Kinderbetreuung Warum 24-Stunden-Kitas notwendig sind

Kita-Streik in Brandenburg Zahnputzbecher und Handtücher, fotografiert am 13.05.2015 in einer Kita nahe Potsdam (Brandenburg). Auch am Mittwoch beteiligen sich wieder rund 2000 Erzieherinnen und Erzieher in Brandenburg an den bundesweiten Kita-Streiks. Foto: Ralf Hirschberger/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Familienministerin Schwesig will mehr Geld in 24-Stunden-Kitas investieren. Das ist überfällig.

Kommentar von Thorsten Denkler, Berlin

Sachsen will schon mal nicht mitmachen. 24-Stunden-Kitas? Pädagogisch nicht zu verantworten, tönt es von dort. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will mehr Einrichtungen, in denen Eltern im Schichtdienst ihre Kleinen auch mal über Nacht lassen können. Mehr als 100 Millionen Euro will sie unter anderem für längere Öffnungszeiten in den kommen Jahren aufbringen. Und eben auch für 24-Stunden-Kitas.

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Das Problem kennen viele in dieser oder ähnlicher Form: Er auf Montage im Ausland, sie Nachtschicht auf der Intensivstation. Die Kinder zwei und vier Jahre alt. Oma und Opa leben weit weg, die Freunde winken inzwischen ab, wenn die Kinder mal wieder einen Schlafplatz brauchen. Babysitter? Zu teuer für das trotz Doppel-Einkommen schmale Budget.

Job schmeißen oder Nacht-Betreuung

Entweder einer von beiden schmeißt den Job hin. Oder die Kita bleibt über Nacht auf. Der Bedarf ist da. Wenn er auch nicht immens sein dürfte. In jeder mittleren Stadt dürften ein oder zwei Kitas mit Nachtbetreuung reichen, um die größte Not zu lindern.

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Es ist leicht zu sagen, es sei pädagogisch nicht zu verantworten, wenn die Kinder Tag und Nacht in der Kita betreut werden. Das passiert nämlich in den wenigen 24-Stunden-Kitas, die es bundesweit schon gibt. Auch wenn Schwesig versichert, es ginge nicht darum die Betreuungszeiten zu verlängern, sondern nur zeitlich flexibler zu gestalten. Nach einer Nachschicht im Krankenhaus dürfte Mama schwerlich in der Lage sein, tagsüber voll für ihr Kind da zu sein.

Dann ist es immer noch besser, das Töchterchen dorthin zu geben, wo Umgebung und Regeln gewohnt sind, wo es feste Bezugspersonen hat, die besten Freunde zum Spielen da. Heute ein Bett bei der Oma, morgen bei Freunden und übermorgen bei den Nachbarn ist pädagogisch gesehen die schlechtere Alternative.

Familien brauchen das zweite Einkommen

Die Frage ist längst nicht mehr, ob 24-Stunden-Kitas pädagogisch wertvoll sind oder nicht. Sie sind schlicht notwendig. Der Arbeitsmarkt verlangt heute maximale Mobilität und Einsatzbereitschaft. In der Nacht genauso wie an Wochenenden. Und das oft zu viel zu niedrigen Löhnen.

Viele Familien brauchen das zweite Einkommen, um halbwegs über die Runden zu kommen. Und nicht zu vergessen: Immer mehr Frauen wollen sich nicht länger auf die Nur-Mutter-Rolle reduzieren lassen.

Dem gegenüber stehen Kitas, die in aller Regel nur von acht bis 16 Uhr geöffnet haben, und die Eltern mit regelmäßigen Schließzeiten malträtieren. Als wenn es nicht auch Eltern gäbe, die an Weihnachten oder Ostern arbeiten müssten. Kinder sind in dieser Welt eher ein Störfaktor.

Wer grundsätzlich etwas gegen 24-Stunden-Kitas und lange Öffnungszeiten bis in den späten Abend hat, der sollte zumindest dafür sorgen, dass die klassischen Schichtberufe besser bezahlt werden. Höhere Löhne für Krankenschwestern und Altenpfleger zum Beispiel. Wenn davon dann ein Babysitter bezahlt werden kann, können die Kleinen über Nacht wenigstens zu Hause bleiben.