SZ-Autor Andrian Kreye kam 1994 zu einer unverhofften Audienz bei Omar al-Bashir und fiel gleich mit seinem ersten Satz in Ungnade.
Der Anruf aus dem Büro des Präsidenten General Omar al-Baschir kam um sieben Uhr morgens. Sieben Uhr morgens ist eine gute Zeit in Khartoum, weil die Temperaturen dort zu jeder Jahreszeit auf über vierzig Grad steigen können und die Bewohner der Stadt deswegen versuchen, ihre wichtigsten Geschäfte bis zum späten Vormittag zu erledigen. Doktor el-Seyofi war am Apparat, der sich als Vorsitzender der deutsch-sudanesischen Freundschaftsgesellschaft vorstellte und nachfragte, ob man denn nicht kurzfristig Zeit für eine Audienz beim Präsidenten hätte.
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Sudans Präsident Omar al-Baschir wird per Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gesucht. (© Foto: Reuters)
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Wir schrieben das Jahr 1994 und der eigentliche Anlass für den Besuch in Khartoum war eine Konferenz fundamentalistischer Religionen, die Hassan al-Turabi ausgerufen hatte, der spirituelle Mentor des islamistischen Terrors, der sich als eine Art alter Ego des Präsidenten während der letzten Jahrzehnte wechselweise im Regierungspalast oder im Gefängnis befand. Es war eine leidenschaftliche Konferenz. Der Kampf gegen die Säkularisierung der Welt wurde ausgerufen. Geistliche und illustre Gäste waren aus aller Welt angereist, die sich bei Tee und Fruchtsaft am Ufer des Nils austauschten. Zwei dieser Gäste, der hagere Herr aus Saudi-Arabien und sein mürrischer ägyptischer Begleiter, waren damals noch Unbekannte - Osama bin Laden und Ayman al-Zawahiri hatten im Sudan Asyl gefunden. In ihren Heimatländern wurde schon nach ihnen gefahndet.
Bin Laden und al-Zawahiri waren nicht die einzigen weltweit Gesuchten in Khartoum. Zwei Monate vor der Konferenz hatte al-Bashirs Regierung den venezolanischen Terroristen "Carlos" an Frankreich ausgeliefert. Eine Geste des guten Willens, denn der Sudan galt als exemplarischer Schurkenstaat. 1992 hatte das Land auf eine Initiative al-Turabis jedem islamistischen Terroristen ein Visum garantiert. Darfur war noch friedlich, doch im Süden des Landes tobte ein Krieg, der von der Weltgemeinschaft auch schon als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegeißelt wurde.
Guten Willen gegenüber dem Sudan zeigte auch schon damals nur China. Die Volksrepublikaner hatten der sudanesischen Regierung die "Halle der Freundschaft" geschenkt, ein pompöses Konferenzzentrum am Nil. Und weil der eigentlich Regierungssitz al-Bashirs in einem ehemaligen Kolonialgebäude schon etwas heruntergekommen war, pflegte er Staatsgäste und sonstigen Besuch auch dort zu empfangen.
Dort fand man sich dann gegen halb elf Uhr ein. Drei Deutsche als offizielle deutsche Delegation. Eigentlich waren es ja mehr, doch die Damen der Kirchengruppe hatten am Vortag überstürzt das Land verlassen, weil plötzliche Durchfallerkrankungen bei ihnen panische Angst vor dem Ebolafieber ausgelöst hatten. Deswegen hatte Dr. el-Seyofi die Delegation so eilig aufgestockt.
Lesen Sie auf Seite zwei, wie SZ-Autor Kreye bei al-Baschir in Ungnade fiel.
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Ohne PC Wortknoten wird hier anschaulich beschrieben, was von Islam=Frieden Propaganda zu halten ist.