Mit einem Schattenhaushalt wollten Union und FDP ihre Steuerversprechen finanzieren - doch dann lassen Regierungsexperten den Traum vom zusätzlichen Geld platzen. Ihr vernichtendes Urteil: Der Sonderfonds ist verfassungswidrig.
Die künftigen Koalitionäre hatten es sich so schön vorgestellt. Schritt für Schritt wollten sie sich zum Ende hin jener großen Idee nähern, die ihrem neuen Regierungsbündnis eine Überschrift geben könnte. doch dann platzt am Donnerstagnachmittag eine Botschaft in die große Runde, die alles kaputt zu machen droht.
Häufige Ursache für Rohrkrepierer sind heißgeschossene Rohre. (© Foto: AP, Bearbeitung: sueddeutsche.de)
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Die Botschaft ist einfach: Verfassungsrechtler aus dem Kanzleramt signalisieren, dass der geplante Sonderfonds zur Stabilisierung der Sozialkassen verfassungsrechtlich bedenklich sei und zudem kaum noch bis Jahresende verabschiedet werden könnte. Es ist, gelinde gesagt, ein GAU für alle. Und so sehen sie dann auch aus, als sie am Nachmittag zusammen sitzen in der großen Runde.
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Als Reaktion gab es gegen 16.30 Uhr erst mal eine Sitzungsunterbrechung - und dazu das Bemühen der Chef-Haushälter, händeringend nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen, um die Bedenken irgendwie doch noch zu zerstreuen. Entsprechend gingen Thomas de Maizière, Georg Fahrenschon und Hermann-Otto Solms auch vor die Presse. Ihre Botschaft: Wir ringen um den Fonds, wir versuchen alles.
Doch so entschlossen das aussehen sollte - das Debakel passt in die bisherige Außendarstellung. Schon sprechen die ersten intern von einem "kommunikativen Rohrkrepierer", wie es ein zentraler Verhandler ausdrückt. Der Grund: Durch die Art der Debatte um den Sonderfonds seien zwei fatale falsche Eindrücke entstanden.
Erstens: Bei den Schulden von 40 bis 50 Milliarden handelte es sich um neue Schulden. Tatsächlich würden sie aus der mittelfristigen Finanzplanung herausfallen und offen und erkennbar in den Sonderfonds überführt werden. Zweitens, so einer der Verhandlungsführer, sei man den Begriff des Schattenhaushalts nicht mehr losgeworden.
Die ganze Aktion habe so gewirkt, als wolle die Koalition die Auflagen der Schuldenbremse umgehen, die von 2011 an gilt. Dabei sollte der Fonds nur helfen, die Folgen der Wirtschaftskrise für die Sozialversicherungen zu dämpfen - analog zum Bankenrettungs- und zum Deutschlandfonds. Nach den Banken sollten auch die Bürger eine zusätzliche Stütze in der Krise bekommen - so der Plan.
Je heftiger die öffentliche Kritik an dem Sonderfonds entbrannte, desto größer wurden auch die Zweifel daran. Und so kamen die Experten der Regierung schließlich am Donnerstag zu einem vernichtenden Ergebnis: Der Fonds sei verfassungswidrig und im Gesetzgebungsverfahren auch nicht mehr bis Ende des Jahres aufzustellen. Trotzdem wollen sie noch nicht ganz aufgeben. Was zeigt: Eine Aufgabe des Ganzen wäre politisch sehr bitter.
Ungeachtet dieses Ärgers zeichnet sich inzwischen ab, welche Schwerpunkte im Koalitionsvertrag gesetzt werden sollen. Drei Großkapitel soll es geben. Das erste befasst sich mit den Zielen der Wirtschafts- und Steuerpolitik, die Überschrift lautet: "Unseren Wohlstand für morgen sichern". Das zweite wird sich mit einer umfassenden Energie- und Klimapolitik beschäftigen. Und das dritte Kapitel soll die schwarz-gelben Antworten auf den demographischen Wandel aufzeigen. "Diese drei Felder sollen die Regierungsarbeit beherrschen", erklärt ein prominenter Unionspolitiker. "Wir liefern doch kein Sammelsurium an Einzelpunkten - leider ist bisher jedoch der gegenteilige Eindruck entstanden."
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"Der Staat greift ein, um die Geringverdiener damit nicht zu überfordern. Für sie will die Koalition einen sozialen Ausgleich organisieren..." Hoffentlich kann der Geringverdiener auch mit der entstehenden Bürokratie umgehen, um seine Ansprüche durchzusetzen.
Es wird gleichzeitig offenbar, dass die Parteien mit dem vermuteten finanzpolitschen Wissen auch noch ihren Titel als Entbürokratisirer ad absurdum führen.
Da kein Lust besteht die Grundsicherung für Arbeitssuchende (besser bekannt als Hartz IV) in ruhiges Fahrwasser zu bringen, entscheidet man die verfassungswidrigen Jobcentren/Arbeitsgemeinschaften wieder zu trennen. Wobei das keine Entscheidung sondern nur die Realisierung der Rechtsprechung aus Karlsruhe ist.
