Karikaturist Lars Vilks Provokateur mit scharfer Feder

Lars Vilks traut sich mit seinen Zeichnungen einiges - jetzt war er womöglich Ziel eines Anschlags.

(Foto: AP)

Seine Mohammed-Zeichnungen in skandinavischen Zeitungen sind weltberühmt - jetzt erlebt Lars Vilks in Kopenhagen einen Anschlag. Mit seinem Wirken fordert der Künstler seit Jahren Islamisten heraus.

Von Thomas Steinfeld

Eine Fachkraft für Provokationen ist Lars Vilks schon gewesen, als seine akademische Laufbahn noch gar nicht begonnen hatte: In den frühen 80er Jahren errichtete er unweit seiner Heimatstadt Helsingborg in einem Naturreservat an der westschwedischen Küste die Skulptur "Nimis" - einen gigantischen Bau aus Treibholz, der einen langen Rechtsstreit mit den Behörden nach sich zog. Nach Ansicht von Lars Vilks gilt das Gezanke als Teil des Kunstwerkes.

Zehn Jahre später kam in der Nachbarschaft die Skulptur "Arx" hinzu. Sie besteht aus numerierten Steinen und Betonstücken und funktioniert nach demselben Prinzip. Außerdem erklärte er den Teil des Naturreservats Kullaberg, in dem seine Werke stehen, zu einem unabhängigen Staat namens "Ladonia" - was wiederum Rechtsstreit nach Rechtsstreit nach sich zog.

Berühmt wurde der im Jahr 1946 geborene Lars Vilks, der eigentlich Kunsttheoretiker ist und lange an einer Akademie im norwegischen Bergen lehrte, indessen erst 2007. Damals stellte er den Propheten Mohammed in einer eher unbeholfenen Zeichnung als Rondellhund dar, was die schwedische Regionalzeitung Nerikes Allehanda prompt druckte. Seine Karikatur schmückte als Illustration einen Leitartikel über Selbstzensur. Dabei waren diese Zeichnungen ursprünglich für eine Ausstellung über den "Hund in der Kunst" gedacht. Noch vor Beginn der Schau hatte die Kuratorin sie aber aus der Sammlung entfernt.

Kopfgeld von 150 000 Dollar

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Seitdem verfolgt Vilks der Rondellhund, und er verfolgt seinerseits das gezeichnete Tier: Immer wieder wurde der Künstler bedroht, auch in Ausweitung der Bedrohungen, die den Zeichnern der dänischen Tageszeitung Jyllandsposten galten, als sie ihre Mohammed-Karikaturen im September 2005 veröffentlicht hatten. In den Vereinigten Staaten flog im Frühjahr 2010 der Versuch auf, Terroristen für ein Attentat auf Lars Vilks zu rekrutieren - die Anstifterin wurde deswegen im Jahr 2013 zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Immer wieder nimmt Lars Vilks an Veranstaltungen zum Verhältnis von Kunst, Blasphemie und Freiheit Teil. So etwa im Mai 2010 an der Universität Uppsala, wo er einen Film des iranischen Künstlers Sooreh Hera zeigte, in dem unter anderem homosexuelle Männer mit Mohammed-Masken in sexuellen Stellungen auftreten.

Als Monate später in der Stockholmer Innenstadt Bomben explodierten (der mutmaßliche Attentäter wurde getötet und zwei Passanten verletzt), wurde Lars Vilks im Bekennerschreiben als einer der Adressaten des Anschlags genannt. Seitdem steht der 68-Jährige rund um die Uhr unter Polizeischutz. Auf den Schweden soll von einer Gruppe innerhalb der Al-Qaida ein Kopfgeld von 150 000 Dollar ausgesetzt sein.