Aber Merkel braucht gute Schlagzeilen, oder zumindest ein sympathisches Umfeld. Vor der Bundespräsidentenwahl sorgte ihre schwarz-gelbe Regierungsmannschaft mit Streitereien über Steuersenkungen oder Steuererhöhungen für Aufmerksamkeit, nicht durch tatsächliche Errungenschaften. Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ging blamabel verloren. Und würde in diesen Tagen eine neue Bundesregierung gewählt, könnte die Kanzlerin von einer Mehrheit nur träumen. Auf magere 38 Prozent käme die Regierungskoalition, die FDP müsste sich wegen der Fünfprozenthürde Sorgen machen. Die meisten Deutschen glauben nicht, dass diese Regierung noch lange hält - eher schon wird Deutschland Weltmeister.

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Angela Merkel und Bastian Schweinsteiger bei der WM 2006. (© ddp)

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Und dann sind da noch ein paar andere Probleme: Die Finanzkrise ist noch nicht überwunden, der Afghanistan-Einsatz ist höchst umstritten, in der Gesundheitspolitik geht nichts voran. Doch die Kanzlerin hat das Thema gewechselt und wendet sich den wirklich wichtigen Dingen zu.

Jubel auf der Ehrentribüne, Bussi-Bussi mit Bastian Schweinsteiger, ein gemeinsamer Auftritt mit Jogi Löw - solche Szenen kämen Merkel gerade recht. Aber auch im Falle einer Niederlage kann die Kanzlerin auf einen Platz auf der ersten Seite der Bild-Zeitung hoffen: "Merkel tröstet unsere Jungs", stünde dann dort. Und die unseligen politischen Misserfolge würden dorthin verdrängt, wo sie hoffentlich niemand wahrnimmt - auf die neunte Seite der FAZ, beispielsweise.

Angela Merkel verteidigte sich gegen die Kritik. Es sei ein "sehr wichtiges Zeichen", dass auch ausländische Staats- und Regierungschefs mit ihren Besuchen in Südafrika die Besonderheit der ersten Fußball-WM in Afrika würdigten, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. "Das ist für den ganzen Kontinent ein Ereignis von herausragender Bedeutung."

Zudem würden solche Besuche auch immer für politische Gespräche und Begegnungen genutzt, auch Merkel habe entsprechende Termine. Sie treffe unter anderem den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma. Der Regierungssprecher verwies zudem darauf, dass die Kanzlerin schon lange in Kontakt mit der deutschen Fußballnationalmannschaft stehe. Teammanager Oliver Bierhoff habe die Entscheidung Merkels, beim Spiel gegen Argentinien vor Ort im Stadion zu sein, unterstützt. Bierhoff habe gesagt, dies sei auch im Sinne der Mannschaft, wenn die Kanzlerin zu dem "schweren Spiel" kommt, berichtete Wilhelm.

Das Kanzleramt lässt mitteilen, Merkel wolle im Zweifel mehrmals nach Südafrika fliegen. Der Besuch des Halbfinale lässt sich noch anders rechtfertigen: Am Mittwoch wird nämlich auch noch ein Internationaler Bildungsgipfel in Kapstadt abgehalten. So ein Zufall.

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(sueddeutsche.de)