Ein Kommentar von W. Roth

Eine Erklärung ohne Zielmarke wäre eine Blamage für den Klimagipfel. Dass die Delegationen immer noch tagen, zeugt vom Bemühen, dies zu verhindern.

Es wurde Nacht in Kopenhagen, und das bedeutete finstere Aussichten für ein wegweisendes Ergebnis auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen. Dass die Delegationen aus fast zweihundert Staaten am Freitagabend immer noch um ein Abschlussdokument rangen, zeugt aber auch von dem Bemühen, fast um jeden Preis eine Blamage zu vermeiden.

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Passanten gehen an einer Weltkugeln in der Innenstadt von Kopenhagen vorbei. (© Foto: dpa)

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Die Blamage, das wäre eine unverbindliche Erklärung ohne irgendeine Zielmarke und ohne die feste Zusage, den ärmeren, vom Treibhauseffekt besonders betroffenen Nationen erhebliche Finanzmittel zu gewähren.

Erwartungen bislang enttäuscht

Noch nie haben so viele so hochrangige Vertreter der Staatengemeinschaft eine Klimakonferenz besucht. Das hat hohe Erwartungen geweckt bei allen, die sich weltweit wegen des Klimawandels Sorgen machen. Solche Hoffnungen aber wurden bislang noch auf fast jedem Treffen enttäuscht.

Kopenhagen macht da keine Ausnahme, es sei denn, man hält es schon für einen Fortschritt, dass nach einigen Stunden nächtlicher Verhandlung eine Einigung erzielt wurde, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.Von wem und wer soll wie viel beitragen? Das blieb erst mal offen, so nach dem Motto: "Schön kühl bleiben, Erde, nur nicht so hitzig!"

Präsidiale Auftritte können nicht vertuschen, dass vor Kopenhagen jede Menge Zeit verplempert wurde. Zu viele Streitfragen sollten erst auf dieser Konferenz aus der Welt geräumt, zu viele Kompromisse erst in letzter Minute gefunden werden. Es kommt nun, wie es kommen musste: Das Ergebnis von Kopenhagen ist nicht mehr als ein Versprechen, das frühestens im nächsten Jahr, auf der nächsten Konferenz, eingelöst werden kann.

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(SZ vom 19.12.2009/ehr)