Die Demonstranten wollen in das Tagungsgebäude eindringen - und scheitern. Nicht nur an den Schlagstöcken und Pfeffersprays der Polizei, sondern auch an sich selbst.
Noch vor Sonnenaufgang ziehen sie los, laufen schreiend durch die Straßen von Kopenhagen, hin zur Klimakonferenz, zu jenem Tagungsort, wo die Rettung des Klimas nicht so recht vorankommt.
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"Schande über euch!": Aufgebrachte Demonstranten versuchen, das Konferenzzentrum zu stürmen. (© Foto: Reuters)
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Das wollen sie ändern, das Zentrum stürmen, die Macht an sich reißen, wie sie es in Sprechchören formulieren: "Holt die Macht zurück!" und "Klimagerechtigkeit jetzt!" fordern die vielen jungen Menschen. Sie wollen den Delegierten aus aller Welt erklären, was schiefläuft bei den Verhandlungen - und was sich im Kampf gegen den Klimawandel ändern sollte.
Sie scheitern. Nicht nur an den Schlagstöcken, Massenfestnahmen, Polizeihunden, Pfeffersprays und Zäunen, mit denen sich die dänische Polizei den etwa 3500 Demonstranten entgegenstellt. Nicht nur an der Festung, in welche die Klimakonferenz verwandelt wurde.
Die Klimaretter scheitern auch an sich selbst. Den Politikern werfen sie vor, alles falsch zu machen. Selber fordern sie lautstark "Keine Entscheidungen über uns ohne uns" und "Lasst das Öl im Boden", ihre Alternativen zum Weg der Politik lassen sie bei einer Versammlung am Schluss der Demonstration jedoch vermissen. Der Sturm auf die Klimakonferenz wehte nur kurz.
Die Erstürmung des Gebäudes war lange im Voraus angekündigt gewesen. Über Nacht stellten die Polizisten eine weitere Reihe Zäune um das Bella-Center auf, postierten sich morgens mit Hundestaffeln und Wagenkolonnen vor den Eingängen, beobachteten das Geschehen aus Hubschraubern und riefen auch das dänische Militär zur Hilfe, das jedoch bis zum frühen Nachmittag nicht eingriff.
Die Delegationen im Inneren des Gebäudes fühlten sich daher sicher, bis es um 11:20 Uhr "Holt die Macht zurück!" durch die Gänge hallte. Eine Gruppe von offiziell registrierten Gipfelteilnehmern und -beobachtern zog - untermalt von den Klängen einer Panflöte - durch das Bella-Center zum Ausgang, um dort die Demonstranten zu treffen, die von draußen hereindrängen wollten.
Polizisten stellten sich jedoch der anrückenden Gruppe auf der Straße mit Schlagstöcken in den Weg und drängten sie von den Brücken, die über ein Gewässer nahe des Zentrums führen. Die Beamten kesselten den Demonstrationszug ein und nahmen etwa 250 Teilnehmer fest - darunter nach Angaben der Organisatoren der Demonstration auch jene, die bereits am Morgen versucht hatten, über die Zäune zu klettern. "Schande über euch", schrie die Menge zurück.
Damit setzt die dänische Polizei ihren harten Kurs gegen Demonstrationen rund um den Konferenzort fort. Sie hatte am Dienstag einen der Organisatoren des Sturms auf das Gebäude wegen des Verdachts auf Aufruf zur Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen. Seit der ersten Demonstration rund um den Klimagipfel am vergangenen Samstag wurden etwa 1500 Teilnehmer festgenommen.
Unter den Umweltschutzorganisationen wächst unterdessen der Unmut über die Konferenzleitung. An diesem Mittwoch wurden sämtlichen Vertretern von Friends of the Earth, Via Campesina und Avaaz der Zugang zum Konferenzzentrum verwehrt, obwohl diese offiziell registriert waren - auch der deutsche BUND war davon betroffen.
Die Konferenzleitung begründete den Schritt mit "allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen". Mitglieder der betroffenen Organisationen setzten sich daraufhin im Eingangsbereich auf den Boden und verließen später das Zentrum.
