Von Oliver Meiler und Titus Arnu

Er hatte Kinder in Thailand, Kambodscha und Vietnam sexuell missbraucht. Nun wurde der weltweit gesuchte Christopher N. gefasst. Sein Fall steht für die kranke Sexindustrie Südostasiens.

Nach einer weltweiten Jagd ist der mutmaßliche Kinderschänder Christopher N. in Thailand festgenommen worden. Wie Interpol bekanntgab, wurde der Verdächtige in Korat im Nordosten Thailands gefasst. Die Polizei kam dem seit Jahren gesuchten Mann durch Bilder aus einer Überwachungskamera und ein abgehörtes Telefonat auf die Spur. N. hat möglicherweise Hunderte von Kindern missbraucht.

Kinderschaender; Thailand; Christopher N.

Der mutmaßliche Kinderschänder Christopher N. (© Foto: dpa)

Anzeige

Der mutmaßliche Sextäter hat zeitweise in Thailand gelebt und bis vor kurzem in Südkorea als Englischlehrer gearbeitet. Er war in der vergangenen Woche nach Thailand eingereist und dabei von einer Überwachungskamera gefilmt worden. Der Kanadier hatte mehr als 200 Fotos von sich ins Internet gestellt, auf denen er kleine Jungen sexuell missbraucht. Auf den Bildern hatte der 32-Jährige sein Gesicht digital unkenntlich gemacht. Spezialisten des Bundeskriminalamtes (BKA) hatten daraus ein Bild rekonstruiert, auf dem das Gesicht des Mannes zu erkennen ist. Wie das Verfahren funktioniert, will das BKA "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht erläutern. Gleichwohl könne die Methode Schule machen bei der Jagd nach Sexualstraftätern.

Nicht mehr als Symptombekämpfung

Seit 2004 haben BKA und Interpol nach dem Mann mit dem Codenamen "Vico" gesucht, indem sie in Kindersex-Foren nach Hinweisen auf seine Identität fahndeten. In Vietnam und Kambodscha soll der Kanadier mindestens zwölf Jungen zwischen sechs und zehn Jahren missbraucht haben. Nach Angaben der thailändischen Polizei haben mehrere Opfer den gesuchten Kinderschänder erkannt. Drei Jungen, zur Tatzeit 9, 13 und 14 Jahre alt, hätten angegeben, der Kanadier habe sie in einem Appartement in Bangkok zum Oralsex gezwungen. N. wurde am Freitag in Handschellen der Presse in Bangkok vorgeführt, schwieg aber zu den Vorwürfen.

Der Fall Christopher N. wirft ein Schlaglicht auf ein altes, dramatisches und oft verdrängtes Problem in vielen Ländern Südostasiens. In Thailand, Kambodscha, Laos, Vietnam, Indonesien und auf den Philippinen werden Kinder in der Sexindustrie missbraucht. Unicef schätzt die Zahl sexuell missbrauchter Kinder in dieser Weltgegend auf mehrere Hunderttausend. Im Geschäft mit dem Kinderhandel, der Kinderpornografie und der Kinderprostitution gibt es keine genauen Zahlen.

Regelmäßig geloben die südostasiatischen Staaten, sie würden ihre Gesetzgebungen zur Kinderprostitution verschärfen. Manche tun es auch, wenden die neuen Normen dann aber nicht oder nur lasch an. Viele internationale Hilfsorganisationen engagieren sich für die Rechte der Kinder und drängen die Regierungen zum Handeln. In Thailand führt die Polizei seit einigen Jahren Razzien durch, schließt nach eklatanten Fällen Bordelle, schiebt ertappte Touristen in deren Herkunftsländer ab. Doch viel mehr als Symptombekämpfung ist das nicht.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Einer von vielen
  2. Seite 2
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...