Kirche Papst trifft Patriarch

Es wird ein historisches Treffen, und damit es überhaupt stattfinden kann, wurde ein neutraler Ort gewählt: Kuba. Dort werden sich erstmals ein Pontifex und der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche begegnen.

Erstmals in der Geschichte wollen sich die Oberhäupter der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche persönlich treffen. Der Termin ist nah und bereits fix: Havanna, Kuba, 12. Februar. So gaben es der Vatikan und das Moskauer Patriarchat am Freitag bekannt. Papst Franziskus wird auf seiner Reise nach Mexiko kurz in Havanna zwischenlanden; Patriarch Kyrill I. weilt dann schon zu Besuch in Kuba. Das Treffen soll am Flughafen José Martí stattfinden, ein gemeinsames Dokument hervorbringen, dazu gibt es je eine Rede. Ungefähr zwei Stunden soll es dauern.

962 Jahre nach dem Schisma der Kirchen und nach vielen erfolglosen Vermittlungsversuchen in der jüngeren Vergangenheit erscheint die Begegnung dem Vatikan nun wie eine "große Freude". Der Sprecher des Papstes, Pater Federico Lombardi, sagte: "Der Heilige Stuhl und das Patriarchat wünschen sich, dass dies allen Menschen guten Willens als Zeichen der Hoffnung gereicht."

Die Vorbereitungen hatten offenbar mehrere Jahre gedauert. Am Ende war entscheidend, dass ein "neutraler Ort" gefunden werden konnte. Und dazu verhalf Raúl Castro, der starke Mann in Havanna, der ja seinerseits von der Vermittlung des Papstes profitiert hatte, um Kuba aus der langen Isolation zu befreien. Besonders intensiv waren die Versuche zur Annäherung zwischen den getrennten Kirchen seit dem Mauerfall - seit dem Pontifikat von Johannes Paul II. also. Der Pole hat immer davon geträumt, nach Moskau zu reisen. Der Wunsch scheiterte letztlich auch daran, dass Karol Wojtyla zwar einerseits die Nähe suchte, andererseits aber auch Zeichen setzte, die das Misstrauen des Patriarchats eher mehrten. So setzte er einen Polen als Erzbischof für Russland ein, was in Moskau viel Unmut auslöste. Auch die Errichtung von vier Diözesen auf russischem Boden nahm der damalige Patriarch, Alexij II., als Affront wahr. Außerdem spielte die Rolle der mit Rom verbundenen Katholiken in der Ukraine stets einen Hinderungsgrund.

Mit Benedikt XVI. lockerten sich die Beziehungen etwas auf. Doch auch ihm gelang es nicht, ein Treffen mit dem Patriarchen aus Moskau zu organisieren, dem etwa zwei Drittel der rund 200 Millionen Orthodoxen weltweit folgen.

Einen neuen Tonfall schlug Papst Franziskus an. Im November 2014 sagte der Argentinier: "Ich habe ihm (Kyrill) ausrichten lassen: 'Ich komme dahin, wo du willst.' Wir beide wollen das, wir wollen vorangehen." Eine Andeutung, dass das Eis zwischen Rom und Moskau schmolz, machte auch Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen. Als man ihn auf die Möglichkeit eines Treffens zwischen dem Papst und dem Patriarchen ansprach, sagte er: "Die Ampel steht nicht mehr auf Rot, sie steht jetzt auf Gelb." Das war erst vor einigen Tagen.