Kanzlerin in der ARD Merkel: Gabriel macht sich klein

Am Sonntagabend war die Kanzlerin zum zweiten Mal binnen weniger Monate bei Anne Will zu Gast.

(Foto: dpa)

Bei "Anne Will" kritisiert die Kanzlerin den SPD-Chef. Eine Obergrenze für Flüchtlinge lehnt sie weiterhin ab - und findet deutliche Worte gegen Fremdenfeindlichkeit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert das Verhalten von Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD) in der Flüchtlingskrise. In der ARD-Talksendung von Anne Will lehnte sie dessen Vorstoß zu einem Sozialpaket für einheimische Bedürftige parallel zur Flüchtlingshilfe ab. Den von Gabriel zitierten Satz - "Für die macht ihr alles, für uns macht ihr nichts" - bezeichnete Merkel als "schlimm".

Der SPD-Chef hatte im ZDF gesagt, dieser Satz, den er auf allen seinen Veranstaltungen höre, sei "supergefährlich". Merkel dazu: "Ich finde, die SPD und der Vorsitzende Herr Gabriel machen sich damit klein." Die schwarz-rote Koalition habe vieles für Kinder, Eltern, Rentner und Kranke getan.

Erneut verteidigte die Kanzlerin ihre Linie, keine Obergrenze zur Aufnahme von Flüchtlingen festzulegen. In einer so ernsten Phase der Debatte habe sie sich vorgenommen, nicht zu versprechen, "was drei Wochen hält und nachher nicht mehr". Unter anderem CSU-Chef Horst Seehofer, aber auch viele CDU-Politiker plädieren für eine Obergrenze. Sie soll regeln, wieviele Flüchtlinge in diesem Jahr nach Deutschland kommen dürfen.

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Merkel sagte, würde sie solchen Forderungen nachkommen, habe sie vielleicht vier Wochen Ruhe, anschließend würde sie sich aber revidieren müssen. Dann würde die Enttäuschung in der Bevölkerung "noch viel, viel größer".

Merkel äußerte sich auch zur Grenzschließung in Mazedonien. Die deutsche Verantwortung sei es, die Situation nicht zu Lasten eines Landes, sondern gemeinsam mit den EU-Partnern zu lösen. Sie setze auf die Verhandlungen mit der Türkei bei dem EU-Türkei-Gipfel in einer Woche. Griechenland sagte sie weitere Unterstützung zu: "Dieses Land können wir doch jetzt nicht im Stich lassen, sagte Merkel. Man habe das Land doch nicht im Euro gehalten, um es jetzt fallenzulassen.

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