China Von Christina Maria Berr

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Die staatliche Homepage china.org.cn hat eine einnehmende Bildstrecke, die man fast schon als Reisetipp verstehen könnte: "Schönes Kopenhagen: Ort des Weltklimagipfels" heißt es da. Gepriesen wird eine Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Man fragt sich allerdings, wem diese Anpreisung nützen kann. Nur wenige Chinesen können sich so eine Reise leisten und eine Reiseerlaubnis für die Stadt bekommen, auf die momentan die Welt blickt. Dort wiederum blickt man auf China, denn ohne Pekinger Zusagen geht es nicht.

Kopenhagen bedeutet in diesen Tagen Klimagipfel - und das wiederum ist in den vielen chinesischen Medien ein beliebtes Thema, vor allem auch auf englischsprachigen Publikationen. Denn hier kann man mit Weltoffenheit punkten und mit wegweisender Weltpolitik. Schließlich, so der Tenor in den Medien und der Politik, seien gerade die Chinesen ganz vorne dabei, wenn es um Klima und Emmissionsschutz geht. So gibt es beispielsweise auf china.org.cn eine Geschichte über Aufforstung und Waldschutzmaßnahmen und die Einführung einer "Grünen Bank". Der Text liest sich bald so, als bestehe China aus einem einzigen Naturschutzparadies. Doch damit nicht genug: Die Mehrheit der Chinesen wolle sogar einen höheren Preis für Energie bezahlen, um den Klimawandel abzumildern, heißt es an anderer Stelle auf dieser Internetseite.

Dabei führt die Seite selbst eine entlarvend-lustige Rechnung an: Sieben von zehn Chinesen würden mehr bezahlen, aber nur drei von zehn sehen ein ernstes Problem in puncto Klimaschutz. Damit, so darf man vermuten, greifen die Macher die Verständnislosigkeit für derartige Maßnahmen auf, verfolgen sie aber - logischerweise - nicht weiter. Würde man diesen Journalisten folgen, hieße das: Die Chinesen zahlen gern für Dinge, die sie nicht einsehen.

Von der Kritik aus Wirtschaftskreisen, China sei viel zu wenig ambitioniert oder von der Aufforderung, China müsse noch zulegen (Bundeskanzlerin Angela Merkel), ist hier wie auch auf den anderen Seiten nichts zu lesen. Die in Hongkong ansässige South China Morning Post betont, dass die EU den Schlüssel zum Erfolg in China sehe und betont den schnellen Wandel der Nation vom Geächteten zum Anwalt - und sieht darin den richtigen Meinungswandel.

Derweil verbreitet sich die Nachricht, die chinesische Regierung wolle die "CO2-Intensität" - mit der der CO2-Ausstoß in der Industrie gemessen wird - um 40 bis 50 Prozent bis 2020 senken. Das Bezugsjahr soll 2005 sein. Als "wegweisend" beschreiben das die chinesischen Medien.

In westlichen Blättern dagegen kommentiert man diese Zusage eher nüchtern: Die USA und China hätten weltweit die höchsten CO2-Emissionen, sind aber nur zu wesentlich geringeren Verminderungen bereit als die EU, heißt es da. Das aber kann man in China nirgends lesen, weil die Internetportale immer wieder gesperrt werden und ausländische gedruckte Zeitungen ohnehin äußerst selten einen Weg in ausgewählte Zeitungskioske finden.

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(sueddeutsche.de/bica/plin)