Klimaschutz Vergesst die fossilen Energien

Ölförderung in Aserbaidschan: Geld verhindert Veränderung überall da, wo eine Ölquelle noch nicht ausgebeutet ist.

(Foto: REUTERS)

Wenn am Montag in Peru Minister zur UN-Klimakonferenz zusammentreffen, sprechen sie in Wahrheit über das Ende der Ölindustrie. Nichts anderes versteckt sich hinter der Vokabel Klimaschutz: Wer die Erderwärmung begrenzen will, muss auf Erdöl, Kohle und Gas verzichten. Nicht irgendwann, sondern binnen 50 Jahren.

Kommentar von Michael Bauchmüller

Nicht viel bringt die Ölindustrie zum Nachdenken, der niedrige Ölpreis aber schon. Aus welchem Grund auch immer er so stark gefallen ist - nun beginnen die Investoren zu grübeln. Teure Ölförderung in der Tiefsee? Die Ausbeutung der Arktis? Noch mehr reinstecken in Teersande und Fracking? Jede dieser Fördermethoden ist ökologisch ein Wahnsinn und für das Klima verheerend - aber das sind in der Regel nicht die Sorgen der Investoren. Ihre Welt kreist um Preise und Renditen, die Triebfeder ist das Überleben. Sobald der Ölpreis wieder steigt, wird wieder gebohrt, egal wo, egal wie. Das Geschäft muss ja weitergehen.

Wie lässt sich gutes Geld auch mit sauberer Energie verdienen?

Wenn am Montag in Peru Minister zur UN-Klimakonferenz zusammentreffen, sprechen sie über das Ende der Ölindustrie. Das verlangt nach klaren Signalen der Staaten an die Investoren im Kampf gegen die Erderwärmung. Wie kann der Staat Investments hin zu sauberen Energien umlenken? Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Darf es aber nicht. Wenn an diesem Montag in Peru Minister und Beamte zum zwanzigsten Mal zur UN-Klimakonferenz zusammentreffen, dann sprechen sie in Wahrheit über das Ende der Ölindustrie. Sie reden über die Schließung von Kohleminen und den massiven Umbau entwickelter Ökonomien. Nichts anderes versteckt sich hinter der abstrakten Vokabel Klimaschutz: Wer die Erderwärmung begrenzen und den dramatischen Folgen entgehen will, muss auf Erdöl, Kohle und Gas verzichten. Nicht irgendwann, sondern binnen 50 Jahren. Für Investoren, die über Jahrzehnte erst Zins und Tilgung und später Rendite erwirtschaften wollen, sind 50 Jahre ein Wimpernschlag.

Klimapolitik funktioniert nach Marktgesetzen. Wer nutzt sie?

Geld verändert die Welt, und Geld kann jeder Veränderung im Wege stehen. Geld verhindert Veränderung überall da, wo eine Ölquelle noch nicht ausgebeutet oder ein Kohlekraftwerk noch nicht abgeschrieben ist. Jede neue Bohrplattform, jedes neue Kraftwerk zementiert den Pfad in die Klimakatastrophe. Wer sein Kapital verzinst zurückhaben möchte, den scheren langfristige Folgen wenig. So funktioniert die ökonomische Abwärtsspirale einer auf Kohle und Öl gebauten Welt.

Doch Geld, richtig angelegt, kann die Verhältnisse eben auch auf den Kopf stellen. In den nächsten 15 Jahren werden Schätzungen zufolge weltweit mehr als 70 Billionen Euro in Infrastrukturen fließen. In den Bau von Städten und Straßen, in die Energieversorgung, in die Landwirtschaft. 70 Billionen Euro können eine Menge verändern. Sie können helfen, rasant wachsende Städte klimafreundlicher zu machen, durch kurze Wege und einen öffentlichen Nahverkehr. Sie können erneuerbaren Energien den Weg bahnen und alternativen Antrieben. 50 Jahre mag es noch hin sein, bis die Welt ohne fossile Energie auskommen muss. Die Weichen aber werden jetzt gestellt, von Investoren.