Kampf gegen den IS Syrische Armee erobert Zitadelle von Palmyra zurück

Wo früher Touristen in der Ferne schauen, finden derzeit harte Kämpfe statt: Die arabische Zitadelle von Palmyra beitet einen fantastischen Überblick auf die Oasenstadt

(Foto: AFP)
  • Die syrische Armee hat Zitadelle von Palmyra vom IS zurückerobert.
  • Straßenkämpfe in der Stadt.
  • Kämpfe auch um Mossul.

Da wo früher Touristen einen fantastischen Blick genossen, finden derzeit harte Kämpfe statt: Die syrische Armee hat dem Staatsfernsehen zufolge die auch symbolisch wichtige Zitadelle von Palmyra von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückerobert haben. Die arabische Burganlage aus dem ersten Jahrtausend trohnt über der Antikenstadt. Jeder Tourist, der Palmyra in der Vergangenheit besucht hat, ist auf den Resten der Burg gewandelt, die Jahrtausende nach den Bauwerken der Antikenstadt entstand.

Die Streitkräfte hätten wieder die Kontrolle über die Zitadelle gewonnen, nachdem sie den Dschihadisten "viele Verluste" beigebracht hätten, zitierte das Staats-TV am Freitag eine Armeequelle. Zuvor hatte die Armee bereits einen strategisch wichtigen Hügel eingenommen, von dem aus man die historischen Kulturschätze überblicken kann.

Offensive mit russischer Unterstützung

Auch an anderen Stellen versuchen Regierungstruppen mit aller Macht, die antike Oasenstadt zurückzuerobern. Gekämpft werde an den Eingängen zur Stadt, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Freitag einen Militärvertreter. Die Soldaten hätten auch die Hügel rund um die Stadt eingenommen. Am Vortag waren sie mit russischer Unterstützung aus der Luft bereits kurz in die Stadt eingedrungen, waren aber dann wieder zurückgeschlagen worden. Würde die Terrormiliz aus Palmyra vertrieben, wäre dies ein spürbarer Rückschlag für die Extremisten.

Der IS wurde bereits am Donnerstag von syrischen Regierungstruppen in die Zange genommen, aber wieder zurück geschlagen. Ein Vertreter des syrischen Militärs sagte, die "schweren Kämpfe" dauerten an. Auch russische Elitesoldaten seien daran beteiligt, verlautete aus Armeekreisen. Russische Nachrichtenagenturen zitierten einen russischen Militärvertreter mit der Aussage, dass in der Nähe von Palmyra ein russischer Offizier getötet worden sei, der vom Boden aus Hinweise für präzise Luftangriffe gegeben habe.

Unbestätigten Meldungen zufolge wurden bei den Gefechten seit Dienstag etwa 40 Dschihadisten und acht regierungstreue Kämpfer getötet. Die IS-Dschihadisten kontrollierten die Stadt Palmyra seit Mai vergangenen Jahres. In den folgenden Monaten schockierten sie die Weltöffentlichkeit mit der Sprengung antiker Tempel, Gräber und Statuen sowie öffentlichen Hinrichtungen. Der IS pflegt in seinem selbst erklärten "Kalifat" in Syrien und im Irak eine brutale Lesart des islamischen Rechts, das in antiken Kulturgütern Symbole des Götzendiensts und Heidentums sieht, die es zu zerstören gelte.

Palmyra zählt zu den spektakulärsten historischen Stätten im Nahen Osten und zum Unesco-Weltkulturerbe. Unesco-Generaldirektorin Irina Bokova begrüßte den Vorstoß in die Stadt bereits gestern und erklärte, Palmyra sei unter der IS-Herrschaft zum "Symbol" der kulturellen Verwüstung im Nahen Osten geworden, gehöre aber weiter zum Weltkulturerbe.

Kämpfe auch um Mossul

Auch im Irak starteten Regierungstruppen und verbündete Kämpfer gerade eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt Mossul. Während der "ersten Phase" ihres Einsatzes in der nördlichen Provinz Niniwe eroberten die Soldaten nach Angaben der Armee vier Dörfer. Mossul ist die Hauptstadt der Provinz Niniwe. Eine Rückeroberung Mossuls wäre ein Meilenstein für das irakische Militär im Kampf gegen die IS-Miliz. Die Stadt befindet sich seit Juni 2014 in den Händen der Dschihadisten.

Unterdessen erklärten die USA und Russland, Regierung und Opposition in Syrien zu direkten Friedensgesprächen im schweizerischen Genf drängen zu wollen. Ziel sei die baldige Bildung einer Übergangsregierung in dem Bürgerkriegsland, teilten US-Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow gestern in Moskau mit. Lawrow sagte, direkte Verhandlungen müssten "baldmöglichst" beginnen.