Kenia Strom-Offensive

Immer mehr ländliche Gebiete werden mit Strom versorgt.

(Foto: Waldo Swiegers/Bloomberg)

Das ostafrikanische Land setzt massiv auf Wind- und Solarenergie, auch immer mehr Haushalte auf dem Land werden ans Stromnetz angeschlossen.

Von Bernd Dörries, Nairobi

Hausbesitzer in Kenia müssen ab dem kommenden Monat mit einer Gefängnisstrafe rechnen, wenn sie in ihren Häusern keine Solaranlage zur Warmwasseraufbereitung installiert haben. Das neue Gesetz wurde bereits vor fünf Jahren verabschiedet, nun endet die Übergangsperiode. Eigentümer von Hotels, Schulen, kommerziellen Gebäuden und Wohnungen mit mehr als drei Zimmern, die einen täglichen Wasserverbrauch von über 100 Litern am Tag haben, müssen eine Solaranlage vorweisen.

"Wir werden nun mit den Kontrollen beginnen", sagte Pavel Oimeke, der Chef der Nationalen Energie-Behörde. Nach seinen Angaben haben bisher nur 150 000 von drei Millionen Gebäuden, auf die das Gesetz zutrifft, eine Anlage installiert. Weit vorne bei der Aufrüstung seien Hotels, private Schulen liegen am Ende der Statistik. Ihnen droht nun eine Geldbuße von etwa 10 000 Euro, oder eine Gefängnisstrafe. Die Kosten einer neuen Solaranlage beziffert Oimeke auf 1000 bis 2000 Euro.

Präsident Uhuru Kenyatta ist umstritten. Seine Energiepolitik aber gilt als Erfolg

Kenia will mit dem Gesetz den Stromverbrauch senken und die Solarenergie fördern. Viele Jahre hatte die Regierung immer wieder angekündigt, mit Hilfe südkoreanischer oder chinesischer Investoren ein Atomkraftwerk bauen zu wollen, um den steigenden Energieverbrauch zu decken. Außer Absichtserklärungen ist dabei aber noch nicht viel heraus gekommen. Dafür stehen nun eine Reihe von Projekten zur Erzeugung regenerativer Energien vor dem Abschluss. Am Turkanasee im Nordwesten des Landes soll im Sommer der größte Windpark südlich der Sahara ans Netz gehen, gleichzeitig die größte Privatinvestition in der Geschichte Kenias, an der auch Google mit 12,5 Prozent beteiligt ist. Etwa 650 Millionen Euro wurden investiert und 365 Windanlagen errichtet, für jeden Tag des Jahres eine. Bei voller Auslastung soll der Park etwa 20 Prozent des kenianischen Stromverbrauches decken.

Das ist viel, derzeit steigt der Bedarf aber auch um etwa sieben Prozent im Jahr. Kenias Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren solide gewachsen, vor allem aber hat die Regierung ihr Wahlversprechen wahr gemacht, und Millionen Haushalte ans nationale Stromnetz angeschlossen. Vor vier Jahren hatten nur etwa 23 Prozent der Kenianer Zugang zum Stromnetz, heute sind es nach Angaben der Regierung fast 65 Prozent. Ein gewaltiger Fortschritt in wenigen Jahren, bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum.

Zuletzt stellten europäische Geldgeber im März etwa 160 Millionen Euro an Krediten zur Verfügung, um noch mehr Gebiete mit Strom zu versorgen. Bis zum Jahr 2021 sollen alle Haushalte mit dem nationalen Netz verbunden sein. Kenia wäre damit innerhalb weniger Jahre das erste Land südlich der Sahara, in dem jeder Haushalt theoretisch die Möglichkeit hat, Strom zu beziehen.

Ob er das dann auch tut, ist eine andere Frage. Strom ist teuer in Kenia, viel teuerer als in afrikanischen Nachbarländern. In Nairobi zahlt man derzeit etwa 16 Cent pro Kilowattstunde, verglichen mit neun Cent in Tansania oder drei Cent in Äthiopien. Die teuren Preise sind auch Folge langer Dürreperioden, in denen die Wasserkraftwerke nicht zuverlässig Energie liefern konnten. Die Ausfälle wurden vor allem durch Kraftwerke oder Generatoren kompensiert, die mit Diesel betrieben werden - eine der teuersten und umweltfeindlichsten Methoden der Stromgewinnung überhaupt. Das soll bald der Vergangenheit angehören. Neben dem riesigen Windpark soll in den kommenden Wochen mit den Arbeiten für den größten Solarpark Ostafrikas begonnen werden, auf einer Fläche von 82 Hektar.

Dass die Erfolgsmeldungen aus dem Energiesektor in diesen Tagen zunehmen in Kenia, hat auch mit dem Wahlkampf zu tun. Präsident Uhuru Kenyatta will im August wiedergewählt werden. Seine Regierungsbilanz ist umstritten, die Korruption hat eher zugenommen. Der Anschluss vieler armer und ländlicher Gebiete ans nationale Stromnetz ist aber auch nach Ansicht der Opposition ein großer Erfolg, der dem Land weitere Entwicklungschancen bietet. Damit aber auch noch weiteren Strombedarf.