Kathrin Oertel "Ganz normale Frau" an der Spitze von Pegida

Nach dem Rücktritt von Lutz Bachmann ist Kathrin Oertel die neue Frontfrau von Pegida.

(Foto: AFP)
  • Nach dem Rücktritt von Lutz Bachmann ist Kathrin Oertel die neue Frontfrau von Pegida.
  • Oertel stammt wie Bachmann aus Coswig bei Meißen, die beiden kennen sich seit Kindertagen.
  • Ein Auftritt in der ARD-Talkshow von Günther Jauch machte sie bekannt.
Von Katharina Fuhrin

Bachmanns besonnener Gegenpart

Lutz Bachmann ist also weg. Zurückgetreten am Mittwochabend wegen seiner umstrittenen Facebook- und Twitter-Postings. Montags, am Rednerpult der Demonstrationen in Dresden, konnte man allerdings schon länger ein anderes Gesicht an der Spitze von Pegida sehen. Ein stark geschminktes, mit Augenbrauen, die schon zahlreiche hämische Kommentare in sozialen Netzwerken provozierten, mit kühlem Blick und strengem Ausdruck. Seit ihrem Auftritt in der Talkrunde von Günther Jauch am vergangenen Sonntag ist Kathrin Oertel, die Sprecherin und Schatzmeisterin der Bewegung, auch Millionen Fernsehzuschauern bekannt.

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Oertel fiel neben ihrem Aussehen vor allem dadurch auf, dass sie mit Jauch lieber über Gefühle als über Fakten redete. Sie sprach von dem "riesengroßen Frust" in der Bevölkerung und von allgemeinen "Defiziten, die durch die Regierung zustande gekommen sind" und auf die sie nun aufmerksam machen wolle. Vage blieb sie auch, als es um sie selbst ging. Mutter, geboren bei Dresden, früher FDP-Wählerin, zuletzt aber auf die AfD umgeschwenkt. Vor allem aber: "eine ganz normale Frau aus dem Volk".

Während Lutz Bachmann immer der Böse von Pegida war, vorbestraft wegen Einbruchs und Drogendelikten, ist Oertel als harmlose Frau mit guten Absichten zu ihm auf die Bühne getreten. Die Besonnene, die sogar die Hooligans um Benehmen bittet. Kalkül? Bachmann wusste jedenfalls ziemlich genau, wen er sich da zur Schatzmeisterin und Sprecherin seiner Bewegung gemacht hat.

Oertels Leben vor Pegida

Bachmann und Oertel kennen sich aus Kindertagen, wie die Neue Württembergische Zeitung schreibt. Gemeinsam besuchten sie demnach die Leonhard-Frank-Oberschule in Coswig bei Meißen, ein Städtchen mit 20 000 Einwohnern. Bachmann wechselte nach der zehnten Klasse auf eine staatliche Schule in Dresden, die fünf Jahre jüngere Oertel besuchte ab 1995 ein Wirtschaftsgymnasium - damals noch unter ihrem Mädchennamen Spevacek.

Oertels Vater führte nach Angaben des Blattes die Geschäfte eines Elektrounternehmens in Coswig, bis er 2001 Konkurs anmelden musste. Heute leitet er ein Ingenieursbüro und ist Vorstand einer Schweizer Aktiengesellschaft, spezialisiert auf Abwasser.

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Oertel wird an diesem Freitag 37 Jahre alt und hat nach wie vor ein enges Verhältnis zu ihren Eltern. Anders als zu ihrem Exmann, von dem sie getrennt lebt. Die drei gemeinsamen Kinder wohnen bei ihr.

Ihr Ton wird selbstbewusster

Der Auftritt bei Jauch hat sie zu einer öffentlichen Person gemacht, aber dennoch ist Kathrin Oertel nach wie vor extrem zurückhaltend im Umgang mit Journalisten. Die meisten Anfragen lehnt sie genauso pauschal ab wie viele Medien.

Aber ihr Ton wird selbstbewusster. Als erste Reaktion nach dem Rücktritt Bachmanns hat sich Oertel von ihrem einstigen Förderer distanziert. Satire steht jedem Bürger frei, ließ die Sprecherin in einer Pressemitteilung verbreiten, "die pauschale Beleidgung fremder Menschen allerdings nicht".

Auch von den heftigen Diskussionen um "Legida" will sie ihre Position nicht beschädigt sehen. "Alles, was heute Abend in Leipzig gesagt und gefordert wird, ist nicht mit uns abgesprochen. Das kann sich für die einheitliche Wahrnehmung unserer Bewegung als kontraproduktiv erweisen. Daher prüfen wir eine Unterlassungsklage", erklärte Oertel. Nach Einschätzung des sächsischen Verfassungsschutzes ist der Leipziger Ableger ein Sammelbecken von Rechtsextremen und gewaltbereiten Hooligans. Und die passen nicht zur neuen Sauberfrau von Pegida.

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