Katalonien-Konflikt Hunderttausende demonstrieren für inhaftierte Separatisten

Anhänger der Unabhängigkeit Kataloniens nehmen in Barcelona an einer Demonstration zur Unterstützung der in Haft sitzenden katalanischen Politiker teil.

(Foto: dpa)
  • Die Demonstranten forderten auf einer Kundgebung in Barcelona die Freilassung ihrer Anführer.
  • Die Regionalverbände der beiden führenden spanischen Gewerkschaften unterstützten die Proteste, obwohl manche ihrer Mitglieder gegen eine Abspaltung Kataloniens sind.
  • Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 315 000.

Hunderttausende Befürworter einer Unabhängigkeit Kataloniens sind in Barcelona für die Freilassung ihrer Anführer auf die Straße gegangen. Zahlreiche Teilnehmer der Demonstration schwenkten am Sonntag im Zentrum der katalanischen Hauptstadt die gelb-rot-blaue Sezessionsflagge. Auf einem riesigen Banner war zu lesen: "Für Rechte und Freiheiten, für Demokratie und Einheit wollen wir sie wieder zu Hause haben." Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 315 000.

Organisiert worden war der Protest von den Bewegungen "Nationale Katalanische Versammlung" und "Omnium". Der Vorsitzende von "Omnium" ist unter den insgesamt neun Sezessionisten, die wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen des vergangenen Herbsts derzeit in Untersuchungshaft sitzen. Die Regionalverbände der beiden führenden spanischen Gewerkschaften und andere Organisationen unterstützten die Demonstrationen, obwohl manche ihrer Mitglieder gegen eine Abspaltung Kataloniens sind. "Die Mehrheit der Katalanen ist sich unabhängig von ihrer politischen Position einig darüber, dass Untersuchungshaft nicht gerechtfertigt ist", sagte der Vorsitzende des katalanischen Verbandes der Gewerkschaft UGT, Camil Ros. Die Gewerkschaften forderten, dass miteinander gesprochen werde.

Die Sezessionsbemühungen in der wohlhabenden Region haben Spanien in die schwerwiegendste politische Krise der vergangenen Jahrzehnte gestürzt. Im Oktober 2017 hatte die Regionalregierung zunächst ein für verfassungswidrig erklärtes Unabhängigkeitsreferendum abhalten lassen, kurz darauf hatte die Mehrheit des regionalen Parlaments eine Unabhängigkeitserklärung für Katalonien gebilligt. Das führte dazu, dass die spanischen Zentralbehörden in der Region eingriffen. Das hatte unter anderem die Absetzung der katalanischen Regierung und eine Neuwahl zur Folge.

Eine Besserung der Lage ist auch ein halbes Jahr nach dem Referendum nicht in Sicht. Die für eine Unabhängigkeit eintretenden Parteien im katalanischen Regionalparlament hatten bei der Neuwahl im Dezember gemeinsam erneut eine knappe Mehrheit erreicht. In der jüngsten Meinungsumfrage der katalanischen Regierung aus dem Februar ging die Unterstützung für eine Unabhängigkeit allerdings zurück: Nur noch 40 Prozent der 1200 Befragten sprach sich in der Umfrage für eine Abspaltung von Spanien aus. Im Oktober waren es fast 49 Prozent gewesen.

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