Von Martin Kotynek, Kopenhagen

Die Demonstranten wollen in das Tagungsgebäude eindringen - und scheitern. Nicht nur an den Schlagstöcken und Pfeffersprays der Polizei, sondern auch an sich selbst.

Noch vor Sonnenaufgang ziehen sie los, laufen schreiend durch die Straßen von Kopenhagen, hin zur Klimakonferenz, zu jenem Tagungsort, wo die Rettung des Klimas nicht so recht vorankommt.

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"Schande über euch!": Aufgebrachte Demonstranten versuchen, das Konferenzzentrum zu stürmen. (© Foto: Reuters)

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Das wollen sie ändern, das Zentrum stürmen, die Macht an sich reißen, wie sie es in Sprechchören formulieren: "Holt die Macht zurück!" und "Klimagerechtigkeit jetzt!" fordern die vielen jungen Menschen. Sie wollen den Delegierten aus aller Welt erklären, was schiefläuft bei den Verhandlungen - und was sich im Kampf gegen den Klimawandel ändern sollte.

Sie scheitern. Nicht nur an den Schlagstöcken, Massenfestnahmen, Polizeihunden, Pfeffersprays und Zäunen, mit denen sich die dänische Polizei den etwa 3500 Demonstranten entgegenstellt. Nicht nur an der Festung, in welche die Klimakonferenz verwandelt wurde.

Die Klimaretter scheitern auch an sich selbst. Den Politikern werfen sie vor, alles falsch zu machen. Selber fordern sie lautstark "Keine Entscheidungen über uns ohne uns" und "Lasst das Öl im Boden", ihre Alternativen zum Weg der Politik lassen sie bei einer Versammlung am Schluss der Demonstration jedoch vermissen. Der Sturm auf die Klimakonferenz wehte nur kurz.

Die Erstürmung des Gebäudes war lange im Voraus angekündigt gewesen. Über Nacht stellten die Polizisten eine weitere Reihe Zäune um das Bella-Center auf, postierten sich morgens mit Hundestaffeln und Wagenkolonnen vor den Eingängen, beobachteten das Geschehen aus Hubschraubern und riefen auch das dänische Militär zur Hilfe, das jedoch bis zum frühen Nachmittag nicht eingriff.

Die Delegationen im Inneren des Gebäudes fühlten sich daher sicher, bis es um 11:20 Uhr "Holt die Macht zurück!" durch die Gänge hallte. Eine Gruppe von offiziell registrierten Gipfelteilnehmern und -beobachtern zog - untermalt von den Klängen einer Panflöte - durch das Bella-Center zum Ausgang, um dort die Demonstranten zu treffen, die von draußen hereindrängen wollten.

Polizisten stellten sich jedoch der anrückenden Gruppe auf der Straße mit Schlagstöcken in den Weg und drängten sie von den Brücken, die über ein Gewässer nahe des Zentrums führen. Die Beamten kesselten den Demonstrationszug ein und nahmen etwa 250 Teilnehmer fest - darunter nach Angaben der Organisatoren der Demonstration auch jene, die bereits am Morgen versucht hatten, über die Zäune zu klettern. "Schande über euch", schrie die Menge zurück.

Damit setzt die dänische Polizei ihren harten Kurs gegen Demonstrationen rund um den Konferenzort fort. Sie hatte am Dienstag einen der Organisatoren des Sturms auf das Gebäude wegen des Verdachts auf Aufruf zur Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen. Seit der ersten Demonstration rund um den Klimagipfel am vergangenen Samstag wurden etwa 1500 Teilnehmer festgenommen.

Unter den Umweltschutzorganisationen wächst unterdessen der Unmut über die Konferenzleitung. An diesem Mittwoch wurden sämtlichen Vertretern von Friends of the Earth, Via Campesina und Avaaz der Zugang zum Konferenzzentrum verwehrt, obwohl diese offiziell registriert waren - auch der deutsche BUND war davon betroffen.

Die Konferenzleitung begründete den Schritt mit "allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen". Mitglieder der betroffenen Organisationen setzten sich daraufhin im Eingangsbereich auf den Boden und verließen später das Zentrum.

Im Video: In Kopenhagen haben Demonstranten versucht, die Absperrungen zum Tagungsort des Klimagipfels zu überwinden. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

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(sueddeutsche.de/bica/liv)