Eine zweite Wahlrunde wäre für Wladimir Putin ein Gesichtsverlust. Für Gennadij Sjuganow wäre sie ein Erfolg. Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, der schon 1996 Boris Jelzin in eine Stichwahl zwang, wittert in den Massenprotesten gegen die Wahlfälschungen seine große Chance. Ob die Demonstranten sich aber dem 67-Jährigen anschließen werden, der nach Umfragen derzeit auf Platz zwei hinter Putin landen würde, steht noch nicht fest.

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Gennadij Sjuganow, Vorsitzender der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation, hatte sich zunächst von den Dezemberproteste ferngehalten. (© dpa)

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Anfangs hatte sich Sjuganow von den Dezemberdemonstrationen noch ferngehalten. Doch dann gelang ihm der Schulterschluss mit dem Linksaktivisten Sergej Udalzow. Um möglichst viele Protestwähler abzuschöpfen, will Sjuganow mit ihm gemeinsame Sache machen. Im Gegenzug soll er zugesagt haben, im Falle eines Wahlerfolgs zentrale Forderungen der Protestbewegung erfüllen zu wollen. Die "Liga der Wähler", ein Bündnis parteiloser Regimekritiker, distanzierte sich hingegen von jeglicher Zusammenarbeit mit etablierten Parteien.

Dass Sjuganow - wie die Präsidentenkandidaten der anderen in der Duma vertretenen Parteien auch - die Absetzung des Wahlleiters Wladimir Tschurow fordert, wird ihm für einen Erfolg nicht reichen. Vielmehr muss er sein Image als ehemaliger Sowjet-Apparatschik loswerden. Seine Partei steht noch immer für die nostalgische Verklärung des kommunistischen Regimes während der Sowjetunion - und ist damit gerade für viele junge Menschen unwählbar.

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(SZ vom 27.01.2012/fran)