Das Bundesverfassungsgericht gebietet staatlicher Überwachungssucht Einhalt: Flächendeckende Erfassung der Autokennzeichen wird verboten, die Videoüberwachung auf Straßen und Plätzen eingeschränkt. Mit diesem Urteil widerspricht Karlsruhe einmal mehr dem Schäuble-Motto: Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten.
Großbritannien ist das Land der Videoüberwachung: In Provinzstädten wie Edinburgh und Manchester wird jeder Bürger durchschnittlich hundert Mal am Tag gefilmt; jeder Londoner wird auf seinem Weg zur Arbeit von dreihundert Kameras verfolgt. Es gibt auf der britischen Insel 4,3 Millionen Überwachungskameras, die überwiegend von den Kommunen betrieben werden.
Anzeige
Die Video- und Speicher-Orgie wurde und wird mit der Terrorgefahr begründet; und die Briten nahmen und nehmen die anonyme Kontrolle über sich selbst, die ihnen zumal in der Regierungszeit Tony Blairs als Generalrezept gegen Angst und Kriminalität offeriert wurde, bisher einigermaßen gleichgültig hin.
In Deutschland wird es keine britischen Verhältnisse geben - wenn sich die Politik an die Anweisung des Bundesverfassungsgerichts hält: Das Gericht hat nämlich eine flächendeckende Totalkontrolle mit Kameras verboten. Das am Dienstag verkündete Urteil gegen die generelle und anlasslose Erfassung aller Kfz-Kennzeichen ist nicht nur ein Grundsatzurteil für den Straßenverkehr, es ist ein Grundsatzurteil zur Überwachung des öffentlichen Raums überhaupt.
Das höchste deutsche Gericht hat, zwei Wochen nachdem es in seiner Online-Entscheidung das neue "Computer-Grundrecht" geschaffen hat, nunmehr das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung ausgebaut: Karlsruhe sagt erstmals, dass auch die Erfassung öffentlich zugänglicher Informationen grundrechtlichen Schutz genießt.
Das gilt bei der staatlichen Überwachung öffentlicher Straßen ebenso wie bei der staatlichen Überwachung öffentlicher Plätze: einfach so, ganz generell, ohne konkreten Anlass und ohne strikte Löschungsvorschriften geht das nicht. Der Bürger soll also richtigerweise auch dann, wenn er sich in der Öffentlichkeit bewegt, nicht jedweder Registrierung und Speicherung schutzlos ausgeliefert sein.
Daher sind die Dauer-Razzien auf Deutschlands Straßen per Video, wie sie verschiedene Bundesländer schon eingeführt haben, nicht statthaft. Daher dürfen die Lkw-Mautstellen an den Autobahnen nicht dazu missbraucht werden, um die Kennzeichen aller Autos zu beliebigen polizeilichen Zwecken zu erfassen. Daher dürfen staatliche Videokameras an Straßen, Brücken und Tunnels nicht rund um die Uhr und an dreihundertfünfundsechzig Tagen im Jahr alle Autokennzeichen, Fahrer und Beifahrer filmen, speichern und mit einem "Fahndungsbestand" abgleichen.
In ihrem Urteil haben die höchsten deutschen Richter einer grassierenden staatlichen Überwachungssucht Einhalt geboten.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Verfassungsbeschwerde erfolgreich Karlsruhe kippt Kennzeichenerfassung 11.03.2008
- Scann-Entscheidung Lob und Kritik am Karlsruher "Reparaturbetrieb" 11.03.2008
- Kennzeichen-Scanning Die Augen des Gesetzes 07.03.2008
- Online-Durchsuchungen Ein Kampf um Troja 27.02.2008
- Verfassungsgericht zu Online-Durchsuchungen Karlsruhe führt "Computer-Grundrecht" ein 27.02.2008
"Undercover" bei Paketzusteller GLS
Außerdem reden wir immer vom Gespenst "Terror". Haltet uchdoch mal die Zahlen vor Augen. Es wird langsam langweilig, immer vor diesen Terroristen Angst zu haben, die hinter jeder Mauer lauern.
"Vorschläge bitte? Wie würdet ihr den Job angehen? "
zuerst einmal würde ich mir Gedanken machen, was unserer Freiheit und unsere Verfassung für Grenzen setzt.
Hätten sich Schäuble und co. einmal Gedanken drüber gemacht, würden sie nicht ständig so antidemokratische Vorschläge machen.
Dann würde ich mir überlegen, ob meine Vorschläge überhaupt Sinn ergeben.
Bringen Kameras was? NEIN, tun sich nicht und wer was anderes behauptet, lügt oder scheint eh beratungsresistent zu sein.
Schauen wir uns doch mal die Kofferbomber an. Da waren Kameras.....
Schauen wir uns die U-Bahn Schläger an. Da waren Kameras.....
Was uns vor Terroristen schützt? Eine gute Außenpolitik wäre schonmal was. Sie wird nicht jeden Irren davon abhalten, sich als Revoluzzer in einer erbärmlichen Welt zu fühlen, aber viele Unterstützer und Helfershelfer würden wegfallen.
Alle bisherigen vereitelten Anschläge wurden durch normale Geheimdienst und Polizeiarbeit aufgedeckt und nicht durch eine Generalanschuldigung jedes Bürgers oder Autofahrers.
Die Diskussion, ob "man etwas zu verbergen "habe beinhaltet, den "Rtmittlungsbehörden zu unterstellen, ihr Ziel sei das Jagen echter verbrecher, wenn auch mit untauglichen oder rechtsstaatlich bedenklichen Mitteln. Bitteschön KONKRET: wieviele Verbrecher oder Teroristen und anderes Gelichter wurden denn gehindert oder nach ihrer tat zumindest identifiziert durch Videos?
Weder am 7.7. bei den Londoner U-Bahnanschlägen noch bei den Mercedesbomben in London (das waren die, für die zunächst speziell Ärzte verknastet wurden) noch im fall der Kofferbomber.
Als beispiel die Rolle der Videofotos beim 7/7 in London:
http://medienanalyse-international.de/bilderschwund.html
"Sie argumentieren mit "einem gefaßten Verbrecher", um die Überwachung zu rechtfertigen, ohne dabei aber zu sehen, dass generell auch die Zahl Unschuldiger steigt, die vom Staat konkret verdächtigt werden. "
Das kann man unterschreiben.
Und noch etwas - es wird zwar immer versichert, die Daten werden gelöscht - nur die lösen sich ja nicht in Luft auf, Spuren bleiben immer und für lange. Dann kann es schon mal passieren, wie vor kurzem in "XY ungeklärt" geschehen, das Fotos von unbescholtenen Bürgern in 3 Staaten im TV veröffentlicht werden - das konnte zum Glück schnell geklärt werden. Aber nicht immer dürfte das so einfach sein und dann kann's brenzlig werden. Vor allem dann, wenn deutsche Strafverfolger und Gerichte dem / der US-amerikanischen Beispiel / Praxis nacheifern.
Da kann' s schon mal passieren, dass einer "der nichts zu verbergen hat" in der Todeszelle landet . . .
dem ist nichts mehr hinzuzufügen
Naja vielleicht doch, mein Lieblingszitat:
"Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety."
Benjamin Franklin
Paging