Karolos Papoulias Vom Sozialarbeiter zum Staatspräsidenten

Als das Gerangel zwischen den Parteigranden kein Ende nehmen wollte, war er es, der Griechland vor einer Blamage gerettet und Lucas Papademos ins Amt des Regierungschefs geholfen hat: Beim politischen Neuanfang in Athen spielt Staatspräsident Papoulias eine Schlüsselrolle.

Von Christiane Schlötzer

Irgendwann in der Nacht zum Donnerstag wollte sich der griechische Staatspräsident das Gerangel der Parteichefs nicht länger anschauen. Karolos Papoulias wurde selbst aktiv.

Führte früher eine linke Widerstandsgruppe, war als Sozialarbeiter und Journalist tätig: Griechenlands Staatspräsident Karolos Papoulias.

(Foto: AFP)

Er lud jenen Mann für den nächsten Morgen in seinen Palast Megaro Maximou, auf den sich seit Tagen die Hoffnungen der Europäer und vieler Griechen konzentrieren: Lucas Papademos, früher Vizepräsident der Europäischen Zentralbank. Papademos, obwohl als Favorit für das Amt des Premiers seit Tagen gehandelt, war vor dem Anruf aus der Präsidentenvilla chancenlos - weil sich die Parteigranden wieder einmal hoffnungslos ineinander verkeilt hatten. Am Donnerstagmittag dann konnte Papoulias mit der guten Nachricht aufwarten: Griechenland hat einen neuen Regierungschef, und der heißt Lucas Papademos.

Immer ein bisschen steif, aber sehr aufrecht, mit weißem Haarkranz und akkuratem Binder: So wirkte Papoulias schon präsidentiell, bevor er 2005 erstmals in das höchste Staatsamt gewählt wurde. Inzwischen hat er eine Wiederwahl hinter sich und ist 82 Jahre alt.

Sein italienischer Kollege Giorgio Napolitano ist sogar noch vier Jahre älter. Die beiden alten Herren verbindet viel. Sie spielen derzeit die Schlüsselrolle beim politischen Neuanfang in ihren Staaten. Und sie teilen Erfahrungen aus einer Zeit, die den Nachgeborenen nur aus Geschichtsbüchern bekannt ist. Schon als 14-Jähriger schloss sich Papoulias den Partisanen der Volksbefreiungsarmee an, die in den unwegsamen Bergen seiner nordgriechischen Heimat Epirus gegen die italienischen und deutschen Besatzer kämpften.

Als Papoulias jüngst am Nationalfeiertag, dem 28. Oktober, der an den Widerstand gegen die Einmischung fremder Mächte erinnert, in Thessaloniki von Demonstranten als "Verräter" beschimpft wurde, traf ihn dies hart. Sie sollten "sich schämen", rief er den Empörten zu, die gegen das aktuelle griechische Sparprogramm protestierten. Dann verließ der Präsident, sichtlich bestürzt, die Ehrentribüne und verschwand. Es war dieses Erlebnis, sagen Vertraute, das Papoulias nun auch motivierte, die Zügel nicht weiter schleifen zu lassen, sondern selbst aktiv zu werden. Aus Angst, Griechenland könnte noch weiter an den Rand des Abgrunds geraten.

Zu Deutschland hat der Jurist Papoulias lange schon sehr enge Bindungen. Während der Militärdiktatur in seiner Heimat (1967-1974) lebte er in Köln, führte eine linke Widerstandsgruppe, war als Sozialarbeiter und Journalist tätig. Vor dem griechischen Geheimdienst waren Junta-Gegner auch in Deutschland nicht sicher, deutsche Freunde beschützten Papoulias. Seine Frau arbeitete noch lange weiter in Köln und auch die drei Töchter blieben in Deutschland, als Papoulias 1977 erstmals in das Athener Parlament gewählt wurde. Da war er schon bei den Pasok-Sozialisten, denen er später in verschiedenen Regierungsämtern diente.

Als Staatspräsident wurde er 2005 von den damals regierenden Konservativen vorgeschlagen und von den Sozialisten mitgewählt. Papoulias fiel es auch deshalb wohl nicht schwer, jetzt - erstmals in der griechischen Geschichte - beide großen Parteien zu einer Einheitsregierung zu bewegen.