Kämpfe in der Ostukraine Kiew lehnt Feuerpause ab - Separatisten sollen weiße Flaggen hissen

Der Kampf um Lugansk und Donezk geht weiter: Die Ukraine lehnt eine Feuerpause ab, sie fordert die Kapitulation der Rebellen. Der Westen fürchtet, Russland könne eine Waffenruhe zum Einmarsch nutzen - getarnt als humanitäre Mission.

  • Die Regierung der Ukraine hat eine von den Separatisten vorgeschlagene Feuerpause abgelehnt und fordert deren Kapitulation
  • US-Außenminister Kerry warnt seinen russischen Amtskollegen vor einer Militärintervention in der Ukraine. Es besteht die Befürchtung, Moskau könnte unter dem Vorwand humanitärer Hilfe Soldaten ins Nachbarland schicken.
  • Bundeskanzlerin Merkel telefoniert mit Ukraines Präsident Poroschenko und bespricht einen möglichen Hilfskonvoi unter Leitung des Roten Kreuzes für die umkämpfte Ostukraine.

Gefechte in der Ostukraine - Kiew lehnt Feuerpause ab

Aufständische und Regierungskräfte liefern sich in der Ostukraine weiter erbitterte Gefechte um die strategisch wichtige Stadt Krasny Lutsch. Der Sicherheitsrat in Kiew widersprach Berichten, wonach der Ort bereits in den Händen der Armee sei. "Die Kämpfe dauern unvermindert an", sagt ein Sprecher. Die prorussischen Kräfte berichteten von Gebietsgewinnen in den Vororten.

Krasny Lutsch liegt zwischen den Separatistenhochburgen Donezk und Lugansk. Wer die Stadt beherrscht, kontrolliert auch eine wichtige Straße zur russischen Grenze. Granatsplitter töteten in Lugansk ein sechsjähriges Mädchen, wie die Behörden mitteilten. Sechs weitere Zivilisten wurden verletzt. In der Stadt waren weiter Hunderttausende ohne Strom und Wasser. "Die Lage bleibt kritisch", teilte der Stadtrat mit.

Bei Gefechten am Stadtrand von Donezk kamen mindestens zwei Zivilisten ums Leben. Die Armee habe die Großstadt eingekesselt und ziehe den Ring immer enger, teilten die Aufständischen mit. Separatistenführer Alexander Sacharschenko rief die Führung in Kiew zu einer Feuerpause auf. "Wir sind zur Waffenruhe bereit, um die zunehmende humanitäre Katastrophe abzuwenden", sagte er.

Während einer befristeten Waffenruhe sollten Zivilisten das Konfliktgebiet verlassen, zudem könnten Verwundete versorgt werden. Sollten die Regierungskräfte aber einmarschieren, so Sacharschenko weiter, würden sie ihr "Stalingrad" erleben.

Die Regierung in Kiew lehnt das Angebot ab. Die Separatisten müssten weiße Flaggen hissen und aufgeben, sagte ein Sprecher der Streitkräfte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge.

Die USA und Deutschland warnen Russland vor Intervention in der Ukraine

Der Westen hat Russland eindringlich vor einer Intervention in der Ukraine unter dem Vorwand humanitärer Hilfe gewarnt. In einem Telefongespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow machte US-Außenminister John Kerry am Samstag deutlich, dass internationale Organisationen dafür am besten geeignet seien. Russland solle davon absehen, "unter dem Vorwand der Friedenssicherung zu intervenieren", sagte Kerry nach Angaben des US-Außenministeriums.

In diesem Punkt hatten sich zuvor bereits US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Telefonat abgestimmt.

Kremlsprecher Dmitri Peskow forderte die Führung in Kiew erneut mit Nachdruck auf, eine humanitäre Katastrophe im Osten zu verhindern. Russland sei zutiefst beunruhigt über die Lage. Inwieweit der Kreml eingreifen will, sofern der Kriegszustand weiter anhält, ließ Peskow offen.

Kanzlerin Merkel bringt Hilfskonvoi unter Leitung des Roten Kreuzes ins Spiel

Nach Angaben des Bundespresseamts telefonierte Merkel auch mit dem ukrainischen Präsident Poroschenko über russische Pläne, einen "humanitären Konvoi" in die Ostukraine zu entsenden. Man habe darin übereingestimmt, dass ein solcher Konvoi nur unter Schirmherrschaft des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz und mit Zustimmung der ukrainischen Regierung stattfinden könne.

Das Präsidialamt in Kiew teilte mit, die Führung der Ukraine würde ein solches Engagement begrüßen. Den Angaben aus Kiew zufolge geht es vor allem um die Großstadt Lugansk, in der Hunderttausende seit Tagen ohne Strom und Wasser ausharren sollen.

Kiew kritisiert russische Militärmanöver, Moskau weist Vorwürfe zurück

Die prowestliche Führung in Kiew wirft Moskau "aggressive Militärmanöver" vor. Eine große Kolonne von Armeefahrzeugen sei bis fast auf ukrainisches Gebiet vorgedrungen, sagte der Vizechef der Präsidialverwaltung in Kiew, Waleri Tschaly. "Sie wollten den totalen Konflikt provozieren", sagte er. Poroschenko habe die Militärführung zu Beratungen einberufen. Kremlsprecher Peskow wies die Vorwürfe zurück. "Es gab keine Versuche russischer Truppen, auf ukrainisches Territorium zu gelangen", sagte er.

Nach dem russischen Einfuhrverbot für Lebensmittel warnt Moskau den Westen vor einer weiteren Zuspitzung der Krise. Sollten die EU und die USA im Ukraine-Konflikt neue Sanktionen gegen Russland verhängen, werde Moskau reagieren, sagte Peskow am Samstag in Sotschi. Russland hatte zuletzt etwa ein Überflugverbot für ausländische Airlines nicht ausgeschlossen.

Wilde Verschwörungstheorien

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