Kirche und Krieg Mixa: egal, Käßmann: Skandal

Zwei unterschiedliche Kirchenleute kritisieren den Afghanistan-Einsatz. Doch während Bischof Mixa niemanden erregt, fallen die Politiker über Bischöfin Käßmann her.

Ein Kommentar von M. Drobinski

Zum Jahreswechsel werden Kirchenvertreter gern politisch. Walter Mixa, der Augsburger Hirte und katholische Militärbischof, hat zum Beispiel über den deutschen Afghanistan-Einsatz gesagt: "So wie die Situation sich jetzt zeigt, kann man nicht nur von einem Stabilisierungseinsatz sprechen." Die Verantwortlichen müssten nun die Frage klären, ob der Einsatz in Afghanistan noch gerechtfertigt sei.

Und Margot Käßmann, die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, erklärte in ihrer Predigt: "Nichts ist gut in Afghanistan"; sie forderte ein möglichst schnelles Ende des Bundeswehreinsatzes.

Zwei sehr unterschiedliche Kirchenleute sind da einer Meinung - und dann passiert etwas Merkwürdiges: Niemand kritisiert Bischof Mixa, der seit Jahren aus seiner Skepsis gegenüber der Afghanistan-Expedition keinen Hehl macht.

Über Bischöfin Käßmann aber fallen die Politiker aus der Union und auch der SPD her, als hätte sie gerade die Auflösung von Bundeswehr und Nato bis Ostern gefordert. Weil der eine ein Konservativer ist und durch seine Kritik Nachdenklichkeit zeigt - und die andere eine Linke, die man bei der Straftat des Linksseins ertappt hat?

Kirchenvertreter müssen keine Politiker sein, die nach dem Machbaren, dem Kompromiss suchen. Sie sollen Wahrheitsfragen stellen. Sie können da utopisch und grundsätzlich sein, wo Politiker es nicht sein können.

Das ist unbequem, das ist aber auch ihre Aufgabe für die Gesellschaft. Sie müssen sich auch dafür kritisieren lassen, egal, ob sie Margot Käßmann oder Walter Mixa heißen. Wenn die Kritik aber in diese Asymmetrie kommt, dann darf man sich doch ein bisschen wundern.