Die Palästinenser zeigen mit den neuen Kämpfen ihre Unfähigkeit, einen eigenen Staat zu schaffen. Es rächt sich nun, dass die Hamas nach ihrem Wahlsieg nicht in Infrastruktur investierte und stattdessen neue Waffen kaufte.
Der Gazastreifen ist ein Gefängnis mit Meerblick. Alle drei Ausgänge werden von Israel kontrolliert, jener im Süden zusätzlich von EU-Beamten und ägyptischen Polizisten. Die 1,5 Millionen Einwohner des Gazastreifens haben weder Arbeit noch genug zu essen. Sie leben auf dem dichtestbesiedelten Gebiet der Welt, der Ausbruch der jüngsten Gewalt ist also auch ein Ausdruck der Hoffnungslosigkeit.
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Gewalt regiert: Hamas-Kämpfer in den leeren Straßen von Gaza-Stadt. (© Foto: AFP)
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Zu Beginn richtete sich die Gewalt gegen Ausländer und gegen Israel, inzwischen ist auch Hamas-Regierungschef Ismail Hanija seines Lebens nicht mehr sicher. Von Ordnung ist kaum etwas zu sehen, dabei hatte es für den Gazastreifen noch vor zwei Jahren verheißungsvolle Prognosen gegeben.
Nach 38 Jahren Besatzung zog Israel sämtliche Siedler und Soldaten aus dem Gazastreifen ab und überließ das Gebiet ganz den Palästinensern. Doch anstatt in Schulen und Universitäten zu investieren, in Kanalisation, Krankenhäuser und Müllverbrennung, widmete sich die von der Hamas geführte Regierung dem Projekt Wiederbewaffnung - mit dem Ziel, Raketen auf Israel abzufeuern.
Seit ihrer Gründung vor 20 Jahren bilden Kampf und Gewalt die Prioritäten der Hamas. Sie sind ihr Lebenselixier. Seit mehreren Monaten nun hat Hamas nicht mehr nur Israel im Visier, sondern auch die von ihr verhassten Mitglieder der Fatah-Organisation von Präsident Mahmud Abbas.
Die Islamisten der Hamas verachten die säkularen Fatah-Mitglieder als korrupt und verwestlicht. Zudem verweigert eine Mehrheit bei den Sicherheitsdiensten der Hamas-Regierung den Gehorsam, weil sie der Fatah angehören. Denn die Fatah-Anhänger haben bis heute nicht die Niederlage bei den Wahlen und den Verlust der Macht vor anderthalb Jahren verwunden. So zerfleischen sich die arabischen Brüder in einem sinnlosen Kampf, in dem der Verlierer schon feststeht: das palästinensische Volk.
Der Bruderkrieg löst Zweifel aus, ob die Palästinenser überhaupt zu einem eigenen Staat fähig sind, wenn sie sich noch nicht einmal untereinander auf einen Modus Vivendi einigen können. Seit vier Jahrzehnten fordern die Palästinenser einen eigenen Staat. In den vergangenen zwei Jahren hatten sie im Gazastreifen die Gelegenheit, dies in Umrissen zu schaffen und ihren Alltag danach auszurichten. Stattdessen wählten sie die Hamas an die Regierung, jene Organisation also, die Israel zerstören will und die Menschen im Gazastreifen mit Waffen versorgt statt mit Büchern und Brot.
Mit ihren internen Kämpfen stellen die Palästinenser nicht nur ihre Untauglichkeit für einen eigenen Staat unter Beweis - sie versetzen auch die internationale Gemeinschaft in auffällige Sprachlosigkeit. Das Schweigen des Westens ist unverkennbar. Es ist gespeist aus Ratlosigkeit und der Einsicht, dass all die Hunderte Millionen Euro an Finanzhilfen bis heute nicht bewirkt haben, dass die Palästinenser ihre Waffen niederlegen und sich in einer Tugend üben, die man mit Geld nicht kaufen kann: Reden.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 13.06.2007)
"Israeli officials are debating whether Fatah can stand up to Hamas in Gaza. They say they have been asked by Washington recently to approve another shipment of armored vehicles, weapons and ammunition to the Presidential Guards. But a senior Israeli official said Israel was worried that the weaponry would just be seized by Hamas, as much of the last shipment was."
Warum muss man fuer solcher Art Information immer (!) auf auslaendische Medien zurueckgreifen? Die sog. Qualitaetszeitungen in Deutschland sind im Bereich der Internationalen Politik, speziell auch was den israelisch-palaestinensischen Konflikt betrifft, nicht sonderlich investigativ, um es sehr (!) vorsichtig auszudruecken.
