7,4 Milliarden Euro schreiben, die BA eines von 17 Milliarden Euro. Seehofer sagte, zumindest das konjunkturbedingte Minus im Fonds werde über Steuerzuschüsse ausgeglichen.

Die angehenden Koalitionäre kündigten zudem eine Reform der Bundesagentur an. "Dieses umfangreiche Gebilde lässt sich mit Sicherheit noch effizienter und besser gestalten", sagt die FDP-Haushaltsexpertin Claudia Winterstein der SZ. Dabei gehe es nicht nur um die Organisation der BA mit zehn Regionaldirektionen, 176 Agenturen für Arbeit, der Zentrale in Nürnberg und verschiedenen besonderen Dienststellen. Auch die arbeitsmarktpolitischen Instrumente müssten auf den Prüfstand.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Schwarz-Gelb erwägt Versteckspiel mit Schulden
  2. Sie lesen jetzt Zur Not auf Pump
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(SZ vom 20. Oktober 2009/odg)