Kampf um Aleppo Syrische Rebellen auf dem Rückzug

Die syrischen Aufständischen geben ein strategisch wichtiges Stadtviertel in Aleppo auf. Obwohl die Rebellen nun besser bewaffnet sind als noch vor wenigen Monaten, können sie den Panzern der Regierung wenig entgegensetzen. Die jüngsten Seitenwechsel von Assad-Vertrauten haben bei ihnen zwar Erwartungen auf einen baldigen Kollaps des Regimes genährt. Doch diese Hoffnungen könnten verfrüht sein.

Von Sonja Zekri, Kairo

Nach tagelangem Bombardement durch Kampfflugzeuge und Hubschrauber haben sich die bewaffneten Aufständischen aus einem wichtigen Stadtteil der Metropole Aleppo zurückgezogen. Agenturen zitieren Kommandeure der Freien Syrischen Armee im Viertel Salaheddin, die einen "taktischen Rückzug" bestätigen. Nun werde man aus einem benachbarten Stadtteil die Gegenoffensive vorbereiten.

Die Regierungstruppen rücken in strategisch wichtige Stadtviertel der Metropole Aleppo vor.

(Foto: dpa)

Salaheddin war die Hochburg der Rebellen in Aleppo und befindet sich an der Straße nach Damaskus. Nach tagelangem Beschuss liegen weite Teile des Viertels in Trümmern. Obwohl die regierungsfeindlichen Kämpfer nun besser bewaffnet sind als noch vor wenigen Monaten, können sie den Panzern der Regierung wenig entgegensetzen außer selbstgebauten Sprengfallen. Neben Waffen fordern die Kämpfer daher vor allem eine Flugverbotszone ähnlich jener in Libyen im Kampf gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi. Bislang hatten westliche Staaten dies abgelehnt. Nun aber bemerkte John Brennan, Antiterror-Berater von US-Präsident Barack Obama, auf die Frage nach einer Flugverbotszone, er habe nicht gehört, dass Obama je eine Maßnahme ausgeschlossen habe.

Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad hat 20 000 Soldaten um Aleppo zusammengezogen, denen höchstens 8000 Rebellen entgegenstehen, wie Journalisten schätzen. Inzwischen schickt die Armee offenbar auch Bodentruppen nach Salaheddin. Aufständische werten das Zögern als Beleg dafür, dass sich das Regime auf seine Armee nicht mehr verlassen kann. Eine Bodenoffensive werde zu massenhaften Desertionen führen, hoffen sie. Das Regime feierte das Einrücken der Armee in Salaheddin als "Säuberung".

Verfrühte Hoffnungen

Präsident Assad ernannte indes Gesundheitsminister Wael al-Halki zum neuen Premier. Dessen Vorgänger Riad Hidschab war nach Jordanien geflohen. Halki, 48, war von 2004 bis 2008 Generalsekretär der Baath-Partei in Daraa, wo der Aufstand gegen Assad begann, später wurde er Vorsitzender der Ärztevereinigung, dann Gesundheitsminister. Menschenrechtsorganisationen hatten kritisiert, dass Krankenhäuser und Ärzte in Halkis Amtszeit im Kampf gegen den Aufstand eingesetzt wurden: Verwundete Protestierende seien misshandelt oder an die Sicherheitskräfte ausgeliefert worden.

Assads Protokollchef, Moheddin Muslimani, dementierte Berichte, er sei zu den Aufständischen übergelaufen. "Diese Berichte sind ohne Grundlage, ich erfülle meine Pflicht im Präsidentenpalast", zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur. Die letzten Seitenwechsel haben Erwartungen auf einen baldigen Kollaps des Regimes genährt. Analysten warnen vor überzogenen Hoffnungen. Zwar wachse die Paranoia innerhalb des Zirkels um Assad, vor allem nach der Flucht von Ex-Premier Hidschab. Doch die Spitzen von Geheimdiensten und Armee gehörten den Alawiten an, derselben schiitischen Sekte wie der Assad-Clan und die meisten der Schabiha-Milizen. Sollte der sunnitisch dominierte Aufstand siegen, fürchten die Alawiten um ihr Leben.