Afghanistans Präsident Karsai sucht den friedlichen Feindkontakt mit den Taliban. Eine andere Wahl hat er auch nicht mehr. Doch Verhandlungen aus einer Position der Schwäche machen wenig Sinn.
Die Welt steht Kopf am Hindukusch, und wohl niemand kann das in schönere Worte kleiden als Afghanistans Präsident höchstselbst. "Mein teurer Bruder, komme zurück in deine Heimat, komme und arbeite für den Frieden und höre auf, deine Brüder zu töten." So spricht Hamid Karsai - und der Adressat dieser Botschaft, der teure Bruder, ist niemand anders als Mullah Omar, der Taliban-Chef. Da sitzt also der Staatschef, beschützt von 50.000 ausländischen Isaf-Soldaten, in seinem Kabuler Palast und schickt fast flehentlich eine Friedensbotschaft ins talibanische Höhlenversteck. Stärke klingt anders.
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Immer wieder hat Karsai versucht, die Taliban an den Verhandlungstisch zu bekommen. Doch bisher vergebens. (© Foto: Reuters)
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Wer in Afghanistan nach einem Kraftprotz sucht, der muss die Erklärung lesen, die Mullah Omar fast zeitgleich veröffentlicht hat. Gönnerhaft bietet er darin den ausländischen Truppen im Land eine "sichere Heimkehr" an, wenn sie sich zum Abzug entschlössen. Andernfalls würden sie "in allen Teilen der Welt geschlagen werden".
Im Westen - zumal in Deutschland, wo Mitte Oktober im Bundestag über die Verlängerung und Ausweitung des Bundeswehr-Mandats entschieden wird - muss man sich angesichts dieser beiden Erklärungen zwei Fragen stellen. Erstens, ob es überhaupt noch Sinn macht, ausländische Soldaten für Karsais Sache kämpfen zu lassen, wenn der Präsident sich feige mit dem Feind verbrüdern will. Und zweitens, ob es um Afghanistan wirklich schon so schlimm steht, dass ohnehin nur noch der geordnete Rückzug bleibt.
Zweifellos ist die militärische Lage alles andere als gut. Anders als zu Beginn dieses Anti-Terror-Krieges, ist längst nicht mehr klar, wer hier die Jäger sind und wer die Gejagten. Klar ist dagegen heute schon, dass 2008 für die ausländischen Truppen das blutigste Jahr seit Beginn des Einsatzes gewesen sein wird. In den ersten neun Monaten starben bereits 221 Soldaten, 2007 waren es 219.
Gegen die Anschläge aus dem Hinterhalt, gegen die vergrabenen Bomben und die Selbstmordattentäter kann sich keine Armee vollständig schützen, auch wenn sie auf den Schlachtfeldern noch so überlegen ist. Das ist noch lange kein Grund, vor einem Massenmörder vom Schlage des Mullah Omar zu kapitulieren - schließlich weiß man, welche Repression nach innen und Aggression nach außen die Restauration seines Regimes bedeuten würde. Aber die Asymmetrie dieses Krieges führt zu einer Pattsituation, die noch sehr lange andauern könnte.
Damit allerdings wäre weder Afghanistan geholfen noch dem Westen gedient. Die Bereitschaft, in den Wirren am Hindukusch zu kämpfen und zu sterben, sinkt hierzulande dramatisch. Hamid Karsai mag sich wünschen, dass die Amerikaner und Europäer noch mehr Truppen, noch mehr Waffen und noch mehr Geld schicken. Doch letztlich weiß er, dass er nicht auf ausländische Lösungen setzen darf, sondern dass er einen afghanischen Weg suchen muss.
Auf diesem Weg kommt Karsai an den Taliban nicht mehr vorbei, und deshalb zeugt sein Aufruf, selbst wenn er defätistisch klingt, doch von einigem Realitätssinn. Seit längerem schon sucht der Präsident den friedlichen Feindkontakt, bislang allerdings ohne Erfolg. Erst hat er versucht, die Taliban zu spalten, doch moderate Kräfte in deren Reihen ließen sich nicht isolieren. Letztlich also hat Karsai gar keine andere Wahl, als den Taliban-Chef persönlich anzusprechen. Denn ein Krieg, der sich festgefressen hat, kann nur enden, wenn die Feinde miteinander verhandeln.
