In der Georgien-Krise muss Europa den Westen führen - und hat erst einmal mit sich selbst zu tun.
Autoritäre Herrscher haben's gut. Sie können schneller handeln als demokratische Regierungen. Stehen beide Systeme in einem Konflikt, wie jetzt in der Georgien-Krise, so vermag ein Staat wie Russland ruckzuck Tatsachen zu schaffen, weil der Präsident und das Parlament nach der Pfeife eines starken Mannes namens Wladimir Putin tanzen. Der demokratische Westen dagegen ergeht sich in vielstimmigen Diskursen, Ratschlägen und Appellen und wirkt dabei sehr hilflos. So entsteht eine Asymmetrie der Aktionen, in der die Erwartung wächst, nun müsse man doch auch was tun. Nur was?
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Ein georgischer Soldat zwischen den Flaggen der USA und der EU (© Foto: AP)
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Der Westen - was so homogen klingt, ist in Wahrheit ein äußerst heterogenes Gebilde: Weil zum Westen inzwischen einige Länder gehören, die vor zwei Jahrzehnten noch Osten waren, was ihre Sicht der Dinge in besonderer Weise definiert; weil der Westen im Widerspruch zu eigenen Prinzipien den georgischen Präsidenten Saakaschwili protegiert, der selbst massiv zur Krise beigetragen hat; vor allem aber weil die Führungsmacht Amerika ausfällt. Eine militärische Reaktion wäre Irrsinn, politisch jedoch sind die USA gelähmt: Der Präsident hat seine Kräfte und seine Glaubwürdigkeit verbraucht. Seine potentiellen Nachfolger können zwar viel reden, haben aber noch nichts zu sagen.
Bleibt als ernstzunehmender Akteur - wer hätte das gedacht - nur die Europäische Union. 27 Staaten, fast ebenso viele Interessen, innenpolitische Rücksichten, historische Prägungen - ein starker Akteur sieht definitiv anders aus. Wenn es wirklich noch eines Beweises für die Notwendigkeit bedurft hätte, die Integration der Europäischen Union gerade in der gemeinsamen Außenpolitik zu forcieren, dann hat ihn der Konflikt in Georgien jetzt schon erbracht. Deshalb führt auch die EU zunächst nur einen Abwehrkampf: Das politische Pendant zur militärischen Spaltung Georgiens ist Russlands Versuch, auch die Europäer auseinanderzutreiben. Sollte das gelingen, hätte Putin mehr gewonnen als mit zwei neuen Mini-Republiken im Kaukasus.
Es ist aber nicht nur die eigene Diversität, die Europa hemmt, es ist glücklicherweise auch der Konsens, auf eine militärische und politische Maßlosigkeit nicht mit denselben Mitteln zu antworten. Was nach Schwäche aussieht, ist ein Wert an sich. Russlands Aggression in Georgien ist genau jenes Verhalten aus vergangenen Zeiten, deren Überwindung die Existenzgrundlage der EU darstellt - nach innen wie nach außen.
Europa und die USA haben deshalb gemeinsam nur die Möglichkeit, Moskau von dem Schaden zu überzeugen, den es sich mit jeder weiteren Eskalation selbst zufügt: politisch, aber auch wirtschaftlich. Das Instrument des Westens dafür ist der Dialog, eine wichtige Ressource die Geduld und das entscheidende Argument die gegenseitige Abhängigkeit. Weil niemand weiß, wie weit Russland - zum Beispiel in der Ukraine - noch geht, kann das zu einer harten Prüfung werden. Eine Alternative aber gibt es nicht.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 28.08.2008/vb)
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Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
"Der wahre Aggressor ist der, der zurückschlägt und die Gewaltspirale in Bewegung hält, den würde er nicht zurückschlagen, wäre die Gewaltspirale unterbrochen worden."
Das Münchner Abkommen hat also dazu geführt, dass Deutschland nicht noch Schlimmeres als den Zweiten Weltkrieg angezettelt hat?
Danke für den Hinweis. Ich habe mich auch schon gefragt, warum Saarkaschwili mit dem blau/gelben Sternenlappen posiert... -und warum sich in der EU niemand daran stört. Und da hab ich dann nochmal bei "Wiki" unter "Europarat" nachgeschaut und musste feststellen, daß mir dieses Gremium in organisatorischen "Eurodschungel" unbekannt war. Übrigens: Russland ist auch Mitglied seit 1996(!) Man kann über das Tollhaus Europa nur den Kopf schütteln... Was taugt s ein Rat wenn die Mitglieder lustig Krieg gegneinander führen? Ach ja, zu den Zielsetzungen gehört die Konfliktbewältigung zwischen Mitgliedern lt. "Wiki" nicht...
Aufgrund des im Beitrag gezeigten Bildes " Ein georgischer Soldat zwischen den Flaggen der USA und der EU" möchte ich darum bitten zukünftig etwas besser zu recherieren. Die azurblaue Flagge mit den 12 goldenen Sternen ist seit 1955 die Flagge des Europarates. Im Europarat ist Georgien seit 1999 Mitglied. Die von Ihnen verwandte Bildunterschrift sugeriert, dass Georgien die Flagge der EU missbraucht, da es kein Mitglied der EU ist. Allerdings ist die besagte Flagge erst seit 1986 AUCH Flagge der Europäischen Union. Die von Georgien gewählte Darstellung gewählte Darstellung der eigenen Nationalflagge in Verbindung mit der Flagge des Europarates ist also legitim.
für die konstruktive und sachlich fundierte Kritik ! Bei mir ist der Kommentar vor kurzem nur einmal erschienen. Dass Sie so leicht zu reizen sind, gibt mir zu denken.Vielleicht sollten Sie Ihr Augenmerk auf die wahren Aggressoren lenken, die z.B. in Polen sog. 'Abwehrraketen' installieren lassen. Meine Kinder wohnen nicht sehr weit davon entfernt. Da sich Merkel nahtlos und unreflektiert an die Irrsinns-Kriegstreiberpolitk des grenzdebilen Bush anpasst, kann der Kalte Krieg rapide in ein Disaster münden.
Hier im Universitätsbetrieb habe ich viele internationale Freunde. Und diejenigen,die mir bis jetzt am nächsten standen, waren Polen, Russen und Koreaner,ebenso viele Amerikaner. Ich habe also keine Ressentiments gegen irgendein Land oder Ethnie.
Globale Völkerverständigung ist durch die heutigen Medien ohne weiteres möglich. Es ist nur die Rüstungsindustrie, die ständig Politiker instrumentalisiert und mit deren Hilfe den Hass und das Unheil über die Welt bringt. Und es ist eine Schande für unser Land, dass sich die ex DDR-Kader Bereich Propaganda-geschulte Merkel nicht bemüht, eher Ruhe in den derzeitigen Konflikt zu bringen. Aber diese Unfähigkeit passt zu ihrer infantilen Motorik. Außerdem wird sie von den Russen sowieso nicht ernst genommen, die kennen ihre Akten.
Denselben Beitrag mehrfach zu posten ist auch eine Form der Aggression.
Paging