Die Plastikflasche

PET-Flasche, ddp Bild vergrößern

(© Foto: ddp)

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Okay, ich fahre aus Umweltschutzgründen kein Auto mehr, benutze wenn möglich nicht das Flugzeug, trenne den Müll, kaufe in Bio-Läden, esse vegan und bin in einem grünen Haushalt aufgewachsen. Ich musste also kurz überlegen, als die Frage auftauchte, ob ich nicht doch eine Umweltsünde im Keller habe. Und siehe da: Es gibt sie.

Weil ich ja nun kein Auto mehr fahre und weil zur veganen Ernährung am besten reines Wasser passt, kaufe ich Unmengen von Wasserflaschen - in PET-Behältern. In unserem grünen Haushalt damals gab es so etwas noch nicht. Der Familienvater brachte jede Woche mit dem Auto die schweren Kisten mit den Glasflaschen nach Hause. Inzwischen ist er rückenkrank, und die Industrie hat fast komplett auf die wesentlich leichteren Plastikflaschen umgestellt. Nur noch ein Drittel unseres abgefüllten Mineralwassers gibt es in Glasflaschen zu kaufen - der Rest kommt in Plastik.

PET passe besser zu unserer mobilen, durchflexibilisierten Gesellschaft, begründen Industrie und Wirtschaft den Rückgang der Glasverpackung. Und sie sei ja schließlich auch recyclingfähig, wird die Plastikflasche oft genug sogar als besonders umweltfreundlich beworben. Blöd ist nur: Nicht alle PET-Flaschen-Erwerber sind auch PET-Flaschen-Zurückbringer - trotz Pfand. Unter anderem deshalb sorgen sie inzwischen für einen gefährlichen Giftmühl-Strudel in unseren Ozeanen. Zweitens wird PET durch Erdöl hergestellt - die Glasflasche ist also allein schon deswegen der Plastik-Schwester vorzuziehen, was die Umweltbilanz angeht. Drittens sorgt gerade der vermeintliche Vorteil der PET-Flasche, nämlich ihr geringes Gewicht, auch schon wieder für Umweltsorgen, indem es ökologisch unsinnige lange Transportstrecken wirtschaftlich erst möglich macht.

Zuguterletzt wurde erst kürzlich untersucht, in welchem Maße Plastikflaschen Hormone an ihren Inhalt abgeben. Und siehe da: Die östrogene Belastung in Wasser aus PET-Flaschen war bei neuen Untersuchungen etwa doppelt so hoch wie in Wasser aus Glasflaschen.

Der Trick dabei ist: Wenn wir dank PET nun alle weiblicher werden, haben wir unseren Beitrag zum Umweltschutz eigentlich schon geleistet. Denn Frauen, so der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), sind einfach die besseren Umweltschützer, weil sie mehr auf ihre Gesundheit achten als Männer. Oder stimmt da was nicht in der Argumentationskette? Ich überlege mir das noch mal - am besten bei einem Glas PET-freiem Wasser.

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