Doch wenn Karsai dies aus einer Position der absoluten Schwäche heraus machen muss, kann es auch gleich ganz bleiben lassen. Er braucht Hilfe, und sicherlich tut er gut daran zu versuchen, die beiden alten Taliban-Paten Saudi-Arabien und auch Pakistan als Vermittler zu gewinnen. Doch entscheidend ist etwas anderes: Der Westen muss ein klares Signal geben, dass er vor der Gewalt der Taliban nicht weichen wird.
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(SZ vom 02.10.2008)
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Und wir schicken weitere 1000 BW-Angehörige nach dort, vielleicht um seine Verhandlungs-Chancen zu verbessern?
Oder weshalb sonst opfern WIR Geld und Leben für eine Sache, die inzwischen sogar vom -allerdings vollkommen machtlosen- Präsidenten KEINES Landes verloren gegeben wird?
Wann endlich wird diese eindeutige Kunde bis nach Berlin und zu den Bundestagsabgeordneten dringen, die dem Einsatz der BW -auch- in AFG, bei dem -auch- dort von den USA vom Zaun gebrochenen Krieg, jedes Jahr einmal mehr zustimmen müssen?
WANN werden auch unsere Politiker endlich merken, dass
- in AFG ein Krieg stattfindet, der NICHT von diesem Land, sondern den USA vom Zaungebrochen wurde?
- es sich deshalb um einen verbrecherischen Krieg der Supermacht USA handelt?
- Deutschland an einem derartigern Überfall auf ein anderes Land selbst dann NICHT teinehmen dürfte, wenn dessen Begründung durch die USA WAHR wäre, was täglich mehr angezweifelt wird?
Immerhin muss man Karsei bestätigen, dass er weitaus mehr Augenmass und Verstand zu haben scheint, wie die Ausländer, die dort seit bald 8 Jahren einen Krieg führen lassen!
Als "einseitig" meinte ich insbesondere den Schlussatz in Peter Münchs Beitrag: Der Westen muss ein klares Signaql geben, dass er vor der Gewalt der Taliban nicht weichen wird".
Ist es nicht einseitig, die Bombardierung und Erschießung von afghanischen Zivilisten durch alliierte Kriegshandlungen zu verschweigen? Ist es nicht einseitig, die geostrategischen US-Interessen im Krieg in Afghanistan nicht einmal zu erwähnen? Ist es nicht einseitig zu behaupten, dass Gewalt (gegen den Westen) nur von den Taliban ausgeht? Und ist es nicht auch einseitig, wenn Peter Münch duch eine solche "Propaganda" die deutsche Öffentlichkeit dazu ermuntert, falsche Entscheidungen von Bundesregierung und Bundestag unkritisch hinzunehmen?
Wenn sie Herrn Münch schon Einseitigkeit vorwerfen, warum sagen sie selber nicht die Wahrheit? Warum versuchen sie nicht die Dinge richtig darzustellen?
Herr Münch vertritt eine Meinung, die "belehrend" zu nennen, doch sehr feinfühlig wäre. Treffender ist sie als besserwisserisch und einseitig zu bezeichnen, denn was "Stärke" und was "Schwäche" ist, lässt sich von außen kaum beurteilen. Jeder Innerafghanische Dialog ist zu begrüßen und der schnelle Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan ebenso. Kategorien wie "gönnerhaft", "feige" und "defätistisch" sind unangebracht, gehen an der Sache vorbei.
Deutsche Soldaten haben und hatten in Afghanistan nie etwas zu suchen. Ihre Teilnahme am Krieg schädigt nachhaltig das traditionell gute deutsch-afghaniscvhe Verhältnis und geht zu Lasten deutscher Interessen. Wann wird die Bunbdesregierung, wann wird die Kanzlerin erkennen, dass dieser Krieg sinn-, uferlos und unverantwortlich ist? Wann wird sie merken, dass ein "weiter so" nur noch zu mehr Leid und Elend führen wird? Wann wird sie aufhören, Deutschland weiter zum Vasallen geostrategischer US-Interessen - die die Taliban bewaffneten! - zu machen? Uns - qou usque tandem, Herr Münch, werden Sie im Vorfeld einer anstehenden Abstimmung im Bundestag über die weitere Verstärkung deutscher Truppen in Afghanistan aufhören fortzufahren, die deutsche Öffentlichkeit einseitig und unangemessen zu informieren?
Dann fangen sie an, mit einer sachlichen Diskussion. Tut mir leid, aber bisher hat hier noch niemand versucht mich mit Argumenten zu widerlegen. Beleidigungen sind das einzige, was man hier gegen mich vorbringt. Aber bitte, versuchen sie es mal mit einem Argument. Dann werde ich auch sachlich antworten.
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