Katholische Kirche Professoren sollen sich beim Papst entschuldigen

Der Regensburger Bischof Müller verlangt einen Treueeid von den drei Theologen, die eine Petition für das Zweite Vatikanische Konzil unterzeichnet haben.

Von Monika Maier-Albang

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller droht drei Professoren der theologischen Fakultät in Regensburg Sanktionen an, weil sie eine Petition für das Zweite Vatikanische Konzil unterzeichnet haben. Er wirft ihnen vor, mit ihrer Zustimmung zu der "Petition Vaticanum 2" den Papst beleidigt zu haben. Damit hätten sich die Professoren als katholische Theologen "selbst disqualifiziert". Müller fordert von den Professoren ultimativ, sich von der Erklärung zu distanzieren und bei Papst Benedikt XVI. zu entschuldigen.

Die Petition zur Rettung der Konzilsbeschlüsse hatte der emeritierte Heidelberger Theologieprofessor Norbert Scholl als Reaktion auf die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Piusbruderschaft Ende Januar verfasst. Auch die Aktion "Wir sind Kirche" trägt die Petition mit, die inzwischen bundesweit auf große Resonanz stößt. Zu ihren Unterzeichnern - angeblich mehrere Zehntausend -, die die "uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils" fordern, gehören in Regensburg der Pastoraltheologe Heinz-Günther Schöttler, der Religionspädagoge Burkard Porzelt und die Kirchenrechtlerin Sabine Demel.

Alle drei hat Müller mit einem Schreiben vom 9. Februar aufgefordert, sich innerhalb von zwei Wochen von der Petition zu distanzieren. Eine entsprechende Entschuldigung werde er an den Papst weiterleiten, lässt Müller die Professoren wissen. Als Zeichen der "Anerkennung des kirchlichen Lehramtes" sollen sie vor ihm erscheinen und das Glaubensbekenntnis sowie einen Treueeid auf die Lehre der katholischen Kirche ablegen. Andernfalls droht Müller "weitere Schritte" an, womit der Entzug der Lehrerlaubnis gemeint sein dürfte.

Der Regensburger Bischof stößt sich vor allem an jener Passage in der Petition, in der es heißt: "Die Unterzeichnenden werten es als klare Richtungsanzeige, dass Papst Benedikt XVI. diese Aufhebung (der Exkommunikation; Anm.d.Red.) in direkter zeitlicher Nähe zum symbolträchtigen 50. Jahrestag der Ankündigung der Einberufung eines Konzils durch Papst Johannes XXIII. vollzogen hat. Diese Rückwärtswendung lässt die Rückkehr von Teilen der römisch-katholischen Kirche in eine antimodernistische Exklave befürchten. Durch diese Rückwärtswendung wird es zugelassen, dass Teile der römisch-katholischen Kirche - neben vielem anderen - offen Geist und Buchstaben bedeutender Dokumente des II. Vatikanischen Konzils ablehnen dürfen." Damit, so Müllers Auffassung, hätten die Professoren dem Papst ein Handeln zum Schaden der Kirche unterstellt.

Das Schreiben an die Professoren hat Müller in Kopie an den Präfekten der Glaubenskongregation, William Joseph Levada, den Vorsitzenden der Bildungskongregation, Zenon Grocholewski, an den Apostolischen Nuntius in Deutschland, Jean-Claude Périsset, an den Dekan der Regensburger Fakultät und den Trierer Weihbischof Robert Brahm geschickt. Inzwischen kennen auch viele deutsche Bischöfe das Schreiben. Abzuwarten bleibt, wie sie sich zum Vorgehen ihres Regensburger Amtsbruders positionieren. Denn nicht nur die drei Regensburger Professoren, sondern viele kirchliche Mitarbeiter und Theologen haben die Petition unterzeichnet.

Mehrere theologische Fakultäten verfassten zudem eigene, zum Teil schärfere Erklärungen, etwa die Fakultäten in Würzburg, Freiburg oder Tübingen. Selbst an der katholischen Universität in Eichstätt rebellieren Professoren gegen die Wiederaufnahme der Bischöfe der Piusbruderschaft. Der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, wollte sich am Montag unter Verweis auf die Zuständigkeit des Ortsbischofs nicht zu dem Vorgehen Müllers gegen die Regensburger Professoren äußern.