Ach ja - das o. g. Zitat ist aus der New York Times und es steht leider zu vermuten, dass es in den deutschen sog. Qualitaetszeitungen auch keinen Eingang finden wird; die URL des Artikels:
http://www.nytimes.com/2007/06/13/world/middleeast/13mideast.html
Ansonsten empfehle ich die Artikel von Herrn Robert Fisk im "The Independent" zum Nahostkonflikt zu lesen; selbstredend wieder ein auslaendisches Presseerzeugnis...
"dabei hatte es für den Gazastreifen noch vor zwei Jahren verheißungsvolle Prognosen gegeben"
Ohne Hinterland kann man anscheinend nur erfolgreich sein, wenn man frei exportieren und importieren kann und am Besten noch Freizügigkeit genießt (sprich: das Gebiet verlassen kann), wie man am Beispiel Hong Kongs (v.a. vor 1997) und Singapur sehr gut sehen kann.
Den Gazastreifen konnten schon sehr lange weder Waren und Dienstleistungen noch Menschen frei und ungehindert verlassen.
Warum? Weil immer wieder Gewalt von Gaza ausgeht (siehe Kassam Raketen auf Sderot, gekidnappte Soldaten und Reporter).
Warum gibt es immer wieder Gewalt? Weil die Perspektiven für Einwohner des Gazastreifens gelinde gesagt Scheiße sind und das kein lebenswertes Leben ist.
Von Gaza wird nicht umsonst oft als das "größte Gefängnis der Welt" gesprochen.
Es ist wie die Katze die sich in den Schwanz beißt.
Der Gazastreifen wird immer wieder als "das dichtbesiedelteste Gebiet der Welt" oder "eines der am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt" genannt.
Im Vergleich zu Gebieten wie Singapur oder Hong Kong fragt man sich natürlich, wie das sein kann. Schließlich wohnen dort mehr Einwohner pro Quadratkilometer Fläche.
Allerdings sind das "dreidimensionale" Städte, mit Hochhäusern mehrstöckigen Shopping Malls, U-Bahnen usw. Fast die ganze Bebauung im Gazastreifen ist ein- oder zweistöckig, bis auf Teile von Gaza Stadt. Also im Gegensatz dazu "zweidimensional". Aber auch dort sind die Hochhäuser bei weitem nicht so hoch wie in Singapur oder Hong Kong. Eine U-Bahn oder mehrstöckige Verkehrskomplexe gibt es im Gaza Streifen nicht.
Nimmt man Einwohner pro "nutzbare Fläche" (z.B. wenn man bei mehrstöckigen Gebäuden alle Stockwerke nochmal mitzählt) dann sieht die Rechnung sicher anders aus.
Beispiel: 1998-2002 war ich mehrmals im Gaza Streifen und konnte auch einige Familien zu Hause besuchen. Im Haus eines Bekannten wohnten und schliefen mehr als ein Dutzend Personen auf der Fläche einer größeren Doppelgarage (abgesehen davon parkte der Hausherr sein Taxi im 'Wohnzimmer' damit es nachts nicht beschädigt/geklaut wurde)
Ihre Antwort scheint offensichtlich richtig zu sein.
Hoffen wir, daß Medikamente geliefert werden und gekauft werden können, damit sie allen Palästinensern zu Gute kommen. Und nicht daß sie im zum Teil israelisch kontrollierten Zoll hängen bleiben.
So sehr ich sehe, wie negativ mein erster Beitrag aufgenommen wird, so sehr wünsche ich mir mehr Objektivität in solchen Konflikten.
" Sie muessen wissen , das der eigentliche Traum, die eigentliche Vision jedes Israelis-egal ob Linker oder Rechter- der ist keine Palestinenser vor Augen zu sehen.Etwas wiird geschehen ein Wunder oder eine Katastrophe, und dazu beitragen, damit diese Menschen aus unseren Augen verschwinden."
Gideon Levey " Die israelische Gesellschaft liegt im Koma" Blaetter 6/2007
Ebenfalls l bei Gideon Levy " Die systematische Entmenschlichung und Daemonisierung der Paleaestinenser" und Die Besatung- das Problem Nummer Eins".
Ist Herr Schmitz jetzt publizistisch geforder die Endloesung zu untermauern nachdem er die Palestinaenser fuer unfahig erklaert hat einen Staat zu bilden?
Paging