Im Video: In Kopenhagen haben Demonstranten versucht, die Absperrungen zum Tagungsort des Klimagipfels zu überwinden. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein.
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(sueddeutsche.de/bica/liv)
Obama zeichnet Bob Dylan aus
Warum wird das wichtigste der ganzen Demo, die Versammlung am Ende samt Reden, im Artikel völlig vernachlässigt und nur am Rande erwähnt?
Es wurden keine Alternativen vorgebracht?
Diese Unterstellung ist lächerlich und sehr oberflächlich und schlicht falsch. Ist der Umstieg auf lokalere Produktion und kleinbäuerliche Strukturen, ist die Forderung, das Öl im Boden zu lassen und stattdessen den Energieverbauch zu senken und bedingungslos erneuerbare Energien einzusetzen, ist der Appell, die volkswirtschaftliche Wachstumsideologie hinter uns zu lassen, usw., sind das denn keine Lösungen? Es sind für Sie, Herr Kotynek und für die Gesellschaft natürlich keine Lösungen, solange man an dem fundamentalistisch anmutenden Glauben an den Kapitalismus festhält und alles, was sich außerhalb desselben bewegt, einfach nicht als Lösung akzeptiert. Sie brauchen jedoch nur die "Außenansicht" in der SZ vom selben Donnerstag zu lesen (der Artikel sei hiermit allen sehr empfohlen!), um vielleicht verstehen zu können, dass ohne eine grundlegende Wandlung des Systems kein Efektiver Klima- und Umweltschutz möglich ist, weil im Zweifel immer der Profit und Wachstum vorgeht. Weil der Kapitalismus prinzipiell auf Ausbeutung beruht und es deshalb absurd ist, innerhalb dieses Systems die Ausbeutung und Zerstörung der Natur zu stoppen. Sie und der Leser brauchen diese antikapitalistische Haltung ja nicht einmal zu unterstützen, aber als unabhängiger Journalist sollte man doch so distanziert sein, dass man ganz nüchtern das wiedergeben kann, was in diesem Fall die Demonstranten fordern und nicht die Forderungen, schon bevor sie konkret genannt werden, zu diskreditieren. Es wäre absurd und würde die eigene, systemkritische Grundhaltung der Demonstranten untergraben, würden sie bloß ein weiteres kompliziertes System von Ausgleichszahlungen, Steuersystemen, Subventionen und Regulierungsgesetzen vorschlagen. Der Lösungsvorschlag der Demonstranten vom Mittwoch ist eine komplett neue Denkweise in der Wirtschaft und im gesellschaftlichen Zusammenleben, was ihrer Meinung nach die einzig wahre Lösung für unsere Probleme ist. Das kann man einfach so respektieren und in diesen Artikel schreiben, auch wenn der Autor oder die ganze Zeitung es nicht unterstützt.
In Ergänzung zu Xanderanas guter Kritik: Der Artikel stimmt einfach nicht mit der Wirklichkeit überein und diskreditiert so die Demonstration. Was bekommt man hier für ein Bild? Dass ein Haufen konfliktgeiler, krawalllustiger Demonstranten das Bella-Center stürmen und der Welt ihre naiven Weltverbesserungsvorschläge erzählen will. Das ist eine sehr oberflächliche und verzerrte Darstellung, viele wichtige Informationen werden unterschlagen:
Welche Bewegung(en) steckt hinter der Aktion? Siehe Xanderana.
Wie war wirklich der Geist der Demonstration? Es war eine absolut friedliche, bunte Demonstration. Das Ziel war nicht einfach das Brechen einer Regel, das Boykottieren einer Konferenz (das war nie geplant, man wollte auch nicht ins Gebäude eindringen, wie oft geschrieben wird, sondern nur auf das Gelände). Durch das Stören der Verhandlungen und durch die Stürmung des Geländes wollte man vielmehr darauf aufmerksam machen, dass viele Stimmen überhört und von den Mächtigen unterdrückt werden, dass die Öffentlichkeit und kritische Stimmen ausgegrenzt und die wichtigsten Deals hinter verschlossenen Türen geschlossen werden. Das ist kein Akt der Aggression, den man mit Schlagstöcken zurückschlagen muss, sondern friedlicher, ziviler Ungehorsam. Nur in einer Diktatur hat man es nötig so etwas gewaltsam und mit allen Tricks der Einschüchterung und Sabotage zu unterdrücken.
