Um das alles zu erklären, sollten einige rhetorische Verrenkungen notwendig werden, doch die Redner absolvierten die Kür elegant. Angela Merkel erinnerte an die friedliche Revolution in der DDR und den hohen Wert der Freiheit, deren Wahrung und Verteidigung sei seit 1989 angespornt habe. "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut", sagte sie. Kurt Westergaard habe diesen Mut bewiesen, auch angesichts von Todesdrohungen.

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Gerade in Europa habe man gelernt, die Vielfalt von Meinungen und Glaubensrichtungen wertzuschätzen. Verantwortliche in Medien und in der Politik seien an diese Werte gebunden. Zur Causa Sarrazin sagte Merkel nur, sie sei "gerade kein Thema der Meinungsfreiheit". Vielmehr gehe es hierbei um den verantwortungsvollen Umgang - auch mit dem Thema Integration. In der Politik habe es in der Vergangeheit beim Thema Zuwanderung "Versäumnisse" gegeben, nun müssten gesellschaftliche Missstände angegangen werden - allerdings mit Respekt. "Wir in Europa haben gelernt, aus der Vielfalt etwas zu machen."

Auch Joachim Gauck sprach von der Freiheit und dem Mut, sie zu verteidigen. "Kurt Westergaard darf so sprechen", sagte er: "Er hat seine Mörder gesehen." Alle Welt hätte es verstanden, wenn er sich ängstlich versteckt hätte. Der Zeichner aber habe das Gegenteil getan. Der so Geehrte bedankte sich bescheiden. "Die letzten Jahre sind für mich und meine Familie ein große emotionale Belastung gewesen", sagte er - und dass er sich dank des dänischen Geheimdienstes sicher fühle, jedenfalls noch.

Nach 27 Jahren bei Jyllands-Posten hat Westergaard seine Zeitung verlassen. Das Bild, das so viel Wirbel verursacht hat, steht weiter im Mittelpunkt seines Lebens. Im November sollen Westergaards Memoiren erscheinen - mit der umstrittenen Zeichnung des Propheten als Titelbild.

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(SZ vom 09.09.2010/ebc)