Kanzlerin als Führungskraft Chefproblem Angela Merkel - ihre sieben Schwächen

Die Kanzlerin kämpft mit Rückschlägen und widerspenstigen Koalitionären. Ihr Job wäre es, damit klarzukommen - doch die Grundprinzipien guter Führung lässt sie vermissen. Eine Analyse.

Im Prinzip ist alles klar. Angela Merkel hat eine eindeutige Mehrheit. Bei der Bundestagswahl im September 2009 glaubten ihr die Deutschen, dass eine bürgerliche Koalition dem Land guttun würde. Ihre Union mit der FDP, das schien in den Augen des Publikums eine Ideal-Konstellation. Achteinhalb Monate nach dem Wahlausgang ist Kanzlerin Merkel mit ihrer schwarz-gelben Koalition in ärgster Not. "Aufhören!" bringt der Spiegel über das Pannen-Kabinett auf den Titel. Merkel, die Unglückliche, hat gleich sieben Mal gegen eherne Führungsprinzipien verstoßen. Als Chefin verdient sie sich deshalb die Note mangelhaft.

Erstens: Autorität

Die Theorie: Der Chef/die Chefin strahlt Überzeugungskraft aus und wirkt stets kompetent.

Die Realität: Angela Merkel ist eine Führungskraft, der immer weniger folgen.

Dass Mitarbeiter immer eigene Pläne, eigenen Ehrgeiz und ihre eigene Persönlichkeit haben - das alles ist logisch und eine Herausforderung, der sich jede Führungskraft stellen muss. Zuhören und abwarten hilft da nicht viel. Der Chef muss auch durchgreifen können. Und, noch wichtiger: Die Mitarbeiter müssen wissen, dass ihr Vorgesetzter die nötige Autorität hat, sie jederzeit zur Ordnung zu rufen. Sobald daran gezweifelt wird, wächst die Unruhe. Der Zusammenhalt bröckelt, die Basis zerbricht.

Das ist das Problem der Angela Merkel: Sie hat nur noch eine positionale Autorität, die quasi automatisch durch das Amt kommt. Ihre sachliche und ihre persönliche Autorität jedoch schrumpft gegen null.

Dass es im Rahmen der Sparklausur und der Gesundheitspolitik zu internen Reibereien kommen würde, war abzusehen. Eine gute Führungskraft hätte bereits im Vorfeld jedem einzelnen Mitarbeiter klarmachen müssen, was sie erwartet (volle Konzentration auf die Aufgaben) und was sie nicht dulden wird (wilde Beschimpfungen im eigenen Lager).

Das hat Merkel offenbar nicht nachdrücklich genug getan. Jedenfalls beschimpft sich die Truppe selbst mit Begriffen wie "Rumpelstilzchen", "Wildsau" und "Gurkentruppe". Die politische Agenda rückt in den Hintergrund, persönliche Querelen beherrschen die Öffentlichkeit.

Genau das ist das Problem, sagt Bruce Tulgan, Managementberater und Autor des Buches Einer muss der Chef sein. "Sie können die Konflikte erheblich verringern, indem Sie dafür sorgen, dass sich die Mitarbeiter auf ihre Arbeit konzentrieren", rät er Führungskräften. Wenn klare Ansagen nicht funktionieren, müssten Konsequenzen für die betreffenden Mitarbeiter folgen. Selbst CSU-Chef Horst Seehofer fordert in dieser Situation klärende Worte von der Chefin. Doch die Chefin badet gern lau und sagt höchstens, sie sei "nicht bereit zu akzeptieren", wie CSU und FDP derzeit miteinander redeten.

So schwach reagiert sie häufig. Als Außenminister Guido Westerwelle in der Hartz IV-Debatte beispielsweise von "spätrömischer Dekadenz" sprach, ließ Merkel verbreiten, das sei nicht der "Duktus der Kanzlerin". Seitdem hat sich wenig geändert im Unternehmen Bundesregierung. Angela Merkel ist eine Chefin ohne Autorität. Maria Holzmüller

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