Diese Entwicklung bedroht die wirtschaftliche Stabilität Mexikos. Der Tourismus gehört zu den wichtigsten Branchen, das lateinamerikanische Land empfängt jährlich 20 Millionen Gäste. Nachdem 2009 bereits die Schweinegrippe der Reiselust einen Dämpfer verpasst hat, bleiben nun mehr und mehr Menschen aus Angst vor Kriminalität fern.

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US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano verärgerte Präsident Calderon unterdessen mit der Aussage, Mexikos Sicherheitskräfte seien dem Kampf gegen die Kartelle nicht gewachsen. Calderon entgegnete, Mexiko habe das Problem, Nachbar des "größten Drogenkonsumenten der Welt" zu sein - die USA.

Die löchrige Grenze zwischen den beiden Staaten ist in jeder Hinsicht ein Problem. Drogen und illegale Einwanderer überqueren sie Richtung Norden - Waffen, gestohlene Autos und anderes Diebesgut bewegen sich südwärts. Für die mexikanischen Autoritäten ist die laxe Waffengesetzgebung der Vereinigten Staaten ein ständiges Ärgernis. Amerika sei ein Selbstbedienungsladen für die organisierte Kriminalität, klagt Calderon in Interviews.

Wissenschaftliche Studien kommen nun zu dem Ergebnis, dass die USA in den vergangenen Jahren in Mexiko die gleichen Fehler gemacht haben wie zuvor in Kolumbien. Im Zuge des Plan Colombia pumpte Washington unter Präsident George W. Bush fünf Milliarden Dollar für Waffen, Umweltgifte und militärische Maßnahmen nach Bogotá. Die Bilanz war niederschmetternd: In dem Zeitraum stieg die Kokaproduktion sogar.

Es gelang zwar, die kolumbianischen Drogenkartelle zu zerschlagen - sie wurden jedoch durch die mexikanischen Kartelle Sinaloa, La Familia und Los Zetas ersetzt. Die Zetas, das nur nebenbei, gingen aus von den USA ausgebildeten Elitesoldaten hervor, die die Seite wechselten und nun als die gefährlichste Drogengang Mexikos gelten.

Trotzdem hofft Präsident Calderon, dass ihm der amerikanische Kongress und Präsident Obama für das Jahr 2011 erneut 310 Millionen Dollar für den Drogenkrieg bereitstellen. Die beiden Präsidenten werden jedoch auch über einen Strategiewechsel sprechen müssen.

Gute Ideen dafür sind leider rar. Einige Entwicklungshilfeorganisationen bemühen sich darum, die zerstörten Gemeindestrukturen im Grenzgebiet wieder aufzubauen, um den Bürgen dort Alternativen zum Drogengeschäft zu ermöglichen. Experten - unter anderem das renommierte Brookings Institute in Washington - sind sich darüber hinaus einig, dass Drogen teilweise legalisiert werden müssten, um den Kreislauf von Kriminalität, Gewalt und Sucht zu brechen.

Doch diesen Vorschlag, der auch im Vorfeld des Besuchs wieder laut wurde, schmetterte US-Außenministerin Hillary Clinton gleich ab. Legalisierung von Drogen ist bei der amerikanischen Wählerschaft genauso wenig durchsetzbar wie schärfere Waffengesetze.

Es bleibt also die Hoffnung, dass Obama und Calderon wenigstens in Abwesenheit der Presse Ideen wie diese erörtern. Sonst sind schöne Bilder vom Staatsbankett das Einzige, was Calderons Besuch in Washington gebracht haben wird.

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(sueddeutsche.de/mati)