Ergebnis: Geringverdiener werden sich künftig im Wust von zwei Behörden wieder finden. Nämlich zu erst muß über ihre Regelleistung entschieden werden und dann noch mal mit den gleichen Prüfungen durch die Kommune über die Kosten der Unterkunft.
Über das ganze ergehen dann zwei Bescheide im schönsten Amtsdeutsch, schließlich hat Karlsruhe ja gesagt, dass für den Bürger erkennbar sein muß, wer was warum entscheidet. Hoffentlich haben die Entscheidungen den gleichen Inhalt, aber sonst bleibt ja der Rechtsweg. Alles schön doppelt gegen jede Entscheidung einzelnd.
Ach ja der Rechtsweg... die Anwälte wird es freuen... es sind natürlich zwei Klagen möglich.
Aber was ist zu erwarten, wenn ein Anwalt der sein Lebtag nichts anderes gemacht hat als Politik und eine Physikerin, die in der sozialen Marktwirtschaft nicht einmal als etwas anderes als Politikerin "gearbeitet" hat, die Führung übernehmen.
Da es aber auf der anderen Seite auch nicht besser aussieht, auch dort nur Verantwortliche ohne Lebenserfahrung im normalen Leben. Solche Politiker sind doch anfällig für die Einflüsterer des Politmarketing.
Am besten alle Auswechseln, noch in der Kabine... aber dann gibt es kein Spiel. Aber nach einem solchen Training kann es ja nur ein Gurkenspiel geben. In vier Jahren werden viele ärmer sein, aber reicher an negativer Lebenserfahrung.
Ich sehe ,Sie haben das Spiel verstanden.
Es gibt bekanntlicherweise ab 2011 eine Schuldenbremse, mit und unter der Regie unserer Meisterin Merkel durchgesetzt. Der FDP, Westerwelle durfte es mit seiner Marktschreierei
veröffenltichen, ging diese Schuldensperre noch nicht weit genug. Und dann, man stelle sich das mal vor, will man das, auch wieder im Beisein der Frau Bundeskanzlerin, die von den Wählern so Verehrten, diese Bremse umgehen. Man hört kein Kommentar von Angie und unser Guido, man sieht nur die 3 Haushälter, wie sie nach einer Pressemitteilung, verschämt um die Ecke verschwinden. Ein schöner Trümmerhaufen, die neue Elite.
"Unseren Wohlstand für morgen sichern"
"Vorreiterrolle beim Klimaschutz"
"Leitmarkt der Elektromobilität"
Zwei Semester Politlyrik für Anfänger. Mit nem griffigen Satz bekomm ich alles verkauft. "Geiz is Geil!"
ZITAT: Erstens: Bei den Schulden von 40 bis 50 Milliarden handelte es sich um neue Schulden. Tatsächlich würden sie aus der mittelfristigen Finanzplanung herausfallen und offen und erkennbar in den Sonderfonds überführt werden. Zweitens, so einer der Verhandlungsführer, sei man den Begriff des Schattenhaushalts nicht mehr losgeworden.
Wenn dem so seien sollte. Warum macht man dann nicht einfach und läßt den Bürger bei der nächsten Bundestagswahl entscheiden ob es gut war. Ich fürchte eher man ist sich der Sache selber nicht sicher. Deshalb werden in den letzten Tagen immer mal Teilpläne an der Öffentlichkeit vorgestellt (dringen aus der geheimen Verhandlungsrunde), um zu schauen wie die Öffentlichkeit darauf reagiert. "Deutschland sucht die Superregierung!" Fehlt echt nur noch der Bohlen, denn wandere ich aus.
a) wg. "Komische Republik ...": Man versteht, wie Sie dies meinen. Dennoch ist in diesem Zusammenhang keinerlei komische Anmutung zu erkennen. Komisch ist nun wirklich anders
b) wg. "Wie auch immer - Politiker sind auch keine Leuchten.": Das mag schon hie und da zutreffen. Viel bedeutender hingegen ist der Umstand, dass sich - ob nun erleuchtet oder nicht - unter den Schwarz-Gelben zu viele befinden, die sich gar zu gerne als Speerspitze derjenigen verstehen, denen das Volk aber auch so was von am Allerwertesten vorbei geht. Und Letztere sind bezüglich der Durchsetzung ihrer Ziele und der Wege zu diesen aber gar nicht unterbelichtet
c) wg. "Die Kassen der Republik werden noch leerer.": Das ist so gewollt, weil dies eine unabdingbare Voraussetzung zur Desozialisierung unseres Staates und hin zu dessen Privatisierung ist. Bei auf Dauer gegebener finanzpolitischer Handlungsunfähigkeit von Bund, Ländern und Gemeinden lässt sich ein "Staat privat" dem Volk verkaufen wie geschnitten Brot. Die sachzwängliche "Alternativlosigkeit" wird das Volk fast von alleine nach entsprechenden Lösungen streben lassen.
Die LobbyistInnen des Volkes - unsere VolksvertreterInnen sind mehrheitlich schon längst zum Gegner des Volkes übergelaufen. Und die anteilig meisten Fahnenflüchtigen finden sich in den aktuell "verhandelnden" Koalitionsparteien.
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