Finanzminister Steinbrück stößt die Familienministerin vor den Kopf: Statt zu Verhandlungen über den Krippenausbau fährt er lieber in den Urlaub.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat die für diese Woche geplante entscheidende Verhandlungsrunde der ministeriellen Arbeitsgruppe von Bund und Ländern für den Ausbau der Kinderkrippen abgesagt. Ein Sprecher des Finanzministeriums bestätigte in Berlin einen entsprechenden Bericht des Handelsblatts. Es ist nicht das erste Mal, dass Urlaubspläne Steinbrücks mit einem wichtigen politischen Termin kollidieren.
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Bund und Länder wollen über den Krippenausbau sprechen - doch ohne Finanzminister Steinbrück geht es nicht (© Foto: AFP)
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Die Zeitung schreibt, damit könne Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihre Zusage nicht mehr einhalten, die Beteiligung des Bundes am Krippenausbau in Höhe von vier Milliarden Euro noch in dieser Woche unter Dach und Fach zu bringen. Frühestens im August werde es ein nächstes Treffen geben.
Im Finanzministerium sei man offenbar verärgert darüber, dass die Länder mit ständig neuen Vorschlägen zur Finanzierung der Bundesbeteiligung an die Öffentlichkeit träten, berichtete die Zeitung. Zuletzt hatte Steinbrück angeboten, einen Teil des erwarteten Haushaltsüberschusses in diesem Jahr in einen Fonds mit drei Milliarden Euro einzuzahlen.
Aus ihm wollte er den Ländern von 2008 bis 2013 Zuschüsse zu ihren Investitionskosten für den Krippenausbau zahlen. An den Betriebskosten wollte er sich aber entgegen der Absprachen im Koalitionsausschuss erst in den Jahren 2012 bis 2013 beteiligen. Dafür sollten die Länder zwei Jahre lang je 500 Millionen Euro mehr aus dem Umsatzsteueraufkommen erhalten.
Eigenartiger Verhandlungsstand
Der SPD-Chef und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hatte den Vorschlag der Bundesregierung als nicht akzeptabel und nicht mit den Ländern abgestimmt bezeichnet. Laufende Kosten und Investitionen müssten in einem vernünftigen Verhältnis stehen.
Der Sprecher des Finanzministeriums sagte der Nachrichtenagentur dpa, auf Staatssekretärsebene werde zwar weiterverhandelt. Vor einer Sitzung in großer Runde müsse aber noch ausgelotet werden, wie es zwischen Bund und Ländern Bewegung geben könne. Im Augenblick sei man "ziemlich weit auseinander". "Es sieht so aus, als ob wir unser Geld nicht loswerden würden bei den SPD-Ländern. Das ist ziemlich eigenartig."
Steinbrück hatte bereits im April ein G-7-Treffen der Finanzminister in Washington nicht besucht. Damals verbrachte der Finanzminister seinen Osterurlaub in Afrika.
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(sueddeutsche.de/AFP/dpa)
Stockender Kita-Ausbau
War es nicht Herr Steinbrück, der sagte, dass die Deutschen auch schon mal auf Urlaub verzichten sollten, wenn es um wichtige Dinge ging (er meinte aber wohl so Sachen wie Eigenvorsorge bei der Rente und ähnliches).
Sein jetziges Benehmen sagt viel aus, was er von den Plänen hält und wie er seine ganz persönliche Aufgabe sieht und Prioritäten setzt.
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...nicht gerade die eleganteste Art, um sich aus der Affäre zu ziehen, aber die lästigen Blagen werden eh überschätzt, oder...?
Und überhaupt: das alles kostet sowieso zu viel Geld, was wir dringend für die Unternehmenssteuerreform brauchen, die ja schließlich Wettbewerbsfähigkeit und somit Arbeitsplätze - wann auch immer - schaffen soll, womit Mami und Papi dann ihre "Hosensch****r" gefälligst selbst finanzieren und privat betreuen lassen können, gell?
Also Peer, mach dir mal 'nen schönen Urlaub und zerbrich dir nicht den Kopf, um den demographischen Wandel und die notleidend alleinerziehenden Berufstätigen. Wir warten auf dich.
Deutschland braucht letztendlich einen ausgeruhten Finanzminister von Gnaden einer ruhigen Hand. Und die Einhaltung der Ruhezeiten (siehe Arbeitsrechte) war doch schon immer eine Herzensangelegenheit der SPD. Da ist es nur konsequent, diese Errungenschaft der Arbeitnehmerschaft vorbildlich zu leben.
Glück auf!
Was ist denn das schon wieder für eine sinnfreie Nachricht. Würde der Mann nicht in den Urlaub fahren, solange wichtige politische Termine anstehen, dann könnte er wohl nie Urlaub machen.
@dietel40:
"Der Charakter eines Menschen drückt sich vor allem in seinem Gesicht aus. Schauen sie ihn unter dem Gesichtspunkt gründlich an" -
Genau weil Menschen so einen Blödsinn glauben fallen Sie auf allerhand Betrüger rein, weil Sie so einen vertrauenserweckenden Eindruck machen.
Das Steinbrück in Urlaub fährt, ist nicht nur grob unhöflich (und das bewußt), und ist auch kein schlechtes Zeitmanagement -- es ist auch geschickt, um sich selbst in Szene zu setzen.
Wäre er beim Termin erschienen, hätte er nur verlieren können, bzw. alles positive wäre auf von der Layen abgefallen. So zeigt er der Ministerin die Instrumente ("ohne mich läuft hier gar nichts") und er verschiebt ein unangenehmes Thema über den Sommer, mit allen Möglichkeiten, daß dieses Thema durch das Sommertheater in den HIntergrund gedrängt wird und nach der Pause gar nicht mehr wichtig ist. Außerdem läßt er jetzt den Ministerialbeamten in Bund und Ländern die Zeit, die Finanzierung unterschriftsreif zu verhandeln, ohne unter dem Zeitdruck der Politik arbeiten zu müssen.
Und ganz nebenbei tut er noch etwas für seine persönliche Work-Life-Balance. :-)
Paging