Von Bernd Graff

Wolfgang Böhmer, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident, hat so seine eigenen Theorien zur Erklärung von Kindstötungen im Osten. In einem Interview erklärte er die Morde mit der "leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern".

Die vielen Fälle von Kindstötungen in den neuen Bundesländern sind für Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) Folge einer übernommenen DDR-Mentalität.

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"Ich erkläre mir das vor allem mit einer leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern", sagte Böhmer einem Münchner Nachrichtenmagazin. Für manche ostdeutsche Frau sei eine Kindstötung anscheinend "ein Mittel der Familienplanung".

Diese Einstellung halte er für eine Folge der DDR-Abtreibungspolitik. Frauen konnten dort nach 1972 bis zur zwölften Woche ohne jede Begründung die Schwangerschaft abbrechen.

"Das wirkt bis heute nach", sagte Böhmer, der bis 1990 Chefarzt der Gynäkologie in Wittenberg war.

Um zu verhindern, dass Mütter ihre Schwangerschaft verheimlichen und ihr Kind dann töten, müssten die Menschen wachsamer werden.

Viele Ostdeutsche seien zu sehr auf den Staat fixiert und gäben dadurch ihre individuelle Verantwortung auf. "Das stört mich sehr", sagte Böhmer. Zugleich forderte er stärkere staatliche Kontrollen, um "chronische Verwahrlosung" in Familien zu verhindern.

Vor knapp drei Jahren war der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) mit einer ähnlichen Aussage heftig in die Kritik geraten.

Mit Blick auf eine neunfache Kindstötung in Ostbrandenburg hatte er gesagt, für die Gewaltbereitschaft und Verwahrlosung im Osten seien die "Proletarisierung" und "zwangsweise Kollektivierung" unter dem SED-Regime verantwortlich.

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(Quelle: sueddeutsche.de / dpa / bgr)