Zehn Jahre nach dem Tod Pol Pots erholt sich Kambodscha vom Erbe der Schreckensherrschaft . Der boomende Tourismus und gut ausgebildete Heimkehrer eröffnen dem Land Perspektiven.
Keo Phearom gibt Gas, er hat heute noch viel vor. Hinter den Bäumen verschwindet die Silhouette der mächtigen Tempelanlage Angkor Wat im Norden Kambodschas. Vorbei an hupenden Autos schlängelt er sein Tuktuk zum Hotel seiner Kunden.
Keo Phearom will künftig nicht nur mit seinem Tuktuk an den touristischen Sehenswürdigkeiten seines Landes Geld verdienen. (© Foto: W. Jaschensky)
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Noch eine Stunde, dann beginnt die Hochzeitsfeier einer Freundin. Er wird sich verspäten, dafür aber umso lauter einen Toast auf das Brautpaar ausbringen. Dann wird er mit seinen Freunden weiterziehen, er wird in einer Karaoke-Bar Whiskey trinken und er wird ausgelassen tanzen.
Seine Kunden waren heute sehr zufrieden mit seiner Arbeit und bedankten sich mit einem ordentlichen Trinkgeld. Deshalb kann es sich Phearom an diesem Abend erlauben, etwas über die Stränge zu schlagen - ein Luxus, von dem er lange nicht zu träumen gewagt hat.
Geboren am 1. Januar 1979 kam er gerade da zur Welt, als vietnamesische Truppen das furchtbarste Kapitel in der Geschichte Kambodschas beendeten, die Schreckensherrschaft der Roten Khmer. Fast vier Jahre lang terrorisierten die Roten Khmer die Kambodschaner mit einem der wahnsinnigsten Experimente der Menschheitsgeschichte: Die Kommunisten wollten eine agrarische Gesellschaft errichten, autark und abgeschottet von der Außenwelt.
Millionen Tote
Dafür vertrieben die Roten Khmer alle Menschen aus den Städten, ermordeten Ärzte, Lehrer, alle Gebildeten und zwangen die Verbliebenen dazu, unter primitivsten Bedingungen auf dem Land zu schuften.
Phearoms Eltern und Geschwister überlebten den Massenmord, sein Großvater, ein Lehrer und der Ernährer der Großfamilie, war 1975 eines der ersten Opfer der Roten Khmer. Mindestens 1,7 Millionen der zuvor sieben Millionen Kambodschaner fielen am Ende dem Steinzeitkommunismus Pol Pots zum Opfer, wurden grausam hingerichtet oder verhungerten.
Als Phearom gut 19 Jahre später seine Karriere im Tourismus als Kellner in einem Thai-Restaurant begann, war Pol Pot gerade gestorben. Bis zum Tod von Bruder Nummer 1 blieben die Roten Khmer ein entscheidender Machtfaktor in Kambodscha, saßen zeitweise in der Regierung und bedrohten Kambodschas Weg in den Frieden.
Heute hat Keo Phearom sein eigenes, prosperierendes Tuktuk-Geschäft. Und er hat große Pläne. Damit ist er nicht mehr allein in Kambodscha. Zehn Jahre nach dem Tod Pol Pots erhohlt sich das Land langsam von dem Erbe des grausamen Diktators.
Kambodscha ist noch immer eines der ärmsten Länder der Welt, doch der Tourismus boomt, die Wirtschaft wächst stetig und stark - allein im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent - und vor allem junge Kambodschaner blicken inzwischen mit mehr Zuversicht in die Zukunft.
Geteilte Wellblechhütte
Eine von ihnen ist Pen Sopheap. Sie arbeitet in einer Textilfabrik in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. Sie verpackt für Tack-Fat-Garment jeden Tag Hosen namhafter Marken wie Calvin Klein oder Abercrombie & Fitch. Wenn sich wie jeden Tag um elf Uhr das Tor der Fabrik öffnet, geht Pen mit einer Heerschar weiterer Arbeiterinnen in ihre Mittagspause.
Die Mittagshitze und der Gestank der vorbeirauschenden Lastwagen übertünchen den Duft der Garküchen vor der Fabrik. Pen lässt die Essensstände links liegen, denn sie wohnt nur einige hundert Meter von der Fabrik entfernt in einer Hütte aus Holz und Wellblech.
Ihr Zimmer teilt sie sich mit einer Kollegin. Es ist kaum größer als ein Doppelbett, ein Bett steht allerdings nicht im Zimmer. Zum Schlafen rollt sich Pen eine dünne Matte aus. An einer Wand hängt eine Holzstange und daran ihre Kleidung. Ansonsten ist das Zimmer leer.
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Bilder des Tages
Ein sehr positiver Artikel über Kambodscha, vielleicht ein bisschen zu positiv. Das Land macht erhebliche wirtschaftliche Fortschritte, die aber derzeit noch an ca. 60% der Bevölkerung vorbeigehen, die an oder unter der Armutsgrenze leben (trotz anderweitiger offizieller Verlautbarungen). Der Bericht meidet auch die behördliche Willkür, die Machtkonzentration in nur wenigen Händen der regierenden Vokspartei, die Wählerbeeinflussung und -einschüchterung und die politische Gewalt. Die gegenwärtigen Preisanstiege bei den Hauptnahrungsmitteln sind ein schwere Brocken für einen Grossteil der Bevölkerung.
Nichtsdestoweniger ist die Grundtendenz positiv und nur mit Optimismus, nicht Obstuktionismus, wie ihn die Opposition im Lande praktiziert, werden auch künftig die Menschenrechte einen anderen Stellenwert in Kambodscha einnehmen als es gegenwärtig der Fall ist. Letztlich haben es die Kambodschaner nach ihrer qualvollen Geschichte verdient, auch ein bisschen von der Sonnenseite des Lebens mitzubekommen. Ich bin mit einer Kambodschanerin verheiratet, habe drei kamb. Stiefkinder, und wohne teilweise dort.
Nach Kambodscha wollte ich auch schon immer reisen, hoffe, dass ich das bald verwirklichen darf.
Freut mich, dass es mit dem Land und der Bevölkerung wieder aufwärts geht.