Von Sebastian Schoepp

Fünfunddreißigmal ist Venezuela bei den Abstimmungen im UN-Plenum über die Besetzung eines Sitzes im Sicherheitsrat durchgefallen. Doch Präsident Hugo Chavez gibt so leicht nicht auf, vor allem dann nicht, wenn es darum geht, die USA zu ärgern.

So versuchte Chavez vor einer weiteren, für Mittwoch geplanten Abstimmung, Bolivien als möglichen Ersatzkandidaten zu lancieren, falls Venezuela erneut scheitert.

Hugo Chavez; ap

Hugo Chavez (© Foto: AP)

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Die USA fürchten Chavez als Quertreiber im UN-Sicherheitsrat, etwa wenn der Atomstreit mit Iran und Nordkorea behandelt wird. So hatte Washington Guatemala als Gegenkandidaten aufgebaut. Doch die den USA treu verbundenen Mittelamerikaner scheiterten ebenfalls.

Seitdem wird - allerdings vorerst inoffiziell - nach einem Kompromisskandidaten gesucht. Am Dienstag nun berichtete Boliviens Präsident Evo Morales überraschend, sein Kollege Chavez habe ihn angerufen und erklärt, er werde die nötige Zweidrittel-Mehrheit nicht erreichen. "Chavez hat gesagt, er werde die Kandidatur an Bolivien weitergeben. Wir sind Bewerber für den Sicherheitsrat", sagte Morales.

Stimme für Lateinamerika

Das aber dürfte für das US-geführte Lager nicht wirklich eine Alternative sein, denn Morales gilt neben Fidel Castro als engster Verbündeter von Chavez in Lateinamerika. Nach Angaben des von Chavez gegründeten Fernsehsenders Telesur hätte Bolivien hingegen die Unterstützung von Chile und Peru, wenn es sich als Konsenskandidat erweise.

Es gehe darum, eine Stimme zu finden, die alle Lateinamerikaner vertreten könne, sagte Chiles Außenminister Alejandro Foxley. Bislang hatten Chile und Peru sich enthalten, was Chavez als Affront ansah.

Die Frage nach dem Nachrücker Argentiniens als nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat spaltet jedoch nicht nur Lateinamerika. Bei den bisherigen Abstimmungen kristallisierte sich klar eine Front heraus: Auf der einen Seite standen die USA mit ihren europäischen Verbündeten und den konservativen Regierungen Lateinamerikas.

Auf der anderen Seite Venezuela, das bei armen Ländern mit billigem Öl um Rückhalt geworben hatte, und 55 Stimmen aus Asien und Afrika bekam. Aber auch der Unterstützung Chinas, Russlands und arabischer Staaten konnte Chavez sich sicher sein. Nicht umsonst hatte er sich in letzter Zeit mit den Parias der Weltpolitik, dem Weißrussen Alexander Lukaschenko und dem Iraner Mahmud Ahmadinedschad, gezeigt.

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(SZ vom 26.10.2006)