Von Markus Balser, Kopenhagen

Chaos, kilometerlange Schlangen und keine Toiletten - in Kopenhagen würde es zugehen wie in einem Entwicklungsland, klagen Gipfelteilnehmer.

Eigentlich wollte die dänische Regierung Besuchern einen warmen Empfang bieten. "Welcome to the world", grüßt ein Banner am Bela Center von Kopenhagen. Doch der erste Eindruck ist für die meisten Besucher frostig.

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Teilnehmer des Klimagipfels vor dem Kongresszentrum: Bis zu acht Stunden müssen sie in der Kälte warten. (© Foto: ddp)

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Denn die Schlange der Frierenden vor dem Konferenzzentrum wächst seit Montag mit jeder Stunde. Politiker, Delegierte, Wissenschaftler und Umweltexperten - vor der dänischen Polizei sind alle gleich. Neue Besucher lassen Sicherheitskräfte derzeit gar nicht oder nur im Schneckentempo durch. Für Delegierte aus Monaco, Parlamentarier aus Kamerun, Forscher aus Japan oder Journalisten aus den USA wird der Gipfel im Bela Center zur zähen Geduldsprobe.

Marc Vivien, Mitglied des Parlaments in Kamerun, würde viel für einen Kaffee geben, oder wenigstens für eine Nachricht, wie es weitergeht. Doch es gibt weder das eine noch das andere.

Die Organisation wird zum Image-Problem

Die Organisatoren, die dänische Regierung und die Vereinten Nationen, sind komplett überfordert. Einen halben Kilometer zieht sich der Diplomatenstau bis zur U-Bahnhaltestelle. Toiletten oder Sitzgelegenheiten: Fehlanzeige. Weil irgendwann auch die Haltestelle überfüllt ist, fahren die Züge einfach durch. Die ersten Tränen fließen. Die Stimmung kippt endgültig, als ein UN-Mitarbeiter vor der Tür per Megaphon die wartende Masse zum Gehen auffordert. "Lasst uns rein", brüllen Gesandte in Anzügen zurück. Doch die Polizei bleibt hart.

Die dänische Regierung hatte sich das eigentlich ganz anders gedacht. Sie holte den Weltgipfel an die Ostsee, um für positive Schlagzeilen zu sorgen. Der Plan: Etwas Ruhm würde für das kleine Land abfallen, wenn der große Gipfel einen Beschluss fasst, der wie Kyoto auf der ganzen Welt für Umweltschutz steht. Doch nun geht alles schief. Ein erfolgreicher Abschluss ist in Gefahr und die Organisation selbst wird zum Imageproblem.

Längst ist das Chaos mehr als ein Problem am Rande. Es bringt den Gipfel gehörig durcheinander. Der Bundesverband der Deutschen Industrie überlegt bereits, ob er ein Treffen deutscher Konzernchefs mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) abblasen soll. Keiner wisse schließlich, wie viele Interessierte es überhaupt hineinschaffen, heißt es.

Dabei wissen die Organisatoren seit Monaten, was sie erwartet: ein Besucheransturm. 45.000 Menschen hatten sich für den Gipfel angemeldet. "Von einem Entwicklungsland hätte ich das erwartet - von Dänemark nicht", sagt Alice-Mary Higgins, Mitarbeitern der irischen Entwicklungshilfeorganisation Trocaire am Ende der Schlange.

Warum man ihnen Einlass verspreche, sie anreisen und Stände aufbauen lasse und ihnen dann keinen Zugang verschaffe, fragt sich nicht nur Higgins. "Wie soll man den UN ein verlässliches Klimaabkommen zutrauen, wenn sie noch nicht mal die Konferenz dazu organisieren können."

Im Video: Angesichts der bislang geringen Fortschritte auf dem Klimagipfel hat Bundeskanzlerin Merkel die Länder dazu aufgerufen, jetzt konstruktive Beiträge zu leisten.

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(sueddeutsche.de/rasa/aho)