Sturm auf die Konferenz wehte nur kurz? Erstens: Ein riesen Erfolg, vielleicht der wichtigste dieser Demo, wird einfach ins Gegenteil verkehrt, nämlich dass sie trotz der Gewalt durch die Polizei friedlich geblieben ist, dass die Teilnehmer es geschafft haben ohne aggressive Gegenreaktion die Knüppelschläge der Polizei einzustecken und freiwillig den Druck nachzulassen, als klar war, dass ohne eine Gewalteskalation und Verletzte die Polizeisperre nicht zu überwinden ist. Zweitens: Die Demonstranten haben unglaublichen Zusammenhalt und Entschlossenheit bewiesen und es geschafft sich nicht von der Polizei auflösen zu lassen; die Demo dauerte über 8 Stunden. Ob Krawall oder passiver Widerstand, es scheint in der Öffentlichkeit eine Neigung gibt, Demonstrationen grundsätzlich als negativ darzustellen.
Noch ein Detail: Das Foto von Reuters mit dem Untertitel "´Schande über euch!`: Aufgebrachte Demonstranten versuchen, das Konferenzzentrum zu stürmen" zeigt nicht Demonstranten, die das Konferenzgebäude stürmen, sondern jene Gruppe von Delegierten, die versuchen es zu verlassen, um an der Demonstration teilzunehmen! So nahe wie auf dem Foto ist die Demonstration von außen dem Gebäude nämlich nie gekommen, es wurde auch keine Brücke überquert. Auch wenn dieses Beispiel nicht sehr gravierend ist - bitte, ich dachte die SZ informiert verlässlich! Es ist einfach offensichtliche Schlampigkeit.
Es ist traurig, dass eine von mir hoch geachtete Zeitung wie die Süddeutsche es schafft, mich angesichts der anmaßenden Bewertungen traurig zu stimmen.
Völlig unbegründet wird behauptet, die Demonstranten seien (auch) an sich selbst gescheitert, indem sie keine Alternativen zu den innerhalb des Bella Centers stattfindenden Verhandlungen boten. Dabei frage ich mich, wie inhaltvolle Reden über Alternativen hätten zustande kommen können, wenn
1. der Demowagen für Koordination und Unterstützung der Reden durch Lautsprecher noch innerhalb der legalen Demo auf brutalste Weise geräumt und beschlagnamt wurde
2. die vorgesehenen RednerInnen (vor allem VertreterInnen aus dem globalen Süden) überhaupt nicht zur Vernastaltung gelassen wurden, sondern ihrerseits mit Schlagstöcken gehindert wurden, das Bella Center zu verlassen
3. wichtige VeranstalterInnen im Vorfeld "vorbeugend" festgenommen wurden
Nach außen mag die Peoples Assamby uneffektiv gewirkt haben. Doch dies sehe ich in der dumpfen Orientierung an populistischen Reden und Aktioenen begründet.
Fakt ist, dass es sich hier um eine kraftvolle Bewegung handelt, die wirkliche Alternativen zeigt, sich aber nicht auf undemokratische Prozesse wie die innerhalb des Bella Centers einlässt - und auch nicht auf einem Knopf im Ohr, der allen PolizistInnen gleichzeitig den Befehl zum Prügeln erteilt, ohne sie Menschen sein zu lassen, die selbst nachdenken können, welches Handeln einer friedlichen Menge gegenüber angemessen wäre.
Zitat:"... Wir werden höhere Deiche bauen müssen ... "
Erstens ist das noch lange nicht ausgemacht.
Zweitens, selbst sollte es so kommen, ist es doch immer noch ein Konjunkturprogramm für die deutsche Bauwirtschaft und alles was daranhängt. Das Geld würde zumindest in deutsche Arbeitsplätze investiert anstatt am Ende der Welt zu versickern